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Medizin

Modafinil stärkt Gedächtnis von Patienten mit Depressionen

Mittwoch, 18. Januar 2017

Cambridge – Modafinil, ein zur Behandlung der Narkolepsie zugelassenes Stimulans mit gewissem Missbrauchpotenzial, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging (2017; doi: 10.1016/j.bpsc.2016.11.009) das Gedächtnis von Patienten verbessert, die sich von einer Depression erholt hatten.

Viele Menschen mit Depressionen leiden unter Gedächtnisstörungen, die auch nach einer erfolgreichen Behandlung mit Antidepressiva anhalten können und die Rehabilitation der Patienten erschweren. Modafinil, das vermutlich über eine vermehrte Freisetzung von Monoaminen im Cortex die Vigilanz steigert, ist seit längeren als Mittel zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten von Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen in der Diskussion.

Frühere Studien haben beispielsweise die Wirkung bei der Schizophrenie oder bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) untersucht. Auch bei der Depression wurde das Mittel erprobt, allerdings nicht als „Neuroenhancer“. Als solcher wird Modafinil gelegentlich von Personen missbraucht, die auf Partys wach bleiben wollen oder sich in Prüfungen eine bessere Leistung erhoffen, ohne dass diese Wirkung durch Studien sicher belegt wäre.

In einer Studie des Medical Research Council wurden jetzt erstmals gezielt die Auswirkungen auf das Gedächtnis von Patienten mit Depressionen untersucht. An der Studie nahmen 60 Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren teil, die sich von einer depressiven Episode erholt hatten. Die meisten Patienten nahmen weiterhin Antide­pressiva ein.

Die Patienten führten zwei Stunden nach der einmaligen Einnahme von Modafinil oder Placebo eine Reihe von Tests durch. Die „Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery“ misst neben dem Arbeitsgedächtnis und dem episodischen Gedächtnis auch die planerischen Fähigkeiten und die Aufmerksamkeit. Bei den planerischen Fähigkeiten und der Aufmerksamkeit stellte das Team um Barbara Sahakian von der Universität Cambridge in England keine Wirkung fest.

In den Gedächtnistests kam es dagegen zu deutlich besseren Leistungen, wenn die Patienten Modafinil erhalten hatten. In einem Test, in dem die Probanden sich an Gegenstände in Schachteln erinnern mussten, machten Patienten, die Modafinil erhalten hatten, nur halb so viele Fehler wie in der Placebo-Gruppe, berichtet Sahakian. Modafinil verbesserte das Arbeitsgedächtnis und das episodische Gedächtnis.

Wie lang der Effekt anhält, konnte die Studie nicht untersuchen. Offen ist auch, ob die Behandlung außerhalb der Testsituation im Labor die kognitiven Leistungen der Patienten verbessern und ihre Rehabilitation fördern kann. © rme/aerzteblatt.de

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