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Gallengangatresie: Stuhlkarten-Scree­ning bei Neugeborenen verhindert Transplantationen

Donnerstag, 19. Januar 2017

Die Karte zeigt an, welche Stuhlfarbe auf eine Gallengangatresie hinweisen könnte. / MHH TKK

Hannover – Anfang Dezember 2016 hat die Techniker Krankenkasse (TK) 100.000 Stuhlkarten zur Früherkennung der Gallengangatresie an alle 76 stationären Geburts­kliniken in Niedersachsen verschickt. Die Farbkarten sollen eine frühe Diagnose des irreversiblen Verschlusses der ableitenden Gallenwege ermöglichen. Denn dieser kann binnen weniger Wochen die Leber bei Neugeborenen zerstören. Ob die Karte wie auch in der Schweiz bundesweit in das Gelbe Heft eingelegt werden wird, entscheidet eine Evaluation des Pilotprojekts, das die Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit der TK unter Beteiligung der Ärztekammer Niedersachsen durchgeführt hat.

Bei der Gallengangatresie handelt es sich um eine seltene Erkrankung, die die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation im Kindes- oder Jugendalter ist. Viele Neugeborene sind in den ersten Lebenstagen von einer leichten Gelbsucht betroffen, die sich meistens von selbst wieder zurückbildet. In ihrem Schatten kann sich der irreversible Verschluss der ableitenden Gallenwege unentdeckt entwickeln.

Therapie: Bei der Kasai-Operation werden die zerstörten ableitenden Gallenwege durch eine Darmableitung ersetzt. Wird das Kind in den ersten 60 Lebenstagen operiert, können heute etwa 50 Prozent der Kinder langfristig mit ihrer eigenen Leber über­leben. Alle anderen erhalten früher oder später eine Lebertransplantation.

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Wenn der Farbvergleich mit der Stuhl­karte auffällig ist, wird der Kinderarzt eine Blutuntersuchung veranlassen und das Bilirubin bestimmen. Gibt es hier ebenfalls Auffälligkeiten, sollte das Kind sofort an ein Zentrum für pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie über­wiesen werden. Da die Ursache der Gallen­gangatresie bisher nicht bekannt ist, erfolgt die symptomatische Therapie ausschließlich chirurgisch (siehe Kasten).

„Zwar wird bereits heute im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3 auch die Stuhlfarbe der Neugeborenen mit den Eltern besprochen“, sagte Omid Madadi-Sanjani, der das Pilotprojekt in der Kinderchirurgie leitet. Da diese Untersuchung jedoch erst zwischen der dritten und achten Lebenswoche stattfinden würde, könne es für den Erhalt der Leber zu spät sein. „Neben der gelblichen Farbe von Haut und Augen kann ein entfärbter Stuhlgang ein Frühzeichen der Erkran­kung sein“, erklärte Madadi-Sanjani. Einige Länder wie etwa die Schweiz haben daher bereits ähnliche Vergleichskarten der Stuhlgangsfarbe als Früherkennungstest eingeführt.

Vorderseite der Stuhlkarte /MHH TKK

Kinderärzte, Gynäkologen und Hebammen hatten 100.000 von der TK finanzierte Farbkarten im Rahmen des Pilotprojektes erhalten und in das Gelbe Heft eingelegt. Die übersichtlich gestalteten Karten würden es Eltern leicht machen, sich über die Gesundheit ihres neugeborenen Kindes ein Bild zu machen, erklärte die Niedersächsische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Cornelia Rundt heute bei einem Pressegespräch in der MHH.

Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen, äußerte sich zuversichtlich zum Fortbestand des Projekts: „Wir sind gespannt, wie die Stuhlkarten angenommen werden. Kommt die wissen­schaftliche Begleitung zu einem positiven Ergebnis  – wovon wir ausgehen  – plädieren wir für einen bundesweiten Einsatz dieser Karten, zum Vorteil für die schwersterkrankten Kinder und deren Eltern.“

© gie/aerzteblatt.de

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