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Medizin

Asthma: Jeder dritte erwachsene Patient benötigt keine Medikamente

Donnerstag, 19. Januar 2017

Ottawa – Die Diagnose eines chronischen Asthma bronchiale sollte im Erwachsenen­alter kritisch hinterfragt werden. In einer prospektiven Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 317: 269-279) war jeder dritte Patient fünf Jahre nach der Diagnosenstellung beschwerdefrei und nicht mehr auf seine Medikamente angewiesen. 

Die Diagnose eines chronischen Asthma bronchiale fällt vielen Hausärzten schwer. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und vielfach fehlt dem Primärversorger die Ausrüstung für detektivische Allergietests oder eine exakte Untersuchung der Lungenfunktion. Die Diagnose wird häufig empirisch durch die Verordnung eines Bronchodilatators gestellt. Wenn der Patient auf das Medikament anspricht, gilt die Diagnose als gesichert.

Die meisten Patienten erhalten das Medikament dann lebenslang, eventuell noch in Kombination mit einem inhalativen Steroid, da dies die Leitlinien vorsehen. Die Leitlinien empfehlen allerdings auch, nach Erreichen eines stabilen Gesundheitszustands die Dosis der Medikamente langsam zu reduzieren, um die niedrigste effektive Dosis zu finden. Diese Empfehlung wird jedoch nicht immer umgesetzt. 

Shawn Aaron vom Forschungsinstitut der Universitätsklinik in Ottawa hatte bereits in einer früheren Studie gezeigt, dass die Diagnose kanadischer Primärärzte nicht immer einer Überprüfung standhält. Fast ein Drittel aller Diagnosen musste damals revidiert werden (CMAJ 2008; 179: 1121-1131). Jetzt hat der Forscher die Studie wiederholt. 

In einer stichprobenartigen Telefonumfrage wurden 701 Erwachsene ermittelt, bei denen der Hausarzt in den letzten fünf Jahren die Diagnose einer Asthma-Erkrankung gestellt hatte. Die Patienten wurden zu einer eingehenden Überprüfung eingeladen. Nach einer Anamnese und der genauen Befragung zum Beschwerdebild wurde bei allen Patienten eine serielle Lungenfunktionsprüfung durchgeführt, die sich über vier Untersuchungstermine hinziehen konnte.

Bei Patienten, die beim ersten Termin nicht auf Salbutamol ansprachen, wurde eine Woche später ein Metacholin-Test durchgeführt. Wurde keine Hyperreagibilität der Bronchen gefunden, wurde der Metacholin-Test drei Wochen später wiederholt, in denen die Patienten die Dosis ihrer Steroide und langwirksamen Bronchodilatatoren halbiert hatten. Blieb auch jetzt eine pathologische Reaktion im Metacholin-Test aus, wurde der Test nach weiteren zwei bis drei Wochen wiederholt, nachdem die Patienten die Medikamente ganz abgesetzt hatten. 

Durch diese sorgfältige Strategie konnte bei 203 von 613 Studienteilnehmern (33 Prozent) ein Asthma ausgeschlossen werden. Bei zwölf Teilnehmern (2 Prozent) wurden andere schwerwiegende Erkrankungen als Ursachen der Atembeschwerden ermittelt: Vier Personen hatten eine ischämische Herzkrankheit, zwei eine subglottische Stenose, zwei litten an Bronchiektasen, und je einer an einer interstitiellen Lungenerkrankung, einer pulmonalen Hypertonie, einer Sarkoidose oder einer Tracheobronchomalazie. Die übrigen hatten offenbar keine Asthmaerkrankung.

Auch nach weiteren zwölf Monaten hatten 181 Studienteilnehmer (30 Prozent) weiter keine klinischen oder labormedizinischen Hinweise auf eine Asthma-Erkrankung. Aaron geht davon aus, dass es bei diesen Patienten entweder zu einer spontanen Verbesserung kam oder niemals eine Asthmaerkrankung bestand. Eine spontane Verbesserung könnte bei jenen 14 Patienten (11,8 Prozent) aufgetreten sein, bei denen der Primärarzt zur Diagnose eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt hatte. Bei der Mehrheit der Patienten war dies niemals geschehen, so dass Aaron von einer hohen Zahl von Fehldiagnosen ausgeht. © rme/aerzteblatt.de

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