Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antikörper unterdrückt HI-Viren

Donnerstag, 19. Januar 2017

Köln – Sogenannte breit-neutralisierende Antikörper könnten künftig bei HIV-Infizierten die Virusreplikation über mehrere Wochen hemmen. Einer von drei verfügbaren Antikörpern wurde jetzt auch in Deutschland getestet, mit vielversprechenden Ergeb­nissen, wie eine Studie in Nature Medicine (2017; doi: 10.1038/nm.4268) zeigt.

Bei einigen wenigen HIV-Infizierten kommt es erst sehr spät zu einer Immunschwäche. Sie verdanken diesen Schutz sogenannten breit-neutralisierenden Antikörpern. Diese erkennen Bestandteile auf der Oberfläche des Virus, die keinen Veränderungen unterworfen sind, weil das Virus sonst seine Ansteckungsfähigkeit verlieren würde.

In den letzten Jahren ist es gelungen, mehrere dieser breit-neutralisierenden Antikörper gentechnisch herzustellen. Zwei Antikörper – „AutoNC117“ und „VRC01“ – haben in klinischen Studien bereits eine Wirkung gezeigt. Nach einer einmaligen Infusion wurde die Virusreplikation über Wochen bis Monate blockiert. Ein dritter Antikörper „10-1074“ wurde jetzt an der Rockefeller Universität in New York und am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung in einer Phase 1-Studie getestet.

Zunächst erhielten 14 gesunde Probanden eine Infusion. Alle vertrugen die Behandlung gut, berichtet das Team um Florian Klein von der Uniklinik Köln. Die Halbwertzeit lag bei 24 Tagen.

Danach wurden 19 HIV-Infizierte behandelt. Dreizehn Patienten erhielten die höhere Dosis von 30 mg/kg. Bei elf der 13 Patienten kam es daraufhin zu einem schnellen Abfall der Viruskonzentration im Blut. Die niedrigsten Konzentrationen wurden nach durch­schnittlich 10,3 Tagen erreicht. Danach setzte die Virusreplikation wieder ein. Bei einigen Patienten wurden jetzt Viren gefunden, die gegen „10-1074“ resistent waren. Die anderen Antikörper könnten nach Einschätzung der Forscher noch wirksam sein.

Die rasche Entwicklung dieser „Escape“-Varianten ist aus klinischer Sicht eine Enttäuschung, da sie die Wirkung weiterer Infusionen infrage stellen. Für die Grundlagenforschung könnte sie jedoch interessante neue Erkenntnisse zur Dynamik und die Mechanismen der Resistenzentwicklung liefern. Die Wissenschaftler planen jetzt weitere Studien. Bereits im Frühjahr sollen die nächsten Patienten behandelt werden. Ob am Ende ein effektives Medikament steht, das den Patienten wenigstens vorübergehend die tägliche Einnahme von Medikamenten erspart, lässt sich nicht vorhersagen.

© rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. Mai 2018
Wien – In Österreich darf von Juni an ein HIV-Selbsttest in Apotheken gekauft werden. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium bestätigte heute einen entsprechenden Bericht der Salzburger Nachrichten. Ein
Österreich erlaubt Verkauf von HIV-Selbsttests in Apotheken
14. Mai 2018
Berlin – Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) informiert auf einer neuen Internetseite über Möglichkeiten für Menschen mit HIV, sich gegen Diskriminierung zu wehren. Viele Betroffene erlebten auch heute noch
Internetportal gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV initiiert
25. April 2018
Genf – Blut- und Speicheltests zum Nachweis einer HIV-Infektion können von medizinischen Laien zuverlässig durchgeführt werden. In den meisten Fällen werden laut einer Übersicht von Mitarbeitern der
WHO: HIV-Selbsttests liefern verlässliche Ergebnisse
19. April 2018
Brighton – Ein britischer Friseur, der absichtlich mehrere Männer mit dem Aidserreger infizierte, muss für mindestens zwölf Jahre ins Gefängnis. Er hatte seine zehn Opfer auf einer Dating-App
Gericht verhängt lange Haftstrafe für absichtliche Infizierung mit HIV
17. April 2018
Berlin – Die „Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter“ (dagnä) hat eine Entscheidung des Unterausschusses Arzneimittel des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses
Ärzte begrüßen G-BA-Entscheidung zur HIV-Postexpositionsprophylaxe
5. April 2018
Berlin – Deutsche Aids-Hilfe und Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter haben sich mit einem Brief an die Hausärzte in Deutschland gewandt und deren Bedeutung bei
Aids-Hilfe ruft Hausärzte zu Sensibilität bei HIV-Diagnosen auf
8. März 2018
Silver Spring – Der monoklonale Antikörper Ibalizumab, der durch Bindung am CD4-Rezeptor den Eintritt von HI-Viren in T-Zellen verhindert, erzielt bei Patienten mit multiresistenter (MDR)
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige