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Medizin

Nutzen und Risiken: Ärzte neigen zu Fehleinschätzungen – Patienten auch

Freitag, 20. Januar 2017

Gold Coast – Ärzte überschätzen häufig den Nutzen von diagnostischen Tests und Therapien und sie unterschätzen deren Risiken. Das kam in einer systematischen Übersicht in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.8254) heraus.

Kein Arzt kann die Vielfalt der Studien überblicken, die fast täglich zu seinem Fachgebiet publiziert werden. Viele verlassen sich bei der Beurteilung einer Therapie auf ihr Gefühl, das jedoch täuschen kann. Dies zeigen 48 Studien, die Tammy Hoffmann und Chris del Mar vom Centre for Research in Evidence-Based Practice (CREBP) der Bond Universität in Gold Coast/Australien aus der Literatur zusammengetragen haben. Dort waren 13.011 Ärzten zu Nutzen und Risiken unterschiedlicher Diagnostiken und Therapien befragt worden und die Antworten mit den Ergebnissen klinischer Studien verglichen worden.

Ergebnis: In den Studien, die die Erwartung der Ärzte mit den tatsächlichen Ergebnissen verglichen, lagen die Ärzte nur in 3 von 28 Bereichen richtig (11 Prozent). Bei möglichen Schäden entsprach die Einschätzung der Mehrheit der Ärzte nur in 9 von 63 Bereichen (13 Prozent) der Wirklichkeit.

In den Studien, die eine Über- und Unterschätzung gegenüberstellten, waren die Ärzte in der Regel zu optimistisch. Der Nutzen wurde in 7 von 22 Fällen (32 Prozent) überschätzt und in 2 von 23 Fällen (9 Prozent) unterschätzt. Risiken wurden in 20 von 58 Diagnostiken oder Therapien (34 Prozent) unter- und in 3 von 58 Bereichen (5 Prozent) überschätzt.

Einige Beispiele: Die Risiken von CT-Untersuchungen wurden von den meisten Ärzten unterschätzt, beim Krebs-Screening lagen die Einschätzungen eher richtig. Der Nutzen des Neugeborenen-Screenings ist geringer, als viele Ärzte vermuten. Teratogene Risiken werden oft überschätzt – mit der Ausnahme von Paracetamol, dessen Gefahren in der Schwangerschaft drei Viertel der Ärzte korrekt einstuften. Über den Nutzten der Statine waren Ärzte gut informiert.

Auch der Nutzen von ASS zur Vorbeugung eines Schlaganfalls bei Vorhofflimmern wurde von den meisten korrekt wiedergegeben. Der Nutzen von Warfarin wurde dagegen unterschätzt und die Risiken überschätzt. Die Risiken der Lebertransplantation wurden von 90 Prozent unterschätzt. Der Nutzen von Antibiotika bei Atemwegs­infektionen wurden oft zu positiv gesehen, die Risiken der Hormonersatztherapie wurden schlimmer eingestuft als sie sind.

Vor zwei Jahren hatten Hoffmann und del Mar eine ähnliche Untersuchung zur Ein­schätzung von Diagnostiken und Therapie durch die Patienten veröffentlicht – mit ähnlichen Ergebnissen: Auch Patienten überschätzten häufig den Nutzen von Therapien und Tests und unterschätzen die Risiken (JAMA Internal Medicine 2015; 175: 274-286).

© rme/aerzteblatt.de

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