Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hypothese: Mutationen von Knochenmark­stammzellen fördern Atherosklerose

Freitag, 20. Januar 2017

Boston – Die klonale Hämatopoese, eine im Alter häufig auftretende prämaligne Veränderung des Knochenmarks, könnte ein wichtiger Auslöser der Atherosklerose sein, an der viele Menschen im Alter erkranken. Dies zeigen neue tierexperimentelle Befunde in Science (2017; doi: 10.1126/science.aag1381).

Mit zunehmendem Alter kommt es vermutlich in allen menschlichen Zellen zu einer Anhäufung von Mutationen. Die meisten bleiben folgenlos, andere führen zum Absterben der Zelle. Einige Mutationen können jedoch schädliche Auswirkungen haben, die über die betroffene Zelle hinausgehen. Dazu gehören Mutationen in den hämato­poetischen Stammzellen des Knochenmarks, die zur Vermehrung bestimmter Zellklone führt. Diese klonale Hämatopoese wird als möglicher Auslöser für Leukämien im Alter diskutiert. Sie könnte jedoch noch eine andere Konsequenz haben.

Forschern ist aufgefallen, dass eine klonale Hämatopoese häufig mit einer beschleu­nigten Atherosklerose einhergeht. Das könnte ein Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass die klonale Hämatopoese die Entzündung in den Wänden der Blutgefäße fördert, die Ursache der Atherosklerose ist.

José Fuster von der Boston University School of Medicine und Mitarbeiter haben diese Hypothese an Mäusen untersucht, deren Knochenmarkzellen das Gen TET2 fehlt. TET2 kodiert ein Enzym, das die epigenetische Kontrolle der Genaktivierung beeinflusst. Sein Ausfall gilt als ein möglicher Auslöser einer klonalen Hämatopoese. Mäuse, deren hämatopoetischen Stammzellen das Gen TET2 fehlt, erkrankten an einer beschleunigten Atherosklerose.

Die Verkalkungen an der Aortenwurzel waren 60 Prozent größer als bei anderen Tieren, die das gleiche Futter erhalten hatten. In den Plaques der atherosklerotischen Mäuse wurden vermehrt Makrophagen entdeckt, die die Entzündungsvorgänge in der Gefäßwand vorantreiben. Fuster vermutet, dass die klonale Hämatopoese zur Bildung von aggressiven Makrophagen führt, die vermehrt in die Blutgefäße eindringen und dort die Atherosklerose fördern.

Die Forscher haben deshalb die Makrophagen der TET2-defizitären Mäuse näher untersucht. Die Makrophagen zeigten eine erhöhte Aggressivität, was sich an der vermehrten Bildung von NALP3 zeigte. NALP3 ist Bestandteil eines sogenannten Inflammosoms, das Makrophagen zu einer entzündlichen Reaktion veranlasst. Teil dieser entzündlichen Reaktion ist die Freisetzung von Interleukin 1beta, was Fuster ebenfalls bei den Makrophagen nachweisen konnte. Eine Blockade von NALP3 verhinderte bei den Tieren die Entwicklung einer Atherosklerose.

Damit könnte die Hypothese klinisch überprüft werden. Ein NALP3-Inhibitor ist zwar derzeit noch nicht für die Anwendung beim Menschen zugelassen. Nach der Hypothese der US-Forscher sollte jedoch auch ein Interleukin-1-Rezeptorantagonist wirksam sein. Ein solches Medikament ist als Anakinra seit 2002 zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen. Im ersten Schritt könnte beispielsweise untersucht werden, ob Patienten, die über längere Zeit mit dem Mittel behandelt wurden, seltener an einer schweren Atherosklerose erkrankt sind als andere.

© rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

25. Mai 2018
Kiel – In Schleswig-Holstein sind mit knapp 235.000 Menschen im Schnitt so viele Menschen wie in keinem anderen Bundesland bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert. Der Anteil
Schleswig-Holstein ist Spitzenreiter bei möglichen Knochenmarkspendern
22. Mai 2018
Stuttgart – Auf der Suche nach potenziellen Stammzellenspendern fährt von morgen an ein Sonderzug durch Deutschland. Er wird von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf die Reise geschickt.
Blutkrebs: Sonderzug sucht Stammzellenspender
7. Mai 2018
Bonn - Nachdem es unter der Behandlung mit Azithromycin in einer klinischen Studie zu einem Anstieg von Rezidiven und Todesfällen gekommen ist, warnt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) vor dem
Azithromycin: Warnung nach Rezidiven und Todesfällen in Studie zur hämatopoetischen Stammzelltherapie
25. April 2018
Luxemburg – Die EU-Kommission muss keinen Gesetzesvorschlag zur Zerstörung menschlicher Embryonen vorlegen. Das geht aus einem veröffentlichten Urteil des Gerichts der Europäischen Union (EuG) hervor
EU-Gericht: Kein Gesetzesvorschlag zur Zerstörung von Embryonen
20. April 2018
Los Angeles – Aus pluripotenten Stammzellen abgeleitete Gehirnzellen von stark adipösen Menschen beeinflussen den Hunger anders als von Normalgewichtigen. Sie dysregulieren häufiger Hormone, die für
Hypothalamus-Neuronen von adipösen Menschen reagieren stärker auf Appetithormone
18. April 2018
Basel – Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen
Züchtung von Knorpel aus Stammzellen gelungen
13. April 2018
Berlin/Santiago – Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS hat ihre internationale Arbeit auf Chile ausgeweitet. Die gemeinnützige Organisation, die sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben hat,
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige