Medizin

Prostatakarzinom: Multiparameter-MRT könnte jede vierte Biopsie vermeiden

Freitag, 20. Januar 2017

London – Ein Multiparameter-MRT könnte einem Viertel aller Männer mit einem erhöhten PSA-Wert oder anderen Verdachtsmomenten eine schmerzhafte und manchmal riskante Stanzbiopsie der Prostata ersparen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Validierungsstudie im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32401-1). 

Eine mit transrektalem Ultraschall (TRUS) gelenkte Stanzbiopsie der Prostata ist Methode der Wahl zur Diagnose eines Prostatakarzinoms. Die Entnahme von 10 bis 12 Gewebezylindern ist nicht nur schmerzhaft. Es kann auch zu Blutungen, Entzündungen und Infektionen kommen. Selbst eine lebensgefährliche Sepsis ist möglich. Seit längerem wird deshalb nach Methoden gesucht, die Untersuchung auf Personen zu beschränken, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Karzinom haben, das anschließend behandelt werden muss.

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Gute Erfahrungen wurden in den letzten Jahren mit dem Multiparameter-MRT gemacht. Bei dieser Variante der Kernspintomographie (MRT) wird neben der T1-Gewichtung und der T2-Gewichtung auch eine diffusionsgewichtete Bildgebung und eine dynamische MRT nach Kontrastmittelgabe durchgeführt. Da die MRT ohne Strahlung auskommt, ist die Untersuchung für den Patienten risikolos. Ob sie tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung ist, wurde in den letzten Jahren in der britischen „Prostate MRI Imaging Study“ (PROMIS) untersucht.

An der Studie nahmen 576 Männer teil, bei denen nach einem PSA-Test, einer digitalen rektalen Untersuchung oder aufgrund einer positiven Familienanamnese der Verdacht auf ein Prostatakarzinom bestand. Bei allen Teilnehmern wurde zunächst mit einem gewöhnlichen Kernspintomographen (1,5 Tesla) eine Multiparameter-MRT durchgeführt. Es folgte eine Biopsie der Prostata. Vor der üblichen TRUS-Biopsie mit 10 bis 12 Stanzen wurde noch eine erweiterte TPM-Biopsie („template prostate mapping biopsy“) durchgeführt, die zuverlässigere Ergebnisse liefert als die Stanzbiopsie und in der Studie als Standard diente. In der Praxis wird häufig darauf verzichtet, weil die Risiken erheblich sind. In PROMIS erlitten acht Teilnehmer eine Sepsis. 

Wie Hashim Ahmed vom University College London berichtet, hatten 408 Männer ein Prostatakarzinom, das bei 230 Männern als klinisch signifikant eingestuft wurde (Gleason-Score 4 oder höher, vermutlicher Durchmesser 0,5 ml oder größer). Das Multiparameter-MRT erkannte 93 Prozent dieser Tumore, während allein mit einer Stanzbiopsie nur 48 Prozent erkannt worden wären (Sensitivität). Nach dem Multiparameter-MRT kam es allerdings häufiger zu falsch-positiven Befunden. Die Spezifität war mit 41 Prozent versus 96 Prozent nach der Stanzbiopsie niedriger.

In einer Triage, die zunächst ein Multiparameter-MRT durchführt und die Biopsien auf Personen mit einem verdächtigen Befund in dieser Untersuchung beschränken würde, könnte nach weiteren Berechnungen von Ahmed die Gesamtzahl der Biopsien um 27 Prozent gesenkt werden.

In dieser Strategie könnten Patienten mit erhöhtem PSA-Wert und negativem Multi­parameter-MRT zunächst weiter beobachtet werden, um bei einem weiteren PSA-Anstieg eine definitive Diagnose mit einer Biopsie anzustreben. © rme/aerzteblatt.de

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