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Medizin

US-Zulassung: Synthetisches Peptidhormon lindert chronische Verstopfung

Sonntag, 22. Januar 2017

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das synthetische Peptid­hormon Plecanatid zur Behandlung der chronischen idiopathischen Obstipation bei Erwachsenen zugelassen. Das oral verfügbare Medikament, das im oberen Gastro­intestinaltrakt die Ausschüttung von Flüssigkeit in den Darm steigert, hat in zwei Phase-3-Studien die Frequenz der spontanen kompletten Stuhlentleerungen erhöht.

Plecanatid ist ein Analogon von Uroguanylin, das 1996 erstmals beschrieben wurde. Es handelt sich um ein Peptidhormon aus 16 Aminosäuren mit zwei Disulfidbrücken. Uroguanylin fungiert als Agonist am Guanylylcyclase-Rezeptor GC-C, der den Elektrolyt- und Wassertransport in Darm- und Nierenepithelien reguliert. Uroguanylin steigert die Freisetzung von Chlorid und Bikarbonat und damit von Flüssigkeit.

Plecanatid unterscheidet sich nur in einer Aminosäure von Uroguanylin, soll aber 8-fach stärker wirken. Als Peptidhormon wird es (in Experimenten bis zu einer Dosis von 48,8 mg) nicht vom Darm resorbiert.

Die vermehrte Freisetzung von Flüssigkeit erhöht das Stuhlvolumen und verkürzt die Transitzeit, was Menschen mit chronischer Obstipation den Stuhlgang erleichtern soll. Der Hersteller Synergy Pharmaceuticals aus New York hat das Mittel in zwei Phase-3-Studien getestet, an denen insgesamt 1.775 Patienten mit chronischer Obstipation nach den modifizierten Rom-III-Kriterien teilnahmen. Sie mussten seit mehr als sechs Monaten unter einer funktionellen Obstipation gelitten haben mit weniger als drei kompletten Stuhlgängen pro Woche in den drei Monaten vor Beginn der Studie.

Primärer Endpunkt der beiden Studien war ein Ansprechen auf die Behandlung, definiert als mindestens drei komplette Stuhlgänge plus ein Anstieg um mindestens einen kompletten Stuhlgang pro Woche während wenigstens neun Wochen der zwölfwöchigen Studiendauer.

Unter der Behandlung mit Plecanatid (3mg/die) schafften dies in beiden Studien jeweils 21 Prozent der Patienten gegenüber 10 Prozent (Studie 1) beziehungsweise 13 Prozent (Studie 2) in den Placebogruppen.

Die wichtigste Nebenwirkung war eine Diarrhö, die bei 5 Prozent der Patienten (gegen­über 1 Prozent in der Placebo-Gruppe) auftrat und manchmal zum Abbruch der Behandlung führte.

Wirksamkeit und Sicherheit von Plecanatid wurden laut FDA bisher nicht bei Patienten unter 18 Jahren untersucht. Die Behörde rät dringend von der Behandlung von Kindern unter sechs Jahren ab. Sie befürchtet, dass der Übertritt von Flüssigkeit in den Darm zu einer Dehydration führen könnte. Eine Kontraindikation besteht auch bei einer vermute­ten mechanischen Obstruktion des Darms.

Der Hersteller macht keine Aussagen darüber, ob das Mittel auch in Europa eingeführt werden soll. Auf der Homepage der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) findet sich kein Hinweis auf den Wirkstoff. © rme/aerzteblatt.de

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