Medizin

Wann AML-Patienten auf Cytarabin-basierte Standard­chemotherapie ansprechen

Montag, 23. Januar 2017

Frankfurt – Bislang war nicht vorherzusagen, welche Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) auf die Cytarabin-basierte Standardchemotherapie ansprechen und welche nicht. Forscher der Universität Frankfurt haben nun einen Biomarker entdeckt, mit dessen Hilfe Ärzte Patienten, die auf die Therapie ansprechen werden, mit hoher Ge­nauigkeit identifizieren können. Darüber hinaus eröffnen die Ergebnisse neue Mög­lich­kei­ten zur Behandlung von Leukämiepatienten, für die gegenwärtig keine geeignete The­rapie zur Verfügung steht. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht (2016; doi: 10.1038/nm.4255).

Der Wirkstoff Cytarabin bildet das Rückgrat von Chemotherapien zur Behandlung der AML. In Krebszellen wird Cytarabin durch die Bindung von Phosphatgruppen aktiviert. Die Arbeitsgruppe um Jindrich Cinatl vom Institut für medizinische Virologie untersuchte Cytarabin-resistente AML-Zellen. Diese stammen aus der sogenannten Resistant Cancer Cell Line collection. Dabei entdeckte Cinatl, dass die Toxizität von Cytarabin gegenüber AML-Zellen mit der Konzentration des zellulären Enzyms SAMHD1 korreliert, was es mög­lich macht, die Empfindlichkeit von AML-Zellen gegenüber Cytarabin vorherzusagen.

Anzeige

Die Wissenschaftler konnten danach zeigen, dass das Enzym SAMHD1 Phosphat­grupp­en von der aktivierten Form von Cytarabin abspaltet und Cytarabin wieder in seine inak­ti­ve Form überführt. In einer Zusammenarbeit mit Klinikern der medizinischen Klinik II der Goethe-Universität Frankfurt konnten sie zeigen, dass die in Leukämiezellen gefundenen SAMHD1-Konzentrationen auch ermöglichten, AML-Patienten, die von Cytarabin-basier­ten Chemotherapien profitieren, klinisch mit hoher Genauigkeit zu identifizieren.

„Damit ist SAMHD1 ein neuer klinischer Biomarker, der es ermöglicht, Cytarabin-basierte Therapien gezielt für AML-Patienten zu verwenden, die mit hoher Wahrschein­lichkeit auf die Behandlung ansprechen werden, und Patienten, die mit hoher Wahr­scheinlichkeit nicht ansprechen werden, die toxischen Nebenwirkungen zu ersparen“, fasst die Arbeits­gruppe ihre Ergebnisse bis zu diesem Punkt zusammen.

Die Forscher gehen aber noch weiter: Sie konnten zeigen, dass die Hemmung von SAMHD1 AML-Zellen für Cytarabin sensibilisiert, was neue Therapiemöglichkeiten für Leu­kämiepatienten eröffnen könnte, für die es zurzeit noch keine wirksamen Behand­lungen gibt. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

10.03.17
Jena – Imatinib hat die Prognose von Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML) entscheidend verbessert. Von den Teilnehmern der Studie, die 2001 zur Zulassung des Tyrosinkinase-Hemmers......
06.03.17
Houston – Der „BiTE“-Antikörper Blinatumomab verlängert die Überlebenszeit von Patienten mit Philadelphia Chromosom negativer B-Zell-Vorläufer-ALL gegenüber einer konventionellen Chemotherapie um mehr......
07.02.17
Phoenix – Azathioprin, ein bei Autoimmunerkrankungen zur Langzeitkontrolle eingesetztes Immunsuppressivum, kann in seltenen Fällen ein myelodysplastisches Syndrom oder eine akute myeloische Leukämie......
30.01.17
London – Britische Forscher haben eine universelle Variante der CAR-T-Zelltherapie entwickelt, die die Anwendung einer viel versprechenden neuen Behandlung erleichtern könnte. Bei zwei Säuglingen im......
26.01.17
Ulm – Wissenschaftler, Ärzte, Patientenorganisationen und Pharmaunternehmen aus elf europäischen Ländern fassen ihre Daten und ihr Wissen über hämatologische Krankheiten in einer Datenbank zusammen,......
17.01.17
Leukämie: Wissensdatenbank könnte Therapieplanung verbessern
Hinxton/Ulm – Eine Wissensdatenbank, die die genetischen Merkmale von Krebszellen mit den Behandlungsergebnissen früherer Patienten kombiniert, könnte die Therapieentscheidungen bei künftigen......
12.12.16
AML: Krebsimpfung verhindert Rezidive langfristig
Boston – Eine neuartige individuelle Vakzine, die Leukämie-Zellen mit dendritischen Zellen des Patienten fusioniert, hat in einer ersten klinischen Studie die Remissionen einer akuten myeloischen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige