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Medizin

Vorhofflimmern: Register ermittelt hohe Erfolgsrate, aber auch Risiken der Katheterablation

Montag, 23. Januar 2017

dpa

Barcelona – Die Katheterablation, eine relativ neue Behandlung des Vorhofflimmerns, hat sich in einem europäischen Register bei drei von vier Patienten als erfolgreich erwiesen. Die Behandlung ist laut einer Publikation im European Heart Journal (2017; doi: 10.1093/eurheartj/ehw564) jedoch nicht frei von Risiken und ein hoher Anteil der Patienten nahm auch nach einem Jahr noch Antiarrhythmika ein.

Das Atrial Fibrillation Ablation Registry war im Februar 2012 gegründet worden, um europaweit Erfahrungen einer damals neuen und in ihrer Sicherheit und Effektivität umstrittenen Therapie zu sammeln. Bei der Katheterablation werden durch Abgabe von Hochfrequenzstrom im Mündungsgebiet der Lungenvenen punktförmige Verödungs­narben gesetzt. Sie sollen die Weiterleitung von elektrischen Impulsen stoppen, die eine häufige Ursache des Vorhofflimmerns sind.

Die Therapie ist effektiv, doch um die Lungenvenen im linken Vorhof über einen Venenkatheter zu erreichen, muss bei den meisten Patienten, die nicht mit einem Vorhofseptumdefekt geboren wurden, eine Herzwand durchstochen werden. Die Ablation erfordert deshalb Geschicklichkeit vom Kardiologen. Zu den Risiken gehören Thromben im Vorhof (die in Hirngefäße abdriften und dann einen Schlaganfall auslösen können), eine Verengung der Lungenvenen (mit einer Stauung des Blutes in den Lungen) und eine Fistel zum hinter dem linken Vorhof gelegenen Ösophagus (was zu lebensgefährlichen Blutungen führen kann).

An dem Atrial Fibrillation Ablation Registry haben sich in 27 Ländern (überwiegend aus Europa plus einige in Nordafrika und dem Nahen Osten) 104 Zentren beteiligt, die bisher die Daten von 3.630 Patienten übermittelt haben. Gemeldet wurden nicht nur die unmittelbaren Ergebnisse. Vorgesehen ist auch eine Nachbeobachtung ein Jahr nach dem Kathetereingriff.

Wie Elena Arbelo von der Universitätsklinik in Barcelona berichtet, ist der typische Patient, der sich einer Katheterablation unterzieht, um die 60 Jahre alt, männlich, er leidet an einem paroxysmalen Vorhofflimmern, das seine einzige kardiale Erkrankung ist. Es handelt sich damit um eine bestimmte Selektion von Patienten, da das Vorhofflimmern bevorzugt bei älteren und weiblichen Patienten auftritt, oft keine Symptome verursacht, dafür aber häufiger zusammen mit anderen kardialen Begleiterkrankungen vergesellschaftet ist. 

Die Motivation, sich einer Katheterablation zu unterziehen, war in erster Linie der Wunsch, frei von Symptomen zu sein (91 Prozent) und die Lebensqualität zu verbessern (66 Prozent).

Technisch war die Katheterablation in der Regel erfolgreich. Laut Arbelo gelang es bei 98,8 Prozent der Patienten, die Pulmonalvenen zu erreichen, und bei 95 bis 97 Prozent die Ablation durchzuführen. Bei 7,8 Prozent kam es während des Klinikaufenthaltes zu Komplikationen. Ein Patient starb, nachdem es zu einer Blutung durch eine Fistel in den Ösophagus gekommen war. 

3.180 Patienten (88,6 Prozent) konnten nach einem Jahr kontaktiert werden. Zu diesem Zeitpunkt waren 73,6 Prozent der Patienten ohne Vorhofflimmern. Ein signifikanter Anteil, nämlich 46 Prozent, nahm jedoch weiterhin Antiarrhythmika ein. Als Spätkom­plikationen stufte Arbelo 14 Todesfälle ein, darunter vier kardiale und vier vaskuläre sowie sechs aus anderen Ursachen. Weitere 333 Patienten (10,7 Prozent) erlitten andere Komplikationen.

Die Katheterablation ist deshalb nicht ohne Risiken. Umso wichtiger ist laut Arbelo eine sorgfältige Nachsorge. Die Kardiologin bemängelt, dass nur bei 27 Prozent der Patienten mit zwei oder mehr Risikofaktoren eine Antikoagulation durchgeführt wurde, wie dies von den Leitlinien empfohlen wird. Bei 40 Prozent der Patienten wurde in der Nachsorge auch auf die empfohlenen Langzeit-EKGs verzichtet, die zur Erfolgskontrolle notwendig sind. © rme/aerzteblatt.de

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