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Politik

Innovationsfonds: Hoffnungen und Appelle an Projektträger

Montag, 23. Januar 2017

Berlin – Große Erwartungen und Hoffnungen haben Gesundheitspolitiker sowie Mitglie­der der Selbstverwaltung an die Verantwortlichen der Innovationsfonds-Projekte gerich­tet. „Es gibt viele ungenutzte Möglichkeiten im Gesundheitssystem. Der Innovations­fonds soll uns helfen, Brücken zu schlagen und sich an den Bedürfnissen der Patienten zu orien­tieren“, erklärte Annette Widmann-Mauz, die parlamentarische Staatssekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) bei einer Veranstaltung zum Projektstart des Fonds in Berlin.

Mit dem Innovationsfonds wurden in einem ersten Schritt  29 Projekte im Bereich neue Versorgungsformen im Volumen von insgesamt 225 Millionen Euro gefördert. Vor Vertre­tern der Projekte erklärte die CDU-Politikerin, dass sich der Fonds in die Agenda der Ge­sundheitspolitik in dieser Legislatur einfüge, da das BMG einen Schwerpunkt auf Digita­li­sie­rungs- und Vernetzungsansätze in der Gesetzgebung gelegt habe. Sie hoffe auf den Erfolg der Projekte: „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse, die uns hoffentlich viel Arbeit bei der Umsetzung bringen werden.“

Den Erfolg des Innovationsfonds, bei dem die zuständige Geschäftsstelle vor genau ei­nem Jahr mit der Arbeit beginnen konnte, definierte der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, Josef Hecken, konkreter: „Der Wert des Innova­tions­­fonds wird sich erst dann zeigen, wenn die Evaluationsberichte in dreieinhalb Jahren vorliegen und die Projekte in die Regelversorgung übergehen“, so Hecken.

Die Geschäftsstelle des Innovationsfonds ist beim G-BA angelegt. Zwar sei es eine gro­ße Herausforderung gewesen, die 300 Millionen Euro, die der Fonds 2016 zur Verfü­gung hatte, auszugeben, sowie über 700 Anträge zu bearbeiten. „Wie die Vertreterin der Kas­sen­ärztlichen Bundesvereinigung in dem Ausschuss schon sagte, es war noch nie so schwer, Geld auszugeben. Aber am Ende darf es nicht 500 Insellösungen geben, die mit Ende des Fonds in sich zusammen fallen. Dann wäre der Fonds gescheitert“, erklärte Hecken.

Daher richtete er den Appell an alle Projektbeteiligten: „Die Verantwortung liegt bei Ih­nen, zu beweisen, ob dass, was in den Projekt-Papieren steht, wirtschaftlich ist, die Ver­sorgung verbessert und bei Patienten ankommt. Es wäre eine Schande, wenn wir dieser Verantwortung nicht gerecht werden.“ Für die kommenden Ausschreibungen wünscht sich Hecken mehr Projekte zum Thema Delegation und Substitution.

Auch die Patientenvertreter lobten den Innovationsfonds: „Endlich wird bei Projekten auch einmal darauf Wert gelegt, die Patientensicht mit einzubeziehen“, erklärte Ilona Kös­ter-Steinebach vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das Gesetz hat sehr viele gute Faktoren und Auswahlkriterien für förderungsfähige Projekte benannt.“ Sie mahnte an, dass Projekte mehr den Fokus auf den Patienten als selbstständig handelnde Per­son gelegt wird und Patienten nicht als Objekt betrachtet werden sollten. „Und ich hoffe, dass die Projekte im Fonds kein Schaulaufen für neue Selektivverträge werden wird. Die Versorgungsmodelle müssen in den Kollektivvertrag übergehen.“

Für den Vorsitzenden des Expertenbeirates, Holger Pfaff, bringt der Innovationsfonds ganz neue Perspektiven in das deutsche Gesundheitssystem. „Wir haben zum ersten Mal die Logik von Forschung und Entwicklung ähnlich wie in der Industrie. Damit lernt die Versorgung, wie Prozesse in der Praxis umgesetzt werden können und die Forschung ar­beitet zielgenauer auf die Umsetzung hin“, so Pfaff in Berlin. Außerdem seien die 75 Milli­o­nen Euro, die für 69 Projekte in der Versorgungsforschung vergeben wurden „ein Glücks­fall“.

„Wir können hier die neuen Versorgungsformen für morgen vorbereiten. In Deutschland haben wir nun ein Forschungssystem, das von der Grundlagenforschung bis zur Anwen­dung alles unterstützt“, so Pfaff, der Direktor des Institutes für Medizinsoziologie, Versor­gungsforschung und Rehabilitationswissenschaft an der Uni Köln ist.

Es sei auch die Auf­gabe der Hochschulen, nun den Nachwuchs für die Versorgungs­forschung zu finden und ihnen eine Karriereperspektive an den Universitäten zu bieten. Betrachte man den Fonds unter der Perspektive der Patientenversorgung werde dort Wissenschaft und Praxis wieder besser miteinander verknüpft. „Es ist ein Mittel, die Leute im System wieder zusammenzubringen.“ © bee/aerzteblatt.de

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kissling
am Dienstag, 24. Januar 2017, 12:33

Wurde ja auch Zeit!

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Wir führen in München seit 10 Jahren zusammen mit den niedergelassenen Psychiatern und der BKK im Rahmen eines Selektivvertrags ein Programm durch, dass die Adhärenz der Patienten mit Schizophrenie und Depression für ihre rezidivprophylaktische Langzeitbehandlung verbessert. Eine Zwischenauswertung der ersten 300 Patienten hat schon 2008 gezeigt, dass das sehr gut gelingt: Die Zahl der stationären Wiederaufnahmen und Krankenhaustage ging durch das Programm um mehr als 70 % und die Kosten um mehr als 5.000 Euro pro Patient und Jahr zurück. Trotzdem hat sich keine Krankenkasse außer der BKK dafür interessiert. Jetzt dürfen wir mit Hilfe des Innovationsfonds alle bisher ins Programm eingeschlossenen Patienten noch umfassender auswerten, sehr wahrscheinlich mit ähnlichem Ergebnis. Vielleicht gelingt dann ja die Aufnahme des Programms in die Regelversorgung und es profitieren auch die Patienten der anderen Kassen davon? Dr. Werner Kissling Psychiatr. Klinik der TU München

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