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Ärzteschaft

Praxisschließungen heizen Diskussion um Hausarzt-MVZ an

Dienstag, 24. Januar 2017

München/Berlin – Die überraschende Schließung von drei Standorten eines Medizini­sch­en Versorgungszentrums (MVZ) in Oberbayern heizt die Diskussion um die künftige Rolle sogenannter Hausarzt-MVZ an. Der Betreiber, die „Consensus med“, hatte das Mo­dell­pro­­jekt zur hausärztlichen Versorgung kurz vor Weihnachten überraschend eingestellt.

Drei Hausarztpraxen im Oberbayerischen, nämlich in Petershausen, Reichertshausen, und Hohenkammer, hatte „Consensus med“ für das Projekt aufgekauft und als MVZ an den verschiedenen Standorten geführt. Vor rund einem Jahr hatte die Betreiberge­sell­schaft dafür rund 200.000 Euro Fördermitteln aus dem Bayerischen Gesundheitsministe­rium erhalten. Hinter „Consensus Med“ steht die fränkische Unternehmerfamilie Trißler. Sie ist für Stellungnahmen nicht zu erreichen.

Als „kurzatmiges Lehrstück patientenferner, bürokratischer Gesundheitsversorgung“ be­zeichnete der Bayerische Facharztverband (BFAV) das Modellvorhaben. Trotz der Unter­stützung durch das Ministerium und Rückenwind aus der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns sei das vermeintliche Erfolgsrezept, um Ärzte auf das Land zu locken, ge­scheitert. Die Betreibergesellschaft habe offensichtlich versucht, die ärztliche Versorgung wie einen Klinikkonzern aufzuziehen, in dem sie Arztsitze mit Angestellten bewirtschaftet habe.

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„Unwirtschaftlich und nicht patientenfreundlich“, urteilte die ehemalige stellvertretende Vor­sitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Ilka Enger, die Gründe für die Schließung. Enger ist auch Mitglied des BFAV. Außerdem habe die einseitige Kon­zen­tration auf die hausärztliche Versorgung ohne fachärztliche Partner nicht funktioniert“, so die niedergelassene Internistin aus Regensburg.

Dies sieht der Deutsche Hausärzteverband ganz anders: Hausarzt-MVZ sind für den Ver­band eines von mehreren Zukunftsoptionen, um die Versorgung in ländlichen Regionen zu sichern. Sie böten für die Ärzte einen leichteren Einstieg in die ambulante Versorgung, entlasteten sie bei der Bürokratie und gestalteten die Arbeit flexibler. „Nicht ohne Grund hat der Gesetzgeber die Mög­lich­keit für fachgleiche MVZ geschaffen. Die Gründung sol­cher MVZ wird jedoch durch Regelungen im Kollektivvertragssystem nach wie vor behin­dert“, sagte ein Sprecher des Verbandes gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Die KV Bayerns dementierte indes auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts jede finan­zielle Unterstützung für „Consensus Med“ durch die KV. Zentrales Anliegen der KV sei nun, die ärztliche Versorgung in der Region zu sichern. Dafür hat bereits am 10. Januar ein Gespräch im Rathaus Petershausen zwischen den Bürgermeistern von Petershau­sen, Hohenkammer und Reichertshausen und Vertretern der KV zur Zukunft der ambu­lanten hausärztlichen Versorgung in diesen Gemeinden stattgefunden.

Die drei Bürgermeister Marcel Fath für Petershausen, Richard Heinrich für Reichertshau­sen und Johann Stegmair für Hohenkammer betonten, dass dringend eine zeitnahe Nach­folgerlösung für die jeweiligen Hausarztsitze gefunden werden müsse. Die Vertrags­arztsitze befinden sich derzeit noch in der Trägerschaft von „Consensus med“. Gemein­sam mit der KV war man sich einig, dass diese so bald wie möglich nachbesetzt werden sollten. Ziel sei, dass bei einer Ausschreibung der Arztsitze diese möglichst nahtlos von interessierten Ärzten vor Ort weitergeführt werden können.

© hil/aerzteblatt.de

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