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Medizin

Hygieneprävention bei Schwangeren der beste Schutz vor Primärinfektion mit Zytomegalievirus

Mittwoch, 25. Januar 2017

Köln – Noch relativ wenig bekannt sind Schädigungen bei Neugeborenen, die durch Übertragung des Zytomegalievirus (HCMV) auf Schwangere zu befürchten sind. Dies lässt sich insbesondere auf den zumeist asymptomatischen Verlauf der Infektion zurück­führen, der gleichwohl Schädigungen nach sich ziehen kann. Hygienemaßnahmen könnten das Risiko einer HCMV-Primärinfektion in der Schwangerschaft um 50–85 % senken, berichten Horst Buxmann und Koautoren in einer Übersichtsarbeit in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 45-52).

Auch 85–90 % aller HCMV-infizierten Neugeborenen sind bei Geburt zunächst asympto­matisch. Bei etwa 8–15 % der infizierten Kinder entwickeln sich als Langzeitfolgen Hör­störungen. Das Virus wird durch Schmierinfektion, also den direkten Kontakt von Schleim­häuten mit infektiösen Körperflüssigkeiten wie Nasensekret, Speichel, Tränen­flüssigkeit, Harn, Genitalsekreten oder Muttermilch, übertragen. Es breitet sich über den Blutkreislauf auch bis in die Plazenta aus.

Das Zytomegalievirus sei auch in den westlichen Industrienationen weit verbreitet, betonen die Autoren. Bei etwa der Hälfte der Bevölkerung lassen sich Antikörper nach­weisen. Auch bei seropositiven Schwangeren besteht das Risiko einer Ansteckung der Neugeborenen und bleibender Schädigungen. Größer ist dieses Risiko allerdings, wenn es im Laufe der Schwangerschaft zu einer Primärinfektion kommt. Hier gehen die Auto­ren bei 1.000 Schwangerschaften von 1–2 Kindern mit bleibenden Schäden nach einer HCMV-Infektion aus. Die epidemiologischen Daten und die teilweise gravierenden Folgen der kongenitalen HCMV-Infektion stünden im direkten Gegensatz zur Aufmerk­samkeit, die HCMV in der Schwangerenvorsorge und -aufklärung zuteilwerde, kritisieren die Autoren.

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Gemäß einer Leitlinie der zuständigen medizinischen Fachgesellschaften wird bei Schwangeren die Diagnostik zum Virennachweis empfohlen. Gleiches gilt für berufliche oder private Virusexposition im Umgang mit Kleinkindern bis zum dritten Lebensjahr. Studien zeigen, dass sich durch eine Hygieneberatung bei noch nicht mit HCMV infi­zierten Schwangeren das Risiko einer Infektion im weiteren Verlauf der Schwanger­schaft deutlich reduzieren ließ.

Weniger erfolgreich war bisher der pränatale Einsatz eines Hyperimmunglobulin-Präparats: Hierbei kam es zu keiner signifikanten Reduktion der kongenitalen HCMV-Übertragung. Für die postnatale Therapie stehen außerhalb der Zulassung nach individueller Abwägung der möglichen knochenmarkschädigenden Folgen Wirkstoffe zur Verfügung, die die Fallzahl der Hörschädigungen reduzieren können. © tg/aerzteblatt.de

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