Medizin

USA: Deutliche regionale Unterschiede in der Krebssterblichkeit

Mittwoch, 25. Januar 2017

Seattle – Die Krebssterblichkeit ist in den USA in den letzten 35 Jahren um 20 Prozent gesunken – allerdings nicht überall. In einigen Bezirken ist es gegen den Trend zu einem Anstieg gekommen, wie eine Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 317: 388-406) zeigt. Die regionalen Unterschiede sind teilweise frappierend.

Lungenkrebs ist in den USA (wie auch in Deutschland) die häufigste tödliche Krebserkrankung. Es ist gleichzeitig die Krebserkrankung mit den größten regionalen Unterschieden. Im Union County, einer ländlichen Region in Florida, starben 2014 231 von 100.000 Einwohnern an Lungenkrebs. In Summit County, einem Skigebiet westlich von Denver/Colorado, waren es nur 11 Todesfälle auf 100.000 Einwohner. Das ist ein Unterschied um mehr als den Faktor 20, wie Ali Mokdad vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle berichtet.

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Lungenkrebs ist vor allem in ländlichen Regionen im mittleren Westen am häufigsten: Im Owsley County in Kentucky hat sich die Lungenkrebssterblichkeit fast verdoppelt, bei den Frauen ist sie im Marlboro County (sic!) in South Carolina sogar um 160 Prozent gestiegen. In den Ballungsgebieten an der Ostküste oder in Kalifornien sterben dagegen weniger Menschen als vor 35 Jahren an Lungenkrebs. In einigen Bezirken haben sich die Zahlen sogar halbiert.

Auch beim Darmkrebs sind die Unterschiede erheblich. In Union County Florida kamen 59 Todesfälle auf 100.000 Einwohner, in Summit County waren es nur 8. Ungewöhnlich viele Darmkrebstodesfälle gibt es im mittleren Westen und in den Anrainer-Staaten des Mississippi. Hier gibt es auch die meisten Todesfälle am Brustkrebs bei Frauen und am Prostatakrebs bei Männern. Auch am Pankreaskarzinom sterben in der Mississippi-Region mehr Menschen als in anderen Regionen. Todesfälle am Uteruskarzinom sind dagegen an der Ostküste und in Neuengland am häufigsten. Am Nierenkrebs sterben mehr Menschen in Texas und in Alaska, das hepatozelluläre Karzinom ist in der Grenzregion zu Mexiko eine häufigere Todesursache.

Die Ursachen für die krassen regionalen Unterschiede kann die Studie nicht nennen. Beim Lungenkrebs dürfte das Rauchen der wichtigste Auslöser sein. Hier deckt sich laut Mokdad die Verteilung der Krebssterblichkeit mit dem Anteil der Raucher in den Bezirken. Beim Leberkrebs sei eine Assoziation mit dem Alkoholkonsum nicht erkennbar. Unklar bleibt auch, warum einige tödliche Krebserkrankungen im Umfeld des Mississippi häufiger sind. Auffällig ist, wie Stephanie Wheeler von der University of North Carolina at Chapel Hill im Editorial schreibt, dass sich die Situation überall dort verschlechtert hat, wo der derzeitige Präsident die meisten Stimmen geholt hat.

Regionale Unterscheide in der Krebssterblichkeit gibt es auch in Deutschland. Die Differenzen, die die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) 2010 im Krebsatlas publiziert hat, sind allerdings deutlich geringer. Dies könnte an der geringeren „Auflösung“ liegen. Sie liegt beim Krebsatlas nur auf der Ebene der Bundesländer, während die US-Studie die Mortalität auf „Kreisebene“ recherchiert hat. © rme/aerzteblatt.de

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