Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Adipositas: TK schlägt bundesweiten Aktionsplan vor

Donnerstag, 26. Januar 2017

/dpa

Düsseldorf – Wegen steigender Zahlen stark übergewichtiger Menschen hat die Tech­ni­ker Krankenkasse (TK) Alarm geschlagen. Nötig sei ein bundesweiter Aktionsplan gegen Adipositas, forderte TK-Vorstandschef Jens Baas heute in Hamburg. Allein mit „immer neu­en Aufklärungskampagnen ist es nicht getan“. In Deutschland haben Experten zufol­ge rund 16 Millionen Menschen ein ausgeprägtes Übergewicht.

Allein die TK zählte im vergangenen Jahr fast 700.000 Arztbesuche und knapp 130.000 Klinikaufenthalte mit der Diagnose Adipositas. 2013 seien es erst 580.000 Arztbesuche und knapp 92.000 Klinikaufenthalte wegen dieser Diagnose gewesen. „Allen ist klar, dass wir hier ein schwerwiegendes Problem haben, aber jeder sieht den anderen in der Pflicht“, kritisierte Baas. Gerade bei diesem Thema müssten Politik, Gesundheitswesen, Industrie und auch Verbraucher, über den „Tellerrand hinaussehen“.

„Lebensstilbedingte Erkrankungen medikamentös zu behandeln, erscheint vielen Men­schen als der vermeintlich leichtere Weg“, erklärte Baas. Statt auf Ernährungsumstel­lung zu setzen und Bewegung zu verschreiben, steige neben der Zahl der Patien­ten vor allem die Zahl der verordneten Herz-Kreislauf-Medikamente.

So habe im vergangenen Jahr durchschnittlich jeder Erwerbstätige für drei Monate Herz-Kreislauf-Präparate erhalten. Seit dem Jahr 2000 sei das Volumen dieser Medika­men­te um 80 Prozent gestiegen. Baas kritisierte, dass im Gesundheitswesen nahezu alle von der hohen Medikation finanziell profitierten, es aber kaum Anreize gebe, sich um die Gesundheit der Menschen zu kümmern.

Zudem sieht er die Lebensmittelindustrie in der Pflicht. „Viele Produkte enthalten zu viel Fett und zu viel Zucker, und es wird auf den Verpackungen nicht einmal verständlich ausgewiesen.“ Auch hier ist Baas zufolge der Gesetzgeber gefordert, dafür zu sorgen, dass die Verbraucher sich vernünftig informieren können.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind zwei Drittel der Männer und die Häl­fte der Frauen in Deutschland übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen gilt demnach sogar als stark übergewichtig, also adipös. Übergewicht und Adipositas bedeuten ein er­höhtes Risiko für eine Vielzahl von Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Er­krankungen und bestimmte Krebsarten. Die Ausgaben für Adipositas im deutschen Ge­sundheitswesen werden auf rund 17 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Bei Adipositas kommt es zu einer übermäßigen Ansammlung von Körperfett. Als adipös gelten Erwachsene mit einem Körpermasse-Index (BMI) von mindestens 30. Die Ur­sa­chen der Adipositas sind vielfältig. Dazu gehören genetische Faktoren, Bewegungsman­gel und Störungen des Hormonhaushalts. Studien zufolge kann die Lebenserwartung der Betroffenen bis zu zehn Jahre verkürzt sein. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

14.12.17
Fritten-Bude statt Fitness-Center: Was in Städten die Adipositas fördert
London – Menschen, die weniger als einen Kilometer vom nächsten Fitnessstudio, Schwimmbad oder anderen Sportstätten entfernt leben, haben einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in Lancet Public......
29.11.17
Adipositas und Diabetes für fast 6 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich
London – Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, weil sie übergewichtig beziehungsweise fettleibig sind oder an einem Typ-2-Diabetes leiden. Nach Schätzungen in Lancet Diabetes & Endocrinology......
03.11.17
Adipositas: Radfahren statt Fitnessstudio
Kopenhagen – Wer morgens gemütlich mit dem Rad zur Arbeit fährt, kann sich abends die Strapazen im Fitnessstudio ersparen. Die Auswirkungen auf das Körpergewicht waren in einer randomisierten Studie......
24.10.17
Fettleibigkeit macht Brustkrebs aggressiver
3D-Spheroid von Brustkrebszellen. Invasive Zellen erscheinen durch überlappende Fluoreszensmarkierung des Leptinrezeptors und eines Metastasierungsmarkers hellblau. Zellkerne sind rot gefärbt.......
12.10.17
Wieso ein Kaiserschnitt zu dickeren Kindern führt
New York – Mäuse, die per Kaiserschnitt entbunden werden, wiegen später ein Drittel mehr als nach einer natürlichen vaginalen Geburt. Die Auswirkungen, die Forscher in Science Advances (2017; doi:......
11.10.17
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bald häufiger als Untergewicht
London – Immer mehr Kinder und Jugendliche sind fettleibig. Weltweit hat sich die Zahl der adipösen Menschen im Alter von fünf bis 19 Jahren in den letzten vier Dekaden verzehnfacht. Wenn der Trend......
29.09.17
Hypertonie in der Schwangerschaft fördert Adipositas der Kinder
Qingdao – Ein erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft kann möglicherweise dazu führen, dass das Kind bereits im Vorschulalter eine Adipositas entwickelt. Dies kam in einer prospektiven......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige