Medizin

Grippewelle: ECDC rechnet mit erhöhter Mortalität

Montag, 30. Januar 2017

Stockholm – Die Grippewelle, die in diesem Jahr ungewöhnlich früh einsetzte, hat ihren Gipfel noch nicht erreicht. Der ungewöhnlich hohe Anteil von schweren Erkrankungen ist laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) auf die Zirkula­tion von A(H3N2)-Viren zurückzuführen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die laut ECDC durch den diesjährigen Impfstoff nur „suboptimal“ geschützt seien. Der früh­zeitige Einsatz von Neuraminidase-Inhibitoren könnte den Krankheitsverlauf ab­schwä­chen.

Die Grippesaison hat in diesem Jahren bereits in der 46. Kalenderwoche begonnen. Ein erster Gipfel wurde noch vor Jahresende erreicht. Dies ist ein deutlicher Unterschied zu den beiden letzten Jahren, als die Erkrankungszahlen erst nach dem Jahreswechsel angestiegen waren. Laut ECDC steigen die Erkrankungszahlen in vielen Ländern weiter an. Nur in Portugal und Italien ebbe die Grippewelle langsam ab. In Deutschland haben sich die Erkrankungszahlen laut dem jüngsten Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert Koch-Institut stabilisiert.

Anzeige

Die hohe Zahl schwerer Grippeerkrankungen erklärt sich aus der Dominanz von A(H3N2)-Viren. Diese Viren neigen zu schweren Verläufen, was sich zuletzt in der Saison 2014/15 gezeigt hat. Laut dem EuroMOMO-Netzwerk kam es in dieser Saison in Europa zu 217.000 zusätzlichen vorzeitigen Todesfällen in der Gruppe der über 65-Jährigen. Das sind in Europa etwa 94 Millionen Menschen. Auch in diesem Jahr muss deshalb mit einem Anstieg der Mortalität gerechnet werden.

Zwei Drittel der A(H3N2)-Viren gehören genetisch zu einer neuen Subclade (3C.2a1). Im Prinzip werden sie von einem der drei Bestandteile des diesjährigen Impfstoffes erfasst, der laut ECDC aber bei älteren Menschen oft nur abgeschwächte Wirkung hat. Eine Impfung dürfte zum derzeitigen Zeitpunkt zu spät kommen, da die Wirkung erst nach etwa 14 Tagen einsetzt. 

Eine frühzeitige Behandlung mit Neuraminidase-Inhibitionen – innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn – könnte den Verlauf der Erkrankung abmildern. Laut AGI waren in Tests bisher alle untersuchten A(H3N2)-Viren empfindlich gegen Oseltamivir und Zanamivir. Mutationen, die mit einer Resistenz gegen Neuraminidase-Inhibitionen asso­ziiert sind, seien bislang nicht identifiziert worden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

23.03.17
Schwangere meist unzureichend gegen Grippe geschützt
Berlin – In Deutschland sind schwangere Frauen meist nur unzureichend durch eine Impfung vor Grippe geschützt. Im Jahr 2014 waren im Bundesdurchschnitt nur elf Prozent der Schwangeren effektiv gegen......
27.02.17
Potsdam – In Brandenburg gab es in den ersten acht Wochen des Jahres mit 3.053 registrierten Fällen dreimal so viele Grippefälle wie im Vorjahreszeitraum (959 Fälle). Das hat das......
23.02.17
Gegen Bundestrend: Zahl der Grippefälle in Mecklenburg-Vor­pommern steigt
Rostock – Die Zahl der Grippefälle in Mecklenburg-Vorpommern steigt gegen den Bundestrend weiter an. In der vergangenen Woche wurden landesweit 488 neue Grippefälle gemeldet, wie das Landesamt für......
22.02.17
Berlin – Die schlimmste Phase der Grippesaison in Deutschland ist wahrscheinlich überstanden. Die Welle halte zwar an, allerdings scheine der Höhepunkt überschritten zu sein, schreiben Experten des......
13.02.17
München – Angesichts der heftigen Grippewelle in Deutschland haben Ärzte sich für neue Impfempfehlungen ausgesprochen. In Zukunft solle das Hauptaugenmerk Kindern gelten und nicht, wie bisher, Kranken......
13.02.17
München – Die Erkältungs- und Grippewelle hat auch in diesem Jahr den Absatz an rezeptfreien Mitteln steigen lassen. Allein im vierten Quartal 2016 gaben Kunden nach Zahlen des Deutschen......
09.02.17
Grippe: Mehr als 40.000 Fälle registriert
Berlin – Eine starke Grippewelle sorgt in Deutschland für volle Arztpraxen und Ausbrüche in Schulen und Altenheimen. Allein in der vergangenen Meldewoche seien rund 14.000 bestätigte Fälle von......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige