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ALL: CAR-T-Zellen „von der Stange“ bei Säuglingen wirksam

Montag, 30. Januar 2017

London – Britische Forscher haben eine universelle Variante der CAR-T-Zelltherapie entwickelt, die die Anwendung einer viel versprechenden neuen Behandlung erleichtern könnte. Bei zwei Säuglingen im Alter von 11 und 16 Monaten mit B-Zell-Leukämien wurden laut einem Bericht in Science Translational Medicine (2017; 9: eaaj2013) stabile Remissionen erzielt.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden Abwehrzellen des Patienten im Labor für den Kampf gegen Krebszellen fit gemacht. Dies geschieht durch den Einbau eines chimären Antigen-Rezeptors (CAR) in T-Zellen. T-Zellen sind im Immunsystem unter anderem für die Krebsabwehr zuständig. Der CAR, der Tumorzellen an einem bestimmten Oberflächenmerkmal erkennt, lenkt die Aufmerksamkeit der CAR-T-Zellen auf die Krebszellen, die dann zerstört werden.

Die CAR-T-Zelltherapie ist vor allem bei Leukämien und Lymphomen erfolg­ver­sprechend, da hier die Krebszellen in Blut und Lymphsystem zirkulieren und leichter angegriffen werden können. Die Behandlung setzt aber voraus, dass noch genügend T-Zellen im Blut vorhanden sind, um sie nach einer Leukapherese im Labor für die Produktion von CAR-T-Zellen zu verwenden.

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Dies war bei zwei Säuglingen, die an einer B-Zell-Leukämie, einer Variante der akuten lymphatischen Leukämie, erkrankt waren, nicht (mehr) der Fall. Nach einer fehl­geschlagenen Stammzelltherapie hatten die Tumorzellen das Knochenmark „zurückerobert“ und die Produktion anderer Abwehrzellen weitgehend verhindert.

Waseem Qasim vom University College London und Mitarbeiter entschlossen sich deshalb, T-Zellen von einem gesunden Spender zu verwenden. Diese Zellen wurden zum einen mit einem CAR ausgerüstet, die die Leukämiezellen an dem Merkmal CD19 erkennen, einem Marker für B-Zellen.

Die Forscher entfernten darüber hinaus mit der Genschere TALEN (ein Vorläufer der CRISPR-Cas9-Technologie) außerdem zwei Gene aus den T-Zellen. Dies war zum einen das Gen für das Antigen CD52, dem Angriffspunkt von Alemtuzumab. Mit diesem Antikörper wurden die Säuglinge behandelt, um möglichst alle Lymphozyten aus dem Blut der Säuglinge zu entfernen, damit die CAR-T-Zellen unbehindert ihrer Arbeit nachgehen konnten.  

Wichtiger für den Erfolg war die Entfernung eines Gens, das einen Teil des T-Zell-Rezeptors kodiert. Dadurch wurde verhindert, dass die T-Zellen nach der Behandlung praktisch alle Zellen des Empfängers angreifen, was eine verhängnisvolle Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) auslösen würde. Dies gelang bei dem ersten Patienten nicht ganz. Er entwickelte nach der Behandlung eine GvHD mit Abstoßungsreaktionen in der Haut, die aber mit Steroiden behandelt werden konnten. Eine spätere Stammzell­therapie behob das Problem endgültig. Bei dem zweiten Säugling kam es zu keiner GvHD.

Bei beiden Säuglingen halfen die CAR-T-Zellen, die Krebszellen aus dem Körper zu eliminieren. Beide Patienten befinden sich laut Qasim seit nunmehr 12 und 18 Monaten in Remission. Sie leben zuhause bei den Eltern und entwickeln sich allem Anschein nach normal.

Die CAR-T-Zelltherapie selber wurde gut vertragen. Der befürchtete „Zytokin-Sturm“ blieb aus. Nachdem die CAR-T-Zellen ihren „Job“ erledigt hatten und keine Leukämiezellen mehr im Knochenmark der Kinder vorhanden waren, wurden die CAR-T-Zellen durch eine Chemotherapie abgetötet. Es folgte die bereits erwähnte Stammzelltherapie, die wieder ein gesundes und Krebszellen freies Knochenmark etablierte.

Die Entwicklung der CAR-T-Zellen ist über den Behandlungsversuch hinaus von Bedeutung. Da den Zellen ein funktionierender T-Zell-Rezeptor fehlt, könnten sie im Prinzip auch bei anderen Leukämie-Patienten eingesetzt werden. Die technisch aufwändige und zeitraubende und damit sehr kostspielige Herstellung der CAR-T-Zellen müsste nur ein einziges Mal erfolgen, um eine Vielzahl von Patienten zu behandeln. Dies könnte die Verbreitung einer Therapie fördern, die derzeit nur an wenigen Zentren möglich ist. 

Die Forscher haben bereits mit zwei Anschlussstudien begonnen, in denen neben zehn Kindern auch zwölf Erwachsene behandelt werden sollen.

© rme/aerzteblatt.de

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