Medizin

Arthrose: Placebo in Studie wirksamer als Nahrungs­ergänzungsmittel

Dienstag, 31. Januar 2017

Madrid – Eine doppelblinde Phase-3-Studie, die die Schutzwirkung eines Nahrungs­ergänzungsmittels mit Glucosamin und Chondroitin belegen sollte, kam in Arthritis & Rheumatology (2017; 69: 77-85) zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Placebos besser wirkten.

Die spanische Firma Tedec Meiji Farma ist wie viele andere Hersteller von Nahrungs­ergänzungsmitteln davon überzeugt, dass ihr Präparat die Gelenkfunktion von Patienten mit Osteoarthritis (Arthrose) langfristig verbessern kann. Anders als die meisten anderen Anbieter war die Madrider Firma bereit, eine klinische Studie zu finanzieren, um die Wirksamkeit ihres Produktes zu belegen.

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In einer Doppelblindstudie wurden 164 Patienten mit einer radiologisch belegten Arthrose (Kellgren-Lawrence-Score 2 oder 3) mit mäßigen bis mittelstarken Schmerzen (Intensität 40 bis 80 mm von 100 mm auf einer visuellen Analogskala, VAS) auf eine Behandlung mit 1200 mg Chondroitinsulfat plus 1500 mg Glucosaminsulfat oder Placebo randomisiert. 

Geplant war eine Behandlungsdauer von zwölf Monaten. Doch die Studie wurde nach sechs Monaten vorzeitig abgebrochen. Eine Zwischenauswertung hatte ergeben, dass die Wirkung des Nahrungsergänzungsmittels minimal war. Auf der VAS kam es nur zu einer Verbesserung um 2,4 mm oder 19 Prozent. In der Placebogruppe kam es dage­gen zu einer Verbesserung um 20,5 mm oder 33 Prozent. Der Unterschied war signi­fikant und erklärungsbedürftig.

Studienleiter Jorge Roman-Blas von der Universidad Autónoma de Madrid vermutet, dass die gastrointestinalen Nebenwirkungen der Chondroitin/Glucosamin-Kombination dazu geführt haben, dass die Patienten die Schmerzen in den Knien subjektiv schlimmer einschätzten als die Teilnehmer in der Placebogruppe. Die Nahrungsergänzungsmittel können zu Diarrhö, Bauchschmerzen und Obstipation führen.

Einige Teilnehmer brachen die Studie deshalb sogar ab. Wurden die Studienabbrecher und die Patienten, die die Mittel nicht regelmäßig eingenommen hatten, aus der Wer­tung herausgenommen, waren die Schmerzangaben in beiden Gruppen gleich ausge­fallen. In einigen sekundären Endpunkten wie dem WOMAC-Indec oder der OMERACT-OARSI-Response hatte es keine Unterschiede gegeben. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Donnerstag, 16. Februar 2017, 20:29

was mich stört ist der Titel

Nahrungsergänzungsmittel ist nicht = Glucosamin und Chondroitin
zu TobiO:
der Kollege Schätzler ist doch sehr gut zu verstehen,
ein wirkungsloses Mittel "mit Nebenwirkung"
schneidet bei Befragung schlechter ab, als
ein wirkungsloses Mittel "ohne Nebenwirkung" (Placebo)
TobiO
am Freitag, 3. Februar 2017, 12:02

Doppelbind

Dr. med. Thomas G. Schätzler, ich verstehe Ihren Erklärungsansatz nicht ganz. Es handelte sich doch ausdrücklich um eine Doppelblinde Studie. Hierbei werden natürlich beide Gruppen identisch aufgeklärt.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 2. Februar 2017, 10:19

Erklärung liegt auf der Hand!

Wenn ich Patientinnen und Patienten ein ausdrücklich als Nahrungs­ergänzungsmittel deklariertes Präparat mit Glucosamin und Chondroitin gebe, kommen diese zu der Überzeugung, dass es nur allgemein der Qualitätssicherung ihrer Ernährung dient.

Wenn dabei wesentlich häufiger Magen-Darm-Beschwerden auftreten, ist es ein wenig überraschendes Ergebnis, dass die Placebos besser wirkten. Denn diese wurden in der Vergleichsgruppe gezielt zur Verbesserung der Osteoarthritis bzw. Osteoarthrose der Kniegelenke eingesetzt und machten keine Magen-Darm-Beschwerden.

Während in der Verum-Gruppe die Ernährung mit Nebenwirkungen behandelt wurde, therapierte man in der Placebo-Gruppe die Kniegelenke ohne Nebenwirkungen!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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