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Übergewicht: Bei Schulanfängern leicht rückläufig

Donnerstag, 2. Februar 2017

Bei den unbeliebten Speisen in Kitas standen Suppen auf Platz eins, gefolgt von Auflauf und gegartem Gemüse. Am beliebstesn bei den Kindern sind Nudeln. DGE-Ernährungsbericht/dpa
Bei den unbeliebten Speisen in Kitas standen Suppen auf Platz eins, gefolgt von Auflauf und gegartem Gemüse. Am beliebtesten bei den Kindern sind Nudeln. /dpa

Bonn – Die Zahl der Übergewichtigen nimmt in Deutschland weiterhin zu. Fast 60 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen sind übergewichtig. Unter Berufstätigen ist das Dicksein heutzutage so weit verbreitet, dass es keine Ausnahme mehr darstellt, sondern den Normalzustand. Ein positiver Trend zeichnet sich hingegen bei Kindern ab, die eingeschult werden. In dieser Altersgruppe nahmen fast in allen Bundesländern mit zwei Ausnahmen die Prävalenzen leicht ab. Die DGE-Qualitätsstandards setzt derzeit dabei nur etwa jede dritte Kita um. Zu diesem Schluss kommt der 13. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der unter anderem auf Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes und Schuleingangsuntersuchungen basiert.

Seit der Veröffentlichung der Ernährungssituation in Kindertagesstätten (KESS) im Ernährungsbericht 2000 hat sich einiges geändert. Die Anzahl der Tages­einrichtungen ist auf fast 55.000 gestiegen (Stand: März 2015). Mehr als zwei Millionen Kinder unter sieben Jahren erhalten hier eine Mittagsverpflegung.

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In den 1990er-Jahren bis 2004 nahm der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder in der Einschulungsphase deut­lich zu. Erfreulicherweise verlangsamte sich der Trend in den folgenden Jahren. Inzwischen konnte in nahezu allen Bun­desländern eine Abnahme der Prävalenz festgestellt werden, teilt die DGE in ihrem Bericht mit.

Derzeit liegt der Anteil übergewichtiger Kinder je nach Bundesland zwischen 8,2 Prozent und zwölf Prozent, darunter waren zwischen 2,8 Prozent und 5,3 Prozent adipös. Den geringsten Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder haben Baden-Württemberg und Bayern. Nur in Sachsen-Anhalt nahmen die Prävalenzen für Überwicht und Adipositas leicht zu, in Hessen stagnierten die Prävalenzen. Die Daten stammen aus den Schulein­gangs­untersuchungen bis 2013.

Laut DGE könnten vor allem die gestiegene Problemwahrnehmung und die damit ein­her­gehenden ernährungspolitischen Maßnahmen zu dieser Entwicklung beigetragen haben. So starteten vor gut zehn Jahren auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene zahlreiche Initiativen im Bereich Kita- und Schulverpflegung (beispielsweise In-Form, Schule plus Essenbzga-kinderuebergewicht.de), zudem wurden die DGE-Qualitätsstandards eingeführt.

Genau diese Standards stehen jedoch derzeit unter Kritik. Der Vorsitzende der Deut­schen Akademie für Präventivmedizin (DAPM), Johannes Scholl, sprach sich gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) gegen einen „Freibrief für kohlenhydratreiche Kost“ in Kitas und Schulkantinen aus. Das Maß aller Dinge, an dem sich Schulen und Kitas bei der Verpflegung orientieren, soll der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes sein. Dieser steht derzeit ebenfalls unter Kritik seitens der DGE.

DGE-Empfehlungen in der Kritik

Berlin – Es ist nicht das erste Mal, dass an den offiziellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Kritik geübt wird... Die DGE hat bereits reagiert. Sie sieht den GKV-Spitzen­verband und die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) in der Verantwortung, da diese die Vorgaben des Leitfadens Prävention zu streng auslegen würden....Derzeit stelle die DGE immer noch Kitas, Kantinen und dem Catering für Schulen einen Freibrief für kohlenhydratreiche Kost aus, so Scholl: „Das sollte so schnell wie möglich aus den Köpfen derer verschwin­den, die sich um die Ernährung gerade der Heranwachsenden kümmern.“...

Unabhängig von der aktuellen Debatte um die Qualitätsstandards ist auch die DGE der Meinung, dass das Niveau des Übergewichts im Kindes- und Jugendalter trotz positiven Trends noch zu hoch sei. Anlass zur Entwarnung sei daher nicht gegeben. Repräsen­tative Daten für Deutschland zu übergewichtigen Kindern aus dem Jahr 2016/2017 werden aus der im Rahmen des Gesundheitsmonitorings durchgeführten Fortsetzung der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) erwartet.

Verpflegung an Kitas folgt selten den DGE-Qualitätsstandards
Kapitel zwei des Berichts beschäftigt sich mit einer Studie, die die aktuelle Verpflegungs­situation in Kitas abbildet. Dafür haben Mitglieder der DGE bundesweit eine schriftliche Befragung von 1.408 Kitas ausgewertet und bei etwa jeder zweiten den Vier-Wochen-Speiseplan auf Basis der DGE-Qualitätsstandards analysiert. Über einen Zeitraum von zehn Tagen erfassten die Autoren zudem die Rezepturen von 225 Kitas und führten bei 40 eine chemische Analyse des Essens durch.

Umsetzung der D-A-CH-Referenzwerte
für die Nährstoffzufuhr in der Mittagsverpflegung

Ergebnisse der Chemischen Analyse (n = 40)

  • Portionsgrößen
    waren etwas zu groß: 408 g im Mittel statt 370 g.
  • Kohlenhydrate (KH)
    Die Standardportionen erreichten etwa 98 % des Referenzwerts für die KH-Zufuhr.
    Empfehlung: 47 g pro Portion
    chemische Analyse: 35 g bis 66 g KH pro Portion
  • Fett
    Die Fettgehalte waren mit 13 g pro Standard­portion im Mittel identisch mit den Referenzwerten.
    D-A-CH-Empfehlung: 13 g
    chemische Analyse: 7 bis 21 g
  • Energiebilanz
    Energiegehalte erreichten 98 % des Referenz­werts.
    D-A-CH-Empfehlung: 380 kcal
    chemische Analyse: 297 bis 465 kcal
  • Proteine
    Der Proteingehalt erreichte im Mittel 84 % des Referenzwerts.
    D-A-CH-Empfehlung: 19 g
    chemische Analyse: 11 bis 22 g
     

Quelle: Seite 131, 13. DGE-Ernährungsbericht

Ein Großteil der Kitas hatte eine eigene Küche zur Vorbereitung der Mahlzeiten. Mehr als die Hälfte verfügte über eine Haushaltsküche. Jede fünfte Einrich­tung hatte eine Küche mit wenigen Großküchengeräten zum Erhitzen von Speisen, während etwa 16 Prozent über eine voll ausgestattete Küche mit Groß­küchengeräten verfügten, heißt es im Ernährungsbericht. Insgesamt dominier­te in der Stichprobe das Verpflegungs­system der Warmverpflegung. Immerhin jede dritte Kita bereite die Mahlzeiten frisch vor Ort zu. Eigene Süßigkeiten durften die Kinder in 62,7 Prozent der befragten Einrichtungen nur zu be­son­­de­ren Anlässen mitbringen.

Jede dritte Kita folgte einem dokumen­tier­ten Verpflegungskonzept, was in geringem Maße mit der Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards einherging. Diese setzten 36,6 Prozent der Kitas nach eigenen Angaben um. Die Ursache konnte entweder Nichtwissen sein, viele wichen aber auch ab, um das saisonale Angebot nutzen zu können, die Geschmacks­vorlieben der Kinder zu berücksichtigen, ebenso wie Allergien, Intoleranzen, vegetari­sche Essgewohnheiten oder kulturelle Besonderheiten, die durch den muslimischen oder christlichen Glauben zustande kommen. © gie/aerzteblatt.de

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