Ärzteschaft

Attraktivität des Arztberufs: Niedergelassene haben das Nachsehen

Donnerstag, 2. Februar 2017

Berlin – Die finanzielle Situation der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten hat sich im Mittel weiter verbessert. Trotzdem ist es finanziell oftmals attraktiver, angestellt in einem Krankenhaus zu arbeiten, als selbst niedergelassen zu sein. Das haben das Zen­tralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) und die Kassenärztliche Bundesver­ei­ni­gung (KBV) heute anhand der Daten des aktuellen Zi-Praxis-Panels gezeigt. Die Daten umfassen die Jahre 2011 bis 2014.

Danach ist zwar der Jahresüberschuss der Praxen 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent auf durchschnittlich 156.000 Euro je Praxisinhaber (2011: 140.000 Euro) gestie­gen, wobei die Zahlen für die einzelnen Arztgruppen sehr unterschiedlich aus­fallen (siehe Tabelle). „Der Jahresüberschuss darf aber nicht verwechselt werden mit dem Ein­kommen“, er­klärte Zi-Geschäftsführer Dominik von Stillfried. Davon abzuziehen seien die ärztliche Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Einkom­mensteuer.

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Standardisiere man die Angaben, sinke der Jahresüberschuss auf gut 130.000 Euro. Die­ser Wert kommt zustande, wenn man die Einnahmen, die Ärztinnen und Ärzte aus der Behandlung mit privat Versicherten erzielt haben, auf GKV-Niveau herunterbricht und annimmt, dass alle Niedergelassenen 51 Wochenstunden arbeiten.

Jahresüberschuss 2014
je Inhaber, Ø

Fachgruppe Euro
Gesamt 156.204
Allgemeinmedizin und Innere Medizin (hausärztlich) 158.246
Anästhesiologie 163.205
Augenheilkunde 226.130
Chirurgie 166.366
Dermatologie 202.118
Gynäkologie 167.917
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde 159.465
Gastroenterologie 235.581
Kardiologie 217.319
Pneumologie 222.526
Innere Medizin (ohne beziehungsweise mit mehreren Schwerpunkten) 229.768
Innere Medizin (sonstige Fachgebiete) 294.503
Kinder- und Jugendmedizin 158.026
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie 157.907
Nervenheilkunde, Neurologie und Psychiatrie 183.912
Neurologie 166.393
Nuklearmedizin 227.255
Orthopädie 199.133
Physikalische und rehabilitative Medizin 124.233
Psychiatrie 123.155
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 74.951
Psychotherapie 70.664
Radiologie 348.491
Urologie 189.491
Übergreifend tätige Praxen 200.927

Im Vergleich dazu liegt von Stillfried zu­folge das Jahreseinkommen eines Ober­arztes je nach Diensterfahrung zwischen 130.000 und 140.000 Euro. Einbezogen in diese Kalku­la­tion ist dabei der Arbeit­geberanteil zur Kranken-, Pflege-, Ar­beits­losen- und Rentenver­sicherung. Außerdem ist der Betrag zeitgewichtet, das heißt, es wird analog zu den nie­der­gelassenen Ärzten eine wöchentliche Arbeitszeit von 51 Stunden angesetzt.

Betrachte man die reale Einkommens­entwicklung und beziehe die Inflation mit ein, hätten die niedergelassenen Ärzte in den Jahren 2011 bis 2013 jeweils Null­run­den hinnehmen müssen und erst 2014 einen Zuwachs verzeichnen kön­nen, er­klärte von Stillfried. Dabei sei die GKV der wichtigste Faktor für die Stabi­lität der Ein­kommen. Die niedergelasse­nen Ärzte erzielten über die Kassen drei Viertel ihrer Einnahmen.

Der Zi-Geschäftsführer machte unter an­derem die unstete Entwicklung bei den ärztlichen Einkommen dafür verantwort­lich, dass die Investitionen in die Praxen stagnieren. Denn diese müssen vom Jahresüberschuss noch abgezogen wer­den. 2011 wendeten die Pra­xen im Schnitt 13.800 Euro auf, 2014 waren es 12.700 Euro.

„Die Lage ist nicht so rosig, wie es aus­sieht“, kommentierte der KBV-Vor­stands­vor­sitz­en­de Andreas Gassen d­ie Zahlen. Die Praxen würden Investitionen vor sich herschieben, weil ihnen das Vertrauen in die stabile Entwicklung ihrer Einkommen fehle. „Wir müssen Einkommens­sicher­heit in den Praxen schaffen“, forderte Gass­en. Erheblichen Nachhol­bedarf sieht er beim kalkulatorischen Arztgehalt, das sich nach der Systematik des Ein­heit­lichen Bewertungsmaßstabs (EBM) am Gehalt eines Oberarztes im Kranken­haus ori­entiert. Anhand der vom ZiPP-Panel gewichteten Zahlen stünden Krankenhaus­ärzte so­wohl beim Gehalt als auch bei der Arbeitszeit bes­ser da als die Niedergelas­se­nen.

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„Hier muss sich etwas ändern, sonst wird die Niederlassung unattraktiv“, sagte der KBV-Chef. „Wir brauchen mehr Geld. Das müssen wir bei der EBM-Reform einpreisen.“ Auch die Politik müsse sich fragen, ob sie Anreize für die Niederlassung setzen wolle oder nicht und sich klar zur ambulanten Versorgung bekennen. „Ein Unternehmer muss reüs­sieren können“, meinte Gassen. Das gelte nicht nur für die Ärzte, sondern auch für an­de­re freie Berufe. © HK/may/aerzteblatt.de

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