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Prostatakarzinom: Hormontherapie verlängert Leben bei PSA-Rezidiv nach Radiotherapie

Donnerstag, 2. Februar 2017

dpa

Boston – Eine zweijährige Behandlung mit dem Antiandrogen Bicalutamid kann bei Männern, die nach einer radikalen Prostatektomie ein PSA-Rezidiv erlitten haben, die Effektivität einer Radiotherapie verstärken. In einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 417-428) wurde die Zahl der Todesfälle am Prostatakrebs, aber auch die Gesamtsterblichkeit gesenkt.

Bei etwa 30 Prozent aller Patienten mit einem lokalisierten Prostatakarzinom kommt es nach der Operation zu einem Rezidiv, das in der Regel an einem erneuten Anstieg des PSA-Wertes erkannt wird. Eine Behandlungsoption besteht dann in einer Radiotherapie, die bei jedem zweiten Patienten eine langfristige Remission erzielt. Bei der anderen Hälfte der Patienten kommt es jedoch zu einer Progression des Tumorleidens und zum Tod am Prostatakrebs, sofern die älteren Patienten vorher nicht aus anderen Gründen sterben.

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Im Jahr 1998 hatte das US-amerikanische Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) eine großangelegte Studie begonnen, um den Nutzen einer zusätzlichen Androgen­blockade bei Patienten mit T2/T3N0-Tumoren im PSA-Rezidiv zu untersuchen. Im Rahmen dieser Studie RTOG 9601 wurden bis zum Jahr 2003 in 130 Zentren 760 Patienten auf eine alleinige Radiotherapie oder eine Radiotherapie plus eine anschlie­ßende zwölfmonatige Behandlung mit Bicalutamid randomisiert. Die Strahlen­dosis war mit 64,8 Gy (verteilt auf 36 Termine) moderat. Die  Bicalutamid-Dosis war mit 150 mg/die relativ hoch. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben der Patienten.

Es verging mehr als ein Jahrzehnt, bis der Unterschied in der Kaplan–Meier-Überle­bens­kurve, der sich in den ersten Jahren abzeichnete, ein Signifikanzniveau erreichte. Nach 12 Jahren waren in der Gruppe, die nur die Radiotherapie erhalten hatte, noch 71,3 Prozent der Patienten am Leben, in der Gruppe mit zusätzlicher Antiandrogen-Behandlung waren es 76,3 Prozent. Die Hazard Ratio beträgt nach den Berechnungen von William Shipley, Massachusetts General Hospital, Boston, und Mitarbeitern 0,77 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,59 bis 0,99.

Die absolute Differenz von 5,0 Prozent in der Überlebensrate bedeutet, dass 20 Patienten eine Hormontherapie erhalten müssen, um einem Patienten das Leben zu retten. Diese Number Needed to Treat (NNT) kann sich durchaus mit den Ergebnisse der Primärtherapie (Prostatektomie oder Radiotherapie) messen, wo die NNT mit 27 sogar noch etwas ungünstiger ist.

Deutlicher waren die Unterschiede in der prostatakrebs-spezifischen Mortalität. Am Krebsleiden gestorben waren unter einer alleinigen Radiotherapie 13,4 Prozent der Patienten, nach einer zusätzlichen Hormontherapie waren es nur 5,8 Prozent. Die kumulative Inzidenz einer metastasierten Erkrankung betrug ohne Hormontherapie 23,0 Prozent und mit Hormontherapie 14,5 Prozent.

Die wichtigste Nebenwirkung von Bicalutamid war eine Gynäkomastie, die bei 69,7 Prozent der Patienten auftrat. Diese Nebenwirkung ist für viele Männer zwar störend, aber nicht bedrohlich. Schwere Nebenwirkungen traten in der Bicalutamid-Gruppe nicht signifikant häufiger auf. Eine erhöhte therapiebedingte Sterblichkeit war nicht erkennbar.

Die Hormonbehandlung könnte für Patienten im PSA-Rezidiv nach der Primärtherapie zum Standard werden. Der Editorialist Ian Thompson, San Antonio, weist allerdings darauf hin, dass viele Zentren heute LHRH-Agonisten bevorzugen. 

Die RADICALS-Studie untersucht derzeit, ob Patienten mit einem hohen Rezidiv-Risiko bereits nach der Primärtherapie (also vor Auftreten eines PSA-Rezidivs) eine adjuvante Strahlentherapie erhalten sollten. Die Studie soll auch klären, ob eine zusätzliche Hormonbehandlung über 6 oder 24 Monate die Ergebnisse verbessern könnte. © rme/aerzteblatt.de

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