Ärzteschaft

Nordrheiner Hausärzte drängen auf Reform der Notfallversorgung

Donnerstag, 2. Februar 2017

Köln – Die Rufe nach einer grundlegenden Reform der Notfallversorgung werden immer lau­ter. Als „grotesk“ bezeichnete der stellvertretende Vorsitzende des Hausärzte­ver­ban­des Nordrhein, Oliver Funken, jetzt die aktuellen Zustände der Notaufnahmen in Bonner Kran­kenhäusern. „Der Individualismus in einem solidarisch finanzierten Gesund­heitssys­tem hat dazu geführt, dass jeder meint, er könne frei über die gesamten Res­sour­cen des Gesundheitswesens für seine Erkrankung verfügen“, kritisierte Funken.

Bei der Diskussion geht es bekanntlich nicht um die eigentlichen Notfallpatienten, son­dern um solche, die in der Notaufnahme erscheinen und sich dort betreuen lassen, ob­wohl sie keine Notfälle sind. Diese Patienten könnten von Praxisärzten betreut werden oder – außerhalb der Praxisöffnungszeiten – den ambulanten Bereitschaftsdienst in An­spruch nehmen. Funken warnt, die Entwicklung treibe nicht nur die Kosten in die Höhe, sondern binde auch Ressourcen, die an anderer Stelle nicht zur Verfügung stünden – im ungünstigsten Fall für echte Notfälle.

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Auch der neue Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Frank Bergmann, hatte vor einigen Tagen einen Missbrauch des Notdienstes kritisiert. Die Zahl der Patienten, die den ärztlichen Notdienst in der Region Nordrhein in Anspruch näh­men, steige stetig an, sagte er der Rheinischen Post. Dabei sei längst nicht jeder, der den Not­dienst aufsuche, auch ein medizinischer Notfall, so Bergmann.

Funken forderte jetzt eine striktere Patientensteuerung. „Wenn man den Leistungsstan­dard indikationsbezogen, das heißt, die richtige Leistung beim richtigen Krankheitsbild, in Deutschland halten will, muss man ein Primärarztsystem mit einer einheitlichen Tria­gie­­rung des gesamten Versorgungssystems einführen“, so der stellvertretende Vor­sit­zende des Nordrheiner Hausarztverbandes.

Eine sogenannte Triage für die Notfallversorgung hält auch die Kassenärztliche Bundes­ver­einigung (KBV) für unabdingbar. Gemeint ist damit eine Zuteilung der Patienten zu den entsprechenden für ihren Fall passenden Versorgungsstrukturen. Der Vorstands­vor­sitzende der KBV, Andreas Gassen, forderte eine gemeinsame Planung von Notfall­kapa­zi­täten sowie ambulante Anlaufstellen an wichtigen Krankenhausstandorten, die immer besetzt und unabhängig vom Krankenhausträger betrieben würden. In diesen Portal­praxen müsse die Triage stattfinden, so der KBV-Chef. © hil/aerzteblatt.de

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