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Krankheits­überträger: Exotische Mücken breiten sich weiter aus

Montag, 6. Februar 2017

/dpa

Müncheberg – Immer mehr Bürger sammeln die stechenden Insekten für die Forschung und schicken intakte Exemplare in Streichholzschachteln oder Filmdöschen an das Leib­niz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). 7.250 Einsendungen waren es in der Saison 2016 bisher, weitaus mehr als in den vier Vorjahren seit dem Start des Mücken­at­lasprojektes zusammen.

In Müncheberg östlich von Berlin werden die Mücken unter dem Mikroskop genau be­stimmt, die Ergebnisse in einen Mückenatlas für Deutschland eingetragen. „Je mehr Tie­re die Leute einschicken, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, unterschiedliche Arten zu finden“, sagte die zuständige Biologin Doreen Walther. Denn darum geht es bei dem Projekt. Unter www.mueckenatlas.de soll das Portal wertvolle Hinweise auf die Ver­brei­tung der heimischen Stechmückenarten und über eventuell in Deutschland „zuwan­dern­de“ exotische Arten liefern.

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Gut die Hälfte der Zusendungen haben Walther und ihre Mitarbeiterin bereits beantwor­tet, rund 33.500 Mücken bestimmt und kartiert. Etwa 40.000, so schätzt die Biologin an­hand der noch unbearbeiteten Zusendungen, werden es für 2016 insgesamt werden. Ein gutes Mückenjahr, wie sie sagt. „Es gab in ausgedehnten Regionen Deutschlands viel Re­gen und damit genügend Brutstätten für die Pfützen und Regentonnen liebenden In­sekten.“

Was bereits jetzt in der Auswertung deutlich wird: Die Asiatische Buschmücke, schon vor Jahren als invasiver Exot nach Süddeutschland eingewandert, breitet sich weiter Rich­tung Norden aus. Gefangen wurde sie jetzt auch in Thüringen, Sachsen, Niedersach­sen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Was sie so problematisch macht: „Sie kann prinzipiell beim Blutsaugen Krankheitserreger aufnehmen und beim nächsten Stich auch wieder abgeben, haben entsprechende Laborversuche ergeben“, erklärte Walther.

Der zweite eingewanderte Exot ist die Asiatische Tigermücke, bereits vor einigen Jahren in Baden-Würtemberg nachgewiesen. „Diese Mückenart ist als weitaus gefährlicher ein­zu­schätzen. Weit mehr als 20 vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger kann sie nachweislich übertragen – darunter das Dengue-, Westnil- und Gelbfieber-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus“, berichtete Helge Kampen, Infektionsbio­loge am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald.

Der Wissenschaftler arbeitet gemeinsam mit Walther seit 2012 am Mückenatlas. Ob sich die Asiatische Tigermücke tatsächlich weiter ausbreitet, lasse sich derzeit noch nicht sa­gen, gibt er sich vorsichtig. „Durch die aktuellen Einsendungen haben wir jedenfalls viel mehr Nachweise als in den Vorjahren. Die neuen Standorte werden wir im Laufe des Jahres genauer untersuchen.“

Um eine weitere Ausbreitung der gefährlichen Plagegeister zu verhindern, seien Brut­stätt­en in Freiburg und Heidelberg (Baden-Württemberg) in den vergangenen zwei Jah­ren bekämpft worden. Die asiatische Buschmücke hingegen hat sich laut Kampen in Eu­ropa bereits so weit verbreitet, dass eine Bekämpfung sinnlos wäre.

Wie einfach exotische Mücken eingeschleppt werden, zeigt ein Beispiel aus dem ver­gan­­ge­nen Jahr. Eine Frau aus Thüringen hatte sich aus dem Karibikurlaub exotische Pflan­zenableger mitgebracht. Daran befanden sich – mit bloßem Auge nicht sichtbar – Eier der Gelbfiebermücke.

„Als die Insekten dann in der warmen Wohnung schlüpften, schickte sie uns Exemplare davon“, erzählte die Müncheberger Expertin. Die Forscher waren alarmiert, reisten zu der Einsenderin und betrieben Schadensbegrenzung. Glücklicherweise war die Woh­nung durch Fliegengitter an den Fenstern gesichert, sodass die Mücken nicht entkom­m­en konnten. „Gelbfiebermücken lieben die Wärme. Bei uns hätten sie vermutlich sowie­so keine Überlebenschance“, so der Greifswalder Wissenschaftler Kampen.

Walther ist optimistisch, dass die ehrenamtlichen Mückenjäger auch in diesem Jahr wie­der fleißig sein werden. „Wer einmal mitgemacht hat, tut es wieder“, so ihre bisherigen Erfahrungen. Jede Einsendung sei wertvoll, gerade in den dünner besiedelten Regionen Deutschlands weist der Mückenatlas noch Lücken auf. Spätestens im April oder Mai beginnt das Mückenjahr 2017 – vorausgesetzt, es gibt genügend Niederschläge. © dpa/aerzteblatt.de

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