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Medizin

Zika: Intradermaler Impfstoff schützt Mäuse und Makaken

Freitag, 3. Februar 2017

Aedes aegypti mosquito
Im nächsten Sommer könnte wieder mehr Infektionen mit dem Zikavirus auftreten, die durch die Aedes-aegypti übertreagen wird /dpa

Philadelphia – Ein neuartiger Impfstoff aus der modifizierten Version einer Messenger-RNA hat Mäuse und Makaken bereits nach einer einmaligen intradermalen Impfung vor Infektionen mit dem Zikavirus geschützt. Die Forscher der in Nature (2017; doi: 10.1038/nature21428) veröffentlichten Studie hoffen jetzt auf baldige klinische Prüfungen. 

Das Zikavirus, das intrauterin eine schwere Mikrozephalie und bei Erwachsenen ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann, ist in den letzten Wochen aus den Medien verschwunden. Dies könnte sich jedoch im nächsten Sommer ändern, falls sich das Virus in wärmeren Regionen der Nordhalbkugel ausbreiten sollte, wo die Bevölkerung derzeit keine Immunität hat.

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Sie könnten diese Immunität durch Impfstoffe erhalten, an deren Entwicklung weltweit rund ein Dutzend Teams arbeiten. Im letzten Jahr wurden bereits erste Kandidaten vorgestellt, die auf inaktivierten Viren (der klassischen Methode) beruhen oder Adeno­viren mit Genen bestücken. Bei dieser modernen Variante produzierte der Körper den Impfstoff selber: Die Adenoviren infizieren Zellen und laden dort den Bauplan für ein Virusprotein ab.

Die infizierten menschlichen Zellen produzieren das Virusprotein, das auf der Ober­fläche dieser Zellen erscheint und eine Immunabwehr auslöst. Diese Methode hat sich als effektiv erwiesen. Sie funktioniert aber nur so lange, wie das Immunsystem keine Antikörper gegen die Adenoviren produziert. Dann werden die Adenoviren angegriffen, bevor sie die Information zur Produktion der Virusproteine an die Zellen abgeben können.

Der Nachteil einer Immunabwehr gegen den Vektor ließe sich vermeiden, wenn die Virus-Gene direkt in den Körper injiziert würden, beispielsweise in Form einer Messenger-RNA. Eine native Messenger-RNA kann hierzu allerdings nicht verwendet werden, weil sie sofort von Enzymen abgebaut würde. Das Problem lässt sich durch eine Modifizierung des RNA-Moleküls und die Verpackung in Lipid-Nanopartikel vermeiden. 

Ein derartiger Impfstoff, der in Zusammenarbeit mit der Firma BioNTech aus Mainz entwickelt wurde, hat jetzt erste tierexperimentelle Tests bestanden. Ein Team um Drew Weissman von der Perelman School of Medicine impfte zunächst 19 Mäuse intradermal mit der Vakzine „ZIKV prM-E mRNA-LNP“ und 14 Mäuse mit Placebo. Zwei Wochen später wurden die Tiere mit dem Zikavirus infiziert. Bei fast allen Kontrollmäusen kam es zu einer Virusvermehrung, während bei keiner immunisierten Maus Viren im Blut nachweisbar waren. 

In einer zweiten Testserie wurden fünf Makaken mit „ZIKV prM-E mRNA-LNP“ und sechs Affen mit Placebo geimpft. Alle Affen wurden fünf Wochen später mit dem Zikavirus infiziert. Während es bei allen Affen in der Kontrollgruppe zu einer Replikation des Zikavirus kam, blieben vier von fünf Affen in der geimpften Gruppe ohne Virusnachweis im Blut. 

Bei den geimpften Tieren wurden hohe Antikörper-Titer nachgewiesen, die nach Einschätzung von Weissman auch Menschen vor einer Infektion schützen könnten. Die einmalige intradermale Injektion könnte für viele Menschen eine akzeptable Impfung gegen eine Erkrankung sein. Dennoch muss die Sicherheit des Impfstoffes zunächst in klinischen Studien geprüft werden, bevor die Effektivität in Feldstudien erkundet werden könnte. Weissman hofft, das erste klinische Studien in 12 bis 18 Monaten begonnen werden können. © rme/aerzteblatt.de

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