Ausland

USA: Sind Migranten die besseren Ärzte?

Freitag, 3. Februar 2017

Boston – Die Krankenhaussterblichkeit von älteren Patienten ist in den USA niedriger, wenn sie von Internisten mit Migrationshintergrund betreut wurden, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben. Dies zeigte eine Analyse von Medicare-Daten im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 356: j273), die in den Rehospitalisierungsraten keine Unter­schiede fand. Einzig die Behandlungskosten waren marginal höher.

In angelsächsischen Ländern (USA, Großbritannien, Kanada und Australien) hat jeder vierte Arzt einen Migrationshintergrund. Für die Volkswirtschaft stellt dies eine Ersparnis dar, da die Ärzte ihre teure Ausbildung zumeist im Ausland absolviert haben. Häufig sind es die besten und die hochmotivierten Ärzte, die die Strapazen und Hindernisse einer Immigration auf sich nehmen. Dennoch wird immer wieder die Sorge laut, dass die Ärzte, die häufig aus einem ärmeren Land kommen, die hochtechnisierte Medizin in den westlichen Ländern nicht adäquat beherrschen.

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Yusuke Tsugawa von der Harvard T H Chan School of Public Health in Boston hat deshalb die Daten von 1,2 Millionen Begünstigten von Medicare, der staatlichen Krankenversorgung für Senioren, ausgewertet, die in einem Akutkrankenhaus behandelt wurden. Endpunkte waren die 30-Tages-Mortalität, die Rehospitalisierung und die Behandlungskosten. Unter den behandelnden Internisten hatten 44 Prozent ihre Ausbildung im Ausland erhalten. Sie waren im Durchschnitt etwas jünger (46,1 versus 47,9 Jahre) und häufig in einem kleineren öffentlichen Krankenhaus ohne Intensivstation tätig.

Die Mortalität der Patienten, die von den internationalen Ärzten betreut wurden, war mit 11,0 Prozent etwas geringer als bei den US-Absolventen. In der adjustierten Analyse (die einige Faktoren wie Alter und Geschlecht der Patienten, Komorbidität, Einkommen, Wochentag und Jahr berücksichtigte) ermittelt Tsugawa eine Odds Ratio von 0,94, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,92 bis 0,95 signifikant war. Auch wenn die Unterschiede minimal sind, haben Medicare-Begünstigte Anlass, sich sicherer zu fühlen, wenn sie von einem Arzt betreut werden, der sein Examen im Ausland absolviert hat. 

Für die Klinik könnte die Einstellung von internationalen Ärzten jedoch mit etwas höheren Behandlungskosten verbunden sein. Die Fallkosten betrugen nach den Recherchen von Tsugawa 1.145 US-Dollar wenn ein Arzt mit Ausbildung im Ausland die Patienten betreute gegenüber 1.098 US-Dollar bei einem einheimischen Arzt. Auch hier ist der Unterschied von 47 Dollar pro Fall sicherlich nicht bedrohlich.

Im Dezember hatte Tsugawa in einer Analyse des gleichen Datensatzes heraus­gefunden, dass die Mortalität der Patienten niedriger ist, wenn sie von weiblichen Ärzten behandelt werden. Der Unterschied in der adjustierten Mortalitätsrate war mit 11,07 versus 11,49 Prozent jedoch ebenfalls gering. © rme/aerzteblatt.de

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