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Dannenberger Klinik lehnt Schwangerschafts­abbrüche ab

Dienstag, 7. Februar 2017

Dannenberg/Stadthagen – Ärzte können in Deutschland nicht gezwungen werden, Ab­trei­bungen vorzunehmen. In Niedersachsen nimmt nun die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg keine Schwanger­schafts­abbrüche mehr vor – es sei denn, die Gesundheit der Mutter ist in Gefahr. Der neue Chefarzt beruft sich auf seinen christlichen Glauben, wie die Elbe-Jeetzel-Zeitung berichtete. „Ich trage die Entscheidung mit“, sagte Klinik­chef Markus Fröhling gestern. Ihm stehe die Haltung des Chefarztes nahe.

„Laut Gesetz kann kein Arzt zu einem Schwangerschaftabbruch verpflichtet werden“, sag­­­te Fröhling. Eine Begründung verlange das Gesetz nicht. „Wenn die Gesundheit der Frau in Gefahr ist, handelt es sich um eine medizinische Indikation, die natürlich auch bei uns behandelt werden würde“, betonte Fröhling. Im vergangenen Jahr seien nach der Be­­­­ratungsregelung 31 Schwangerschaften in dem 100-Betten-Krankenhaus im Land­kreis Lüchow-Dannenberg abgebrochen worden.

Ge­sund­heits­mi­nis­terin Cornelia Rundt (SPD) bedauerte, dass die Klinik keine Abtreibun­gen mehr vornehme. Es sei ihr wichtig, dass Frauen den Eingriff in angemessener Ent­fernung zu ihrem Wohnort vornehmen lassen könnten, betonte die Politikerin. „Bei der Förderung von Investitionen der Krankenhäuser obliegt es nach einer Änderung des Bun­desrechts den Ländern, Qualitätskriterien zugrunde zu legen“, sagte Rundt. Eines dieser zahlreichen Kriterien könne gegebenenfalls auch die Sicherstellung von Schwan­gerschaftsabbrüchen im jeweiligen Einzugsbereich der Krankenhäuser sein.

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Erst kürzlich habe sie mit dem Vorstand des christlichen Gesundheitskonzerns Agaple­sion ein intensives Gespräch geführt, sagte Rundt. Nachdem Agaplesion die Schaum­bur­ger Kliniken übernommen hatte, sorgte das Thema im vergangenen November auch überregional für Schlagzeilen. Vom kommenden April an würden am neuen Standort in Obernkirchen-Vehlen keine Abtreibungen mehr vorgenommen werden, meldeten damals Zeitungen, wenn nicht das Leben der betroffenen Frau in Gefahr sei. Die soziale Indika­tion reiche dann nicht mehr.

Im Dezember einigten sich der Landkreis Schaumburg und der neue Betreiber laut Aga­ple­sion. Nach dieser Kompromisslösung dürfen sogenannte Kooperationsärzte nach der Beratungsregelung in den Räumlichkeiten des Krankenhauses Schwangerschafts­abbrü­c­he vornehmen, wie Agaplesion-Sprecher Tino Drenger in Frankfurt sagte. Die Leistung erbringe nicht das Agaplesion-Klinikum selbst, sondern niedergelassene Ärzte im Rah­men eines ambulanten Operationszentrums.

„Das Klinikum hat seine Unterstützung bei medizinischen Fragen zugesagt, um eine opti­male medizinische Versorgung der Patientinnen zu gewährleisten“, betonte Drenger. „Da­rüber hinaus wird Agaplesion für Frauen, die dies wünschen, eine begleitende psycho­­so­ziale Betreuung anbieten und diese aus eigenen Mitteln finanzieren.“

Der gefundene Kompromiss stelle aber eine Ausnahme für Agaplesion dar, erklärte Dren­­­ger. Im Schaumburger Klinikum seien zwei besondere Rahmenbedingungen zu­sammen­gekommen. „Zum einen sind in einem der drei fusionierten Häuser Schwanger­schaftsabbrüche nach der Beratungsregelung bisher möglich gewesen“, sagte Drenger. Zum anderen werde das neue Klinikum in Zukunft das einzige Krankenhaus im Land­kreis sein. © dpa/aerzteblatt.de

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