NewsMedizinAutoimmun­erkrankungen: Azathioprin erhöht Leukämierisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Autoimmun­erkrankungen: Azathioprin erhöht Leukämierisiko

Dienstag, 7. Februar 2017

Phoenix – Azathioprin, ein bei Autoimmunerkrankungen zur Langzeitkontrolle ein­gesetztes Immunsuppressivum, kann in seltenen Fällen ein myelodysplastisches Syndrom oder eine akute myeloische Leukämie auslösen. Dies legen die Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie in JAMA Oncology (2017; doi: 10.1001/jamaoncol.2016.6435) nahe.

Krebserkrankungen des Knochenmarks sind selten. Unter etwa 40.000 Patienten, die zwischen 2004 und 2014 wegen einer von 27 Autoimmunerkrankungen an Mayo-Kliniken in Phoenix/ Arizona oder Jacksonville/Florida behandelt wurden, waren nur 311 Patienten, bei denen im gleichen Zeitraum eine akute myeloische Leukämie (AML) oder die Vorstufe myelodysplastisches Syndrom (MDS) diagnostiziert wurde.

Das Team um Raoul Tibes von der Mayo Clinic in Phoenix wählte 86 Patienten, bei denen die Knochenmarkerkrankung nach der Diagnose der Autoimmunerkrankung aufgetreten war, für eine Fall-Kontroll-Studie aus. Der Onkologe wollte herausfinden, ob die immunsupprimierenden Medikamente das Auftreten von AML und MDS begünstigen.

Anzeige

Bei Azathioprin war dies tatsächlich der Fall. Die Verordnung des Immunsuppressivums war mit einem siebenfach erhöhten Risiko auf AML/MDS assoziiert. Tibes ermittelt eine Odds Ratio von 7,05, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,35 bis 21,13 signifikant war. Auch für Cyclophosphamid (Odds Ratio 3,58; 0,91-14,11) und Mito­xantron (Odds Ratio 2,73; 0,23-33,0) wurden erhöhte Risiken gefunden, die allerdings kein Signifikanzniveau erreichten. 

Für Methotrexat (Odds Ratio 0,60; 0,29-1,22), Mercaptopurin (Odds Ratio 0,62, 0,15-2,53) und Mycophenolat-Mofetil (Odds Ratio 0,66; 0,21-2,03) wurde ein „protektiver“ Einfluss auf die Blutkrebsentwicklung gefunden, der aber nicht signifikant war und deshalb ein Zufallseffekt gewesen sein könnte. Auch für TNF-Inhibitoren und andere „Biologika“ wurde keine negative Assoziation gefunden. 

Trotz der großen Fallzahl kann die Studie eine Kausalität nicht beweisen. Methotrexat, das als Antimetabolit die DNA-Synthese hemmt, gehört jedoch zu den bekanntermaßen krebserregenden Substanzen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat Azathio­prin (wie auch Cyclophosphamid) bereits 1987 als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft und dies 2008 erneut bestätigt. Mito­xantron wurde 1987 in die Gruppe 2B eingestuft, und Methotrexat und Mercaptopurin jeweils in Gruppe 3. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

10. Juli 2018
Toronto – Der akuten myeloischen Leukämie (AML) gehen trotz ihrer raschen klinischen Entfaltung, die unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen würde, genetische Veränderungen voraus, die laut
Mutationen zeigen drohende Leukämie an
3. Juli 2018
Heidelberg – Ein neues Verfahren zur Immuntherapie bei chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg entwickelt. Die Arbeit ist
Neuer Ansatz für Immuntherapie bei chronisch lymphatischer Leukämie
8. Juni 2018
St. Louis – Der Checkpointinhibitor Nivolumab, der bei 3 Krebserkrankungen zugelassen ist und sich bei weiteren als wirksam erwiesen hat, ist zur Behandlung von T-Zell-Malignomen nicht unbedingt
Checkpointinhibitor Nivolumab beschleunigt T-Zell-Leukämien
7. Juni 2018
Basel – Schweizer Forscher haben ein künstliches Knochenmark entwickelt, in dem hämatopoetische Stamm- und Vorläuferzellen über längere Zeit funktionsfähig bleiben und Blutzellen bilden. Das in den
Künstliches Knochenmark gibt Stammzellen neue Heimat im Labor
4. Juni 2018
Chicago – Jeder zweite Patient mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), der durch Behandlung mit den Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) Imatinib und Nilotinib für mehrere Jahre eine tiefe Remission
Chronische myeloische Leukämie: Kontrolliertes Absetzen der Therapie bei jedem zweiten Patienten dauerhaft möglich
31. Mai 2018
Philadelphia – Eine einzige CAR-T-Zelle hat bei einem Patienten mit einer zuvor therapieresistenten Leukämie eine langfristige Remission erzielt, was die Forscher in Nature (2018; doi:
Einzelne CAR-T-Zelle heilte Leukämie
22. Mai 2018
Stuttgart – Auf der Suche nach potenziellen Stammzellenspendern fährt von morgen an ein Sonderzug durch Deutschland. Er wird von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf die Reise geschickt.
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER