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Medizin

Hydrogel im Samenleiter in Studie bei Affen kontrazeptiv

Dienstag, 7. Februar 2017

Davis – Die Injektion eines Polymers in die Samenleiter könnte Männern zu einer zuverlässigen und reversiblen Kontrazeption verhelfen und damit eine einfache und kostengünstige Alternative zur Vasektomie sein. Dies zeigen Experimente an Rhesus-Affen in der Fachzeitschrift Basic and Clinical Andrology (2017; doi: 10.1186/s12610-017-0048-9).

Die Vasektomie, also die chirurgische Durchtrennung der Samenleiter, ist eine effektive und sichere Verhütungsmethode für Männer. Der Schritt ist aber in der Regel unum­kehrbar. Eine chirurgische Rekonstruktion des Vas deferens ist kompliziert und meistens nicht erfolgreich. Die Injektion eines Gels, das den Samenleiter verlegt, aber nicht zerstört, und das die Möglichkeit einer späteren Rekanalisation offen hält, könnte deshalb eine für viele Männer attraktive Alternative zur Vasektomie sein.

Eine solche reversible Durchgangssperre für Spermien könnte durch Injektion von SMA möglich sein, einem Mischpolymer aus Styrol und Maleinsäureanhydrid, das mit Dimethylsulfoxid versetzt ist. Vasalgel, so der vorgesehene Produktname, bildet nach der Injektion in den Samenleiter ein Hydrogel, das die Passage von Spermien verhindert, für Flüssigkeiten aber durchlässig ist. Die Blockade lässt sich durch eine Injektion von Bikarbonat jederzeit wieder aufheben, wie frühere Experimente an Kaninchen gezeigt haben. Bei den Kaninchen wurde auch eine zuverlässige Kontra­zeption erzielt.

Im nächsten Schritt wurde Vasalgel jetzt an Rhesus-Affen getestet. Der Feldversuch fand am California National Primate Research Center in Davis statt. Sechzehn geschlechtsreifen Macaca mulatta wurde unter Vollnarkose und nach chirurgischer Präparation der Samenleiter beidseitig 100µl Vasalgel in den Vas deferens injiziert. Die Menge reicht in der Regel aus, um den Samenleiter über 2 Zentimeter zu füllen.

Eine Woche nach der Operation wurden die Tiere wieder in ihre vertraute Umgebung in ein Freigelände entlassen. Dort leben die Makaken in kleineren Gruppen, wo sie sich normalerweise gut vermehren. Zehn Tiere hatten vor der Behandlung bereits Nachkommen gezeugt.

In den ersten beiden Jahren nach der Behandlung mit Vasalgel hat es, wie Catherine VandeVoort vom Primatenzentrum jetzt versichert, keinen weiteren Nachwuchs unter den Tieren gegeben. Normalerweise würden bei jeder Paarungszeit 80 Prozent der weiblichen Tiere trächtig.

Die Behandlung verlief bei allen Tieren komplikationslos. Nur bei einem der 16 Tiere entwickelte sich ein Spermien-Granulom, wie es auch nach einer Vasektomie auftreten kann. Es handelt sich um eine Ansammlung von Spermien, die durch die injektions­wunde ins Bindegewebe austreten und bei dem Tier über eine Fistel nach außen abflossen.

Histologische Aufnahmen zeigen, dass es in der Umgebung des Vasalgel-Pfropfes zu keiner entzündlichen Reaktion kommt. VandeVoort ist deshalb zuversichtlich, dass die Tiere nach einer Auflösung des Hydrogels wieder zeugungsfähig werden.

Die Studie wurde von der US-amerikanischen Parsemus Foundation gefördert. Die Stiftung bemüht sich um kostengünstige Behandlungen mit Substanzen, die keinem Patentschutz unterliegen und deren klinische Prüfung deshalb für die Industrie wirtschaftlich nicht interessant ist. 

Die Parsemus Foundation möchte bereits 2018 mit klinischen Tests beginnen, nach deren erfolgreichem Abschluss Vasalgel dann in den USA (und vermutlich auch in Europa) eingeführt werden soll. Die Stiftung fördert seit einigen Jahren ein ähnliches Projekt in Indien. Ein mit Vasalgel verwandtes Hydrogel wird dort als RISUG (für „Reversible inhibition of sperm under guidance“) in klinischen Studien getestet. Die Studien sind jedoch noch nicht abgeschlossen und RISUG ist dort noch nicht zugelassen. © rme/aerzteblatt.de

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