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Vermischtes

Modellrechnung: Eine Zuckersteuer würde die meisten gesunden Lebensjahre einbringen

Mittwoch, 15. Februar 2017

Um die Produktion sowie den Zuckerkonsum einzudämmen, führen einige Staaten eine Zuckersteuer ein. Auch eine Steuer auf Salz, gesüßte Getränke und ungesättigte Fette wird diskutiert. / Jörg Brinckheger, pixelio.de

Melbourne – Das australische Gesundheitssystem könnte umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro sparen. Dafür müsste es eine Steuer auf ungesunde Lebensmittel ein­führen und gleichzeitig Früchte und Gemüse subventionieren. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Linda Cobiac von der University of Melbourne, die eine Modell­rechnung durchgeführt haben. Die Studie ist in PLOS Medicine erschienen (2017, doi: 10.1371/journal.pmed.1002232).

Modellrechnung für die verschiedenen Steuern umgerechnet in zusätzlichen DALYs (disability adjusted life year):

  • Zuckersteuer: 270.000 DALYs
  • Salzsteuer: 130.000 DALYs
  • gesättigte Fettsäuren: 97.000 DALYs
  • zuckergesüßte Getränke: 12.000 DALYs

Veränderung der Kalorienaufnahme pro Tag nach Einführung einer Steuer:

  • Zuckersteuer: -278 kJ
  • Salzsteuer: -161 kJ
  • gesättigte Fettsäuren: -136 kJ
  • zuckergesüßte Getränke: -30 kJ
  • Obst- und Gemüsesubvention: +236 kJ

Das Rechenexempel statuierten die Forscher basierend auf der australi­schen Bevölkerung im Jahr 2010, was 22 Millionen Menschen berücksichtigt. Sie spielten verschiedene Szenarien durch, in denen sie Steuern auf Fett, Zucker, Salz und gesüßte Getränke mit subventioniertem Obst und Gemüse kombinierten. Voraussetzung für das Modellszenario war, dass die Ausgaben der Verbraucher sich um maximal ein Prozent ändern durften (Tabelle 1 der Studie). Für Zucker in Speiseeis betrug die Steuer daher beispielsweise 0,68 Euro/100 ml und 0,62 Euro/100 g in anderen Produkten, wenn mehr als 10 g Zucker in 100 ml beziehungsweise in 100 g enthalten waren. Früchte, Gemüse und ungesüßte Milchprodukte waren von der Zuckersteuer ausgenommen. Durchschnittlich lagen die Steuern bei zehn Prozent, was von den zumeist empfohlenen 20 Prozent deutlich abweicht.

Am größten war die Wirkung einer Zuckersteuer, berichten die Autoren. Sie könnte etwa 270.000 beeinträcht­igungsg­ewicht­ete Lebens­jahre (di­sa­bili­ty adjusted life ye­arDALY) abwenden. „Das würde 1,2 gesunde Extra-Jahre für jeden hundersten Autralier bedeu­ten“, erklären die Autoren. „Kaum eine Intervention kann einen vergleichbaren Gewinn an Lebensqualität für die gesamte Bevölkerung bewirken.“

Eine Salzsteuer führt laut der Modellrechnung zu einem Gewinn von 130.000 DALYs, eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren zu 97.000 DALYs und eine Steuer auf zucker­gesüßtte Getränke zu 12.000 DALYs (siehe Kasten). Subventionen auf Obst und Gemüse schätzen die Autoren ausschließlich wirksam in Kombination mit einer Steuer auf ungesunde Lebensmittel ein. Würde man die Steuern und Subventionen alle gleich­zeitig einsetzen, könnten etwa 470.000 DALYs verhindert werden, eine Ersparnis von 2,3 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem.

„Solche Simulationsstudien hinterlassen eine gewisse Unsicherheit“, räumen die Autoren ein. Sie basieren auf anderen Studien, die die Reaktion der Bevölkerung auf Preisände­rungen prognostizieren. Dennoch sollte die Einführung einer Steuer bei einer Gesund­heits­strategie ernsthaft in Erwägung gezogen werden, fordern sie.

Viele Länder haben eine solche Steuer bereits umgesetzt, in Deutschland sind sich Befür­worter und Gegner weiterhin uneins

Ernährung: Das weiße Gold glänzt nicht mehr

Zucker ist eines der ungesundesten Lebensmittel – und landet doch täglich weltweit auf Tellern und in den Getränken. Um die Produktion sowie den Zuckerkonsum einzudämmen, führen einige Staaten eine Zuckersteuer ein. Auch in Deutschland wird darüber diskutiert.

Eine klare Position hat die Welt­gesund­heits­organi­sation bezogen. Sie empfiehlt in ihrem Report, den Preis von zuckerhaltigen Süßgetränken um 20 Prozent oder mehr zu er­höhen. Gleichzeitig könnte der Preis für frisches Obst und Gemüse durch Subventionen um 10 bis 30 Prozent gesenkt werden. Als Beleg führt der Report eine eigene Meta-Analyse von elf systematischen Übersichten an, die aber noch nicht veröffentlicht wurde.

WHO-Report begründet Forderung nach Zuckersteuer und Subventionen

Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) begründet ihre Forderung nach einer „Zuckersteuer“ in einem Report mit den Erfahrungen, die verschiedene Länder mit gesetzlichen Initiativen gemacht haben. Die zusätzlichen Einnahmen sollten am besten in die Subvention von gesunden Grundnahrungsmitteln investiert werden, heißt es in dem Report „Fiscal Policies for Diet and Prevention of Noncommunicable

© gie/aerzteblatt.de
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