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Medizin

Herzchirurgie: Mykobakterien in Hypothermiegeräten weltweit verbreitet

Freitag, 10. Februar 2017

Melbourne – Dieselben nichttuberkulösen Mykobakterien, die in den letzten Jahren in Nordamerika und Europa nach offenen Herzoperationen teilweise tödliche Infektionen ausgelöst haben, wurden jetzt auch in Australien und Neuseeland nachgewiesen. Eine Genomanalyse der Erreger im New England Journal of Medicine (2017; 376: 600-602) deutet auf einen gemeinsamen Ursprung hin. Sie bestätigen den Verdacht, dass die Geräte bereits bei der Produktion kontaminiert wurden.

Im Frühjahr 2015 hatten Epidemiologen der Universität Zürich bemerkt, dass sechs Patienten, die an einer seltenen Infektion mit Mycobacterium chimaera erkrankt waren, alle zuvor am offenen Herzen operiert worden waren. Später wurden ähnliche Infek­tionen auch bei Patienten in weiteren europäischen Ländern, darunter Deutschland, und in den USA entdeckt. Die Patienten erkrankten häufig erst mehrere Jahre nach der Herzoperation, was mit der langsamen Vermehrung von Mykobakterien zusammen­hängen könnte.

Ein gemeinsamer Nenner war die Verwendung des Hypothermiegerätes Stöckert 3T der Firma Sorin Group, die am Standort München produziert wurden. Der Hersteller vermu­tete zunächst Anwenderfehler. Im Juni 2015 mahnte er die Kliniken zur „strikten Einhal­tung der Gebrauchsanweisung bei der Desinfektion und beim Austausch (einschließlich Präparation) des Wassers“.

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Inzwischen verdichten sich jedoch die Hinweise auf eine „point-source“-Kontamination, sprich eine Verunreinigung der Geräte vor der Inbetriebnahme. Darauf deuten die Ergebnisse einer Genom-Analyse hin, die kürzlich in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2016; 65: 1117-1118) veröffentlicht wurden.

Kiran Perkins von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta und Mitar­beiter berichteten, dass die Erreger-Genome, die von elf Patienten isoliert wurden, bis auf wenige Stellen identisch waren. Das Genom von M. chimaera ist ungefähr fünf Milli­onen Basenpaare lang. Maximal 38 Basenpaare unterschieden sich. Das deutet auf einen gemeinsamen Ursprung hin. Die Patienten waren zwar alle in Pennsylvania be­han­delt worden, jedoch nicht alle im selben Operationsraum. Laut CDC-Recherchen kamen sie mit fünf unterschiedlichen Hypothermiegeräten in Berührung.

Deborah Williamson von der Universität Melbourne berichtet jetzt über 48 Isolate aus Australien und Neuseeland: 43-mal waren die Bakterien in den Geräten und fünfmal bei Patienten gefunden worden. Auch hier stimmte das Erbgut der Erreger weitgehend überein – der Unterschied betrug maximal sechs Basenpaare – obwohl die Isolate aus unterschiedlichen Kliniken stammten. Williamson vermutet deshalb ebenfalls eine „point-source“-Kontamination.

Für diese Annahme sprechen auch die Ergebnisse einer Untersuchung, die das Baye­rische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Juni 2015 beim Hersteller durchgeführt hat. Damals wurden M. chimaera und teilweise noch andere Erreger in neuen Hypothermiegeräten und auch am Produktionsort in München gefun­den. Eine Genom-Untersuchung, die die Identität mit den bei den Patienten isolierten Erregern hätte bestätigen können, wurde offenbar nicht durchgeführt (Eurosurveillance 2016; doi: 10.2807/1560-7917).

Der Hersteller hat die betroffenen Geräte inzwischen zurückgerufen. Patienten sollten heute bei Operationen nicht mehr mit dem Erreger exponiert werden. Wegen der langen Latenzzeit der Infektion von bis zu fünf Jahren muss aber mit weiteren Erkrankungen gerechnet werden. Das Hypothermiegerät Stöckert 3T wurde in vielen Kliniken einge­setzt. Die CDC geht in den USA von einem Marktanteil von 60 Prozent aus. Dort werden jährlich über 250.000 offene Herzoperationen durchgeführt. © rme/aerzteblatt.de

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