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Vermischtes

Hörtest-App: Verbesserter Klang über Kopfhörer soll Hörschäden vorbeugen

Dienstag, 14. Februar 2017

Immer mehr Menschen leiden unter Hörschäden. Schuld daran ist auch zu laute Musik aus Kopfhörern. /Doatsch, pixelio.de

Berlin – Mit der Mimi-Hörtest-App können Nutzer ihr Hörvermögen auf dem Smartphone über Kopfhörer testen. Anschließend ermöglicht eine zweite App (Mimi Music), die schlecht vernommenen Frequenzen in den persönlichen Musik-Playlists zu verstärken. Mit einer geringeren Lautstärke erreicht man so das gleiche Klangerlebnis und beugt Hörschäden vor, verspricht Henrik Matthies, Geschäftsführer des Start-ups Mimi Hearing Technologies GmbH. 

Zur Früherkennung von Hörschäden hat das Start-up den Hörtest, der als Medizin­produkt zertifiziert wurde, bereits vor zwei Jahren als Smartphone-App für iOS ent­wickelt. Den Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt könne die App zwar nicht ersetzen, sagt Matthies. Das Start-up hoffe jedoch, dass Menschen mit schlechten Hörtest-Ergebnissen zur Erkenntnis kommen, frühzeitig einen Facharzt aufzusuchen.

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Eine zweite App, Mimi Music, ergänzt die Hörtest-App um ein Lifestyleprodukt, dass vor allem bei jungen Leuten ankommen soll, die viel Musik konsumieren. Aus den Rückmel­dungen der Nutzer schließt Matthies, dass viele User tatsächlich leiser hören und potenzielle Lärmschäden vermeiden, nachdem sie ihre Musik mithilfe der Hörtestdaten individualisiert kalibriert haben.

„Die mimi-App verspricht tatsächlich einen Hörgenuss ohne Reue“, bestätigt auch Manfred Gross, Facharzt für Phoniatrie und für HNO-Heilkunde an der Charité Berlin. Gleichzeitig misst die App den Umgebungslärm und sorgt dafür, dass durch ent­sprechende Filterung nur ein unschädlicher Schallpegel mit den wichtigen Informationen zum Ohr gelangen. Eine Therapie des Tinnitus, wie sie eine ähnliche App (Tinnitracks) vorsieht, sei nicht angedacht, teilt Matthies mit.

Der digitale Hörtest und die persona­lisierte Musik zur Hörprävention funktionieren wie folgt:

  1. Man begebe sich an einen ruhigen Ort,
  2. öffne die App Mimi Hörtest,
  3. wähle die genutzen Kopfhörer aus,
  4. stelle das Smartphone auf mittlere Lautstärke,
  5. starte die Trainigsrunde: Sobald man den Ton auf dem rechten oder linken Kopfhörer hört, drückt man die entsprechende Taste auf dem Smartphone.
  6. Das Ergebnis zeigt einem, welche Frequen­zen man wie gut hört.
  7. In Kombination mit Mimi Music werden die schlecht hörbaren Frequenzen verstärkt, sodass die Gesamtlautstärke leiser bleiben kann. 

Der präventive Gedanke, Hörschäden durch reduzierte Lautstärke zu vermeiden, hat auch die Barmer überzeugt, Mimi Hearing ab März für drei Monate zu unterstützen. In diesem Zeitraum kön­nen Interessierte beide Apps kostenlos für iOS installieren. Für Android und Win­dows soll der Hörtest in Kürze ebenfalls verfügbar sein.

Die Zuverlässigkeit der Hörtestergeb­nisse sowie die Nutzerfreundlichkeit der Apps wurden von der Klinik für Audio­logie und Phoniatrie der Charité Berlin unter Leitung von Gross bereits in einem vorherigen Forschungsprojekt klinisch validiert. Die Voraussetzungen für alle vier Stufen der Prävention erfülle das Programm bereits in idealer Weise, bestätigte Gross mimi Hearing. In den kommenden drei Monaten wird das Team der Charité Berlin den präventiven Nutzen der Mimi-Apps evaluieren.

„Einen Datenaustausch zwischen dem Start-up und der Barmer wird es dabei nicht geben“, betont Mani Rafii, Vorstandsmitglied der Barmer auf einer Pressekonferenz in Berlin. Userdaten würden ausschließlich von Mimi Hearings verwaltet und an die Charité Berlin zu Evaluationszwecken übergeben.

Die Kalibration ist für jede Art von Kopfhörern möglich. Derzeit können Nutzer von Mimi Music die App mit Playlists von Spotify oder Soundcloud verknüpfen. Die jungen Unternehmer verfolgen jedoch das Ziel, Musikstreamingdienste, Serien- und Filmstreamingdienste wie Netflix oder Maxdome in die App zu integrieren, sodass jegliches Klangerlebnis individuell stattfinden kann und dabei Hörschäden vorbeugt.

Die Zahl der 15- bis 35-Jährigen, die auf eine Hörhilfe angewiesen sind, stieg zwischen den Jahren 2010 und 2015 um fast ein Drittel. Das geht aus Versichertendaten der Barmer hervor. Mithilfe der beiden Apps will die Barmer diese Zielgruppe erreichen und Hörschäden vorbeugen. © gie/aerzteblatt.de

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