Medizin

Analkarzinom: Geduld vermeidet unnötige Operationen

Montag, 13. Februar 2017

Southampton – Der Erfolg einer Radiochemotherapie, die heute der Standard in der Behandlung des Analkarzinoms ist, stellt sich häufig erst Wochen oder Monate nach Abschluss der Behandlung ein. Die Analyse einer Phase 3-Studie in Lancet Oncology (2017; doi: 10.1016/S1470-2045(17)30071-2) kommt jetzt zu dem Schluss, dass die Entscheidung zu einer Salvage-Operation frühestens ein halbes Jahr nach der Radiochemotherapie fallen sollte.

Eine Radiochemotherapie erzielt beim Analkarzinom bessere Ergebnisse als die bis in die 1980er Jahre hindurch bevorzugte radikale Operation mit einer abdomino-perinealen Amputation, die für die Patienten mit einem künstlichen Darmausgang verbunden ist. Eine Operation wird heute nur noch durchgeführt, wenn sich der Tumor unter der Radiochemotherapie nicht vollständig zurückgebildet hat. Bei den Nach­untersuchungen wird heute in der Regel auf Biopsien verzichtet, um den empfindlichen Schließmuskel nicht zu schädigen.

Anzeige

Bei den meisten Karzinomen streben die Chirurgen nach dem Abschluss der Radiochemotherapie eine relativ rasche Operation an, um das Risiko einer erneuten Tumorausbreitung gering zu halten. In der britischen ACT II-Studie, an der in den Jahren 2001 bis 2008 940 Patienten mit nicht metastasiertem Analkarzinom teilnahmen, wurde die Entscheidung zur Operation auf die Woche 26 nach Beginn der Radioche­motherapie verschoben, da die Patienten noch eine Erhaltungschemotherapie erhielten (die sich nicht bewährt hat, wie frühere Auswertungen gezeigt haben).

Die Patienten waren in der Studie an drei Zeitpunkten digital untersucht worden. Die erste Untersuchung fand nach 11 Wochen statt, um die Wirkung der initialen Radio­chemotherapie zu beurteilen. Eine zweite Untersuchung fand nach 18 Wochen statt, um die Wirkung der Erhaltungschemotherapie zu bewerten. Erst nach einer dritten Untersuchung 26 Wochen nach Beginn der Radiochemotherapie fiel die Entscheidung zu einer etwaigen „Salvage“-Operation.

Dieser späte Termin hat, wie Robert Glynne-Jones vom Mount Vernon Hospital in Northwood bei London und Mitarbeiter ermittelt haben, viele Patienten vor einer unnötigen Operation bewahrt. Nach 11 Wochen hatten nämlich erst 64 Prozent der Patienten eine komplette Remission erreicht. Der Anteil stieg bis zur Woche 18 auf 80 Prozent und nach 26 Wochen auf 85 Prozent an. Die 5-Jahres-Überlebensraten waren für die Patienten, die an den drei Untersuchungsterminen eine komplette Remission erreicht hatten, mit 85 Prozent, 86 Prozent und 87 Prozent gleich. Bei den Patienten, bei keine komplette Remission erzielt hatten, betrugen die 5-Jahres-Überlebensraten 75 Prozent, 61 Prozent und 48 Prozent.

Glynne-Jones rät aufgrund der Ergebnisse, die Entscheidung zur Operation frühestens nach 26 Wochen zu treffen. Die Editorialistin Angelita Habr-Gama von der Universität São Paulo stimmt ihr zu und spricht von einem wichtigen Meilenstein seit der Einführung der Radiochemotherapie. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige