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Politik

Mortler will Verbot der Tabakaußenwerbung noch vor der Wahl

Dienstag, 14. Februar 2017

/dpa

Berlin – Trotz Widerständen in der Koalition dringt die Drogenbeauftragte Marlene Mort­ler (CSU) auf ein Außenwerbeverbot für Tabakwaren noch in dieser Legislaturperiode. „Es kann doch nicht sein, dass wir mit einigen Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt Tabakprävention in Schulen machen, es aber gleichzeitig zulassen, dass die Unter­neh­men mit einem Vielfachen unseres Budgets auf dem Schulweg unserer Kinder Tabak­wer­bung aufstellen“, sagte Mortler heute. Sie fügte hinzu: „Die Forschung zeigt uns zu alle­dem, dass Tabakwerbung gerade bei Jugend­lichen Wirkungen erzielt.“

Mortler und Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU), dessen Haus die Fe­der­führung bei dem Gesetzesvorhaben hat, wollen noch in dieser Legislaturperiode das Außenwerbeverbot durchsetzen, das auch in Kinos Tabakwerbung stark einschrän­ken würde. Doch ihnen läuft die Zeit davon. Der schon im vergangenen Frühjahr vor­gelegte Gesetzentwurf wurde immer wieder auf die lange Bank geschoben, weil es innerhalb der Unionsfraktion sowie in Teilen der SPD Widerstand gibt.

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Der stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion, Frank Tempel, erklärte: „Die Dro­gen­beauftragte hat beim Kampf gegen die Tabakwerbung meine volle Unterstüt­zung. Zwar lassen sich ungesunde Lebensweisen wie das Rauchen nicht verbieten, zumindest aber die Werbung für Tabakprodukte.“ Tempel fügte hinzu: „Marlene Mortler hat als Dro­genbeauftragte das Problem, dass ihre eigene Fraktion von CDU/CSU von der Tabak­lobby zugequalmt wurde.“ 2015 habe allein Philipp Morris der CDU 80.000 Euro für Ver­anstaltungssponsoring bezahlt.

Doch auch die Werbewirtschaft und die Kommunen befürchten beträchtliche Einnahme­verluste, sodass auch hier die Vorbehalte gegen ein solches Verbot erheblich sind. Die Tabakindustrie nutzte das politische Hin und Her ganz offenbar, um sich neu aufzu­stellen.

Nach dpa-Informationen legte sie bei der Außen- und Kinowerbung sowie bei Promotion und Sponsoring erheblich zu und steigerte die Gesamtwerbeausgaben von 2014 auf 2015 von 196 Millionen Euro auf mehr als 230 Millionen Euro. Zudem bewirbt die In­dus­trie dem Vernehmen nach vermehrt die elektronische Zigarette bei Jugend­lichen.

„Man muss es einfach klar aussprechen: Rauchen tötet, zerstört dadurch Familien, kos­tet das Gesundheitssystem Unsummen und belastet unsere Unternehmen allein durch die krankheitsbedingten Arbeitsausfälle jedes Jahr mit vielen Milliarden Euro“, unter­strich die Drogenbeauftragte. „Bei über 120.000 Tabaktoten und volkswirtschaftlichen Belas­tun­gen von fast 80 Milliarden Euro im Jahr müssen wir einfach alles dran setzen, dass so wenige junge Leute wie möglich mit dem Rauchen beginnen“, mahnte Mortler. © dpa/aerzteblatt.de

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