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Medizin

SGLT2-Inhibitoren: EMA warnt vor möglichen Zehen-Amputationen

Mittwoch, 15. Februar 2017

London – Eine Häufung von Amputationen an den unteren Extremitäten, insbesondere der Zehen, zu der es in zwei Studien unter der Behandlung mit dem SGLT2-Inhibitor Canagliflozin gekommen ist, veranlasst die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zu einem Warnhinweis für die gesamte Arzneimittelklasse: Ärzte sollen ein Absetzen der Medikamente erwägen, wenn die Patienten erhebliche Fußkomplikationen wie Infektio­nen oder Hautgeschwüre entwickeln.

Das Sicherheitssignal war in den Studien CANVAS und CANVAS-R („Canagliflozin cardio­vascular assessment Study“) aufgetreten. In CANVAS war es unter der Behand­lung mit Canagliflozin in der Dosis 100 mg/die zu sieben Amputationen auf 1.000 Patien­ten gekommen. Unter der höheren Dosis von 300 mg/die waren fünf Amputationen pro 1.000 Patienten notwendig geworden, während die Inzidenz in der Placebogruppe bei drei Amputationen pro 1.000 Patienten lag. Das Problem war bei einer Zwischen­aus­wer­tung der Studie nach 4,5 Jahren aufgefallen. In CANVAS-R soll ebenfalls ein Trend erkennbar sein. In dieser Studie wurden die Patienten bei der letzten Auswertung jedoch erst im Durchschnitt neun Monate behandelt.

CANVAS und CANVAS-R gehören zu den Endpunktstudien, in denen die Hersteller neu zugelassener Diabetesmedikamente belegen müssen, dass ihre Wirkstoffe langfristig das Auftreten von Folgekrankheiten des Diabetes senken. Solche Studien wurden auch zu den beiden anderen SGLT2-Inhibitoren Dapagliflozin und Empagliflozin begonnen. Ergebnisse zu diesen Studien liegen offenbar noch nicht vor.

Eine Erklärung für den Anstieg der Amputationen gibt es bisher nicht. Der Wirkungs­mecha­nis­mus sei unklar, heißt es in einer Stellungnahme des Ausschusses für Risiko­bewertung im Bereich der Pharmakovigilanz bei der EMA. Amputationen sind eine häufige Folge der Grunderkrankung, da eine Mikroangiopathie die Durchblutung in den Füßen vermindert, und eine Neuropathie verhindert, dass Verletzungen entdeckt und adäquat behandelt werden.

Die FDA hatte bereits im Mai 2016 eine Drug Safety Communication veröffentlicht, die sich allerdings auf Canagliflozin beschränkt.

SGLT2-Inhibitoren sind eine relativ neue Wirkstoffklasse. Die Wirkstoffe hemmen die Reabsorption von Glukose über den Natrium/Glukose-Cotransporter 2 (SGLT-2) in den Nierentubuli. Es kommt zur vermehrten Ausscheidung von Glukose über die Nieren. © rme/aerzteblatt.de

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