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Medizin

Warum Nikotin in der Schwangerschaft zu Hörstörungen bei den Kindern führt

Dienstag, 14. Februar 2017

dpa

Berlin – Die Einwirkung von Nikotin auf den Hirnstamm könnte für Hörstörungen verantwortlich sein, die bei Kindern von starken Raucherinnen beobachtet wurden. Dies zeigen Experimente an Tieren im Journal of Physiology (2017; doi: 10.1113/JP274059).

Während die schädlichen Folgen des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft allgemein bekannt sind, werden die Auswirkungen des Rauchens häufig unterschätzt. Epide­mio­logische Studien bringen die Inhalation der zahlreichen Schadstoffe des Tabakrauchs nicht nur mit einem niedrigen Geburtsgewicht, dem plötzlichen Kindstod, mit einer Anfälligkeit gegenüber Atemwegsinfekten und Asthma in Verbindung. Studien haben auch gezeigt, dass die Kinder von starken Raucherinnen häufiger unter Hörstörungen leiden.

Eine mögliche Erklärung hat ein Team um Ursula Koch von der Freien Universität Berlin jetzt im ventralen Nukleus des Lemniscus lateralis (VNLL) gefunden. Der VNLL ist Bestandteil der Hörbahn. Er erhält seine Informationen vom Nucleus cochlearis, der ersten Umschaltstelle für die vom Ohr eintreffenden Signale. Die Nerven im VNLL haben viele Rezeptoren für Nikotin. Vor allem die sogenannten alpha7-Nikotin-Acetylcholin-Rezeptoren sind laut Koch für die Entwicklung des Gehirns wichtig.

Die Stimulierung dieser Rezeptoren mit Nikotin, das beim Tabakrauchen der Mutter über die Plazenta den Kreislauf des Kindes und damit auch das Gehirn erreicht, hat in den Experimenten bei Mäusen eine massive Störung der Entwicklung des VNLL ausgelöst. Da der VNLL für die Analyse der Signale aus den beiden Ohren und damit auch für das Sprachverständnis zuständig ist, liefern die Ergebnisse eine plausible Erklärung für die Hörstörungen vieler Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben. 

In einer früheren Untersuchung hatten Teenager, die in Haushalten mit Rauchern lebten, zu 83 Prozent häufiger unter sensorineuralen Hörstörungen gelitten. Die Studie konnte allerdings nicht die pränatalen und postnatalen Einflüsse trennen. Fest steht aber, dass Kinder aus Raucherhaushalten häufiger schlecht hören.

Die Ergebnisse der Studie lassen vermuten, dass E-Zigaretten keine sichere Alternative zum Tabakrauchen sind, auch wenn epidemiologische Untersuchungen hierzu noch nicht vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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cis2000
am Montag, 7. August 2017, 21:38

Tabakrauch und Nikotin noch nicht getrennt!

Zitat: "Die Einwirkung von Nikotin auf den Hirnstamm könnte für Hörstörungen verantwortlich sein, die bei Kindern von starken Raucherinnen beobachtet wurden. Dies zeigen Experimente an Tieren im Journal of Physiology (2017; doi: 10.1113/JP274059)."
Immer wieder kann man beobachten, dass der Nikotinkonsum nicht vom Tabakrauchen abgekoppelt wird.
Weitere Zitat: "Fest steht aber, dass Kinder aus Raucherhaushalten häufiger schlecht hören."
Daraus schlussfolgert man dann: "Die Ergebnisse der Studie lassen vermuten, dass E-Zigaretten keine sichere Alternative zum Tabakrauchen sind, auch wenn epidemiologische Untersuchungen hierzu noch nicht vorliegen."
Schön man hat keine Untersuchungen aber man verfällt schon einmal in Mutmaßungen.
Dr.Bayerl
am Donnerstag, 16. Februar 2017, 09:27

fragt sich ..

... wie man werdende Mütter vom Rauchen abhalten kann.
Mit Vernunft und Moral klappt das ja offensichtlich nicht.
praxis@blumenstein.de
am Dienstag, 14. Februar 2017, 20:19

Nikotin & Rauchgase

Bitte klar trennen: Es gibt Nikotin-Effekte und Rauchgasfolgen. Am Ohr handelt es sich vermutlich? um einen Nikotin-Effekt, wie er ja auch für kindliches Untergewicht und späteres Übergewicht abzuzeichnen scheint. So schön wie eCigs auch sein mögen, die Folgen im Falle einer Schwangerschaft scheinen fatal zu sein.

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