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Medizin

USA: Immer mehr Senioren nehmen gleich mehrere Psychopharmaka

Mittwoch, 15. Februar 2017

Ann Arbor – In den USA hat sich die Zahl der Senioren, die drei oder mehr psychia­trische Medikamente erhalten, innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Fast die Hälfte aller Patienten hatten laut einer Publikation in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.9225) keine psychiatrische Diagnose.

Auch in den USA warnen Experten vor den Folgen einer Polypharmazie. Die Beers-Liste, die der Priscus-Liste in Deutschland entspricht, wurde zuletzt um die Gruppe der Opioide erweitert, deren Verordnung im Alter mit hohen Risiken verbunden ist – vor allem, wenn sie zusammen mit Schlafmitteln verordnet werden. Diese offenbar weitver­brei­tete Praxis hat die Arzneimittelbehörde FDA im letzten Jahr veranlasst, durch einen umrahmten Warnhinweis in den Beipackzetteln auf die Kontraindikation hinweisen zu lassen.

Dies geschah nicht ohne Grund, wie die Analyse der Verordnungszahlen zeigt, die Donovan Maust von der Universität von Michigan in Ann Arbor und Mitarbeiter jetzt vorstellen. Danach stieg zwischen den Jahren 2004 und 2013 die Zahl der Arztbesuche, die zur Verordnung von drei oder mehr Psychopharmaka führten, von 1,5 auf 3,68 Millionen an. In einer adjustierten Analyse betrug die Odds Ratio 3,12 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,28–4,28), in der Altersgruppe der über 85-Jährigen sogar 4,15 (2,04–8,43). Bei insgesamt 1,4 Prozent aller Arztbesuche von über 65-Jährigen wurden drei oder mehr Psychopharmaka verordnet.

Bei fast der Hälfte aller Verordnungen hatte der Arzt weder eine mentale Erkrankung noch eine Schmerzdiagnose als Grund für die Verordnung angegeben. Dieser Anteil ist laut Maust in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ein Grund für die zunehmende Polypharmazie sei der Mangel an alternativen Behandlungsangeboten für Menschen mit Depressionen und Angsterkrankungen. Diese fehlen vor allem in ländlichen Regionen, wo die Polypharmazie sich im Untersuchungszeitraum verfünffacht hat (Odds Ratio 4,99; 2,67–9,33). © rme/aerzteblatt.de

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