Medizin

Parkinson: Frühe Diagnose mittels Hauttest auf Alpha-Synuclein

Mittwoch, 15. Februar 2017

Würzburg/Marburg – Einer Gruppe deutscher Neurologen ist es erstmals gelungen, die Parkinsonerkrankung über eine kleine Hautprobe festzustellen – und zwar noch Jahre vor Ausbruch der typischen Bewegungsstörungen. Den Nachweis liefern pathologische Proteinablagerungen von Alpha‐Synuclein in den feinen Nervenenden der Haut. Die Ergebnisse wurden in Acta Neuropathologica publiziert (2017; doi: 10.1007/s00401-017-1684-z). Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson-Gesellschaft (DPG) ordnen die Erkenntnisse als Meilenstein in der Parkinsondiagnostik ein. 

Unspezifische Symptome im Frühstadium (Prodromalphase) von Parkinson:

  • Verschlechterung des Geruchssinns
  • Depressionen
  • Verdauungsstörungen
  • viele weitere

Wenn das Zittern beginnt, die Bewegungen steif und langsam werden, hat aber schon ein jahrelanges Nervenzellsterben stattgefunden. Etwa 80 Prozent der dopaminergen Nervenendigungen und bis zu 50 Prozent der Nervenzellen in der Substantia nigra im Gehirn sind bereits unwiederbringlich untergegangen.

Dass sich Alpha-Synuclein nicht nur im Gehirn von Parkinsonpatienten abla­gert, sondern auch in der Haut, konnten Würzburger Forscher um Kathrin Dopp­ler schon 2014 zeigen. Sie fanden bei rund der Hälfte der untersuchten Parkin­sonpatienten pathologische Protein­aggregate in den kleinen Nervenfasern der Haut. Die frühe Diagnose blieb auf­grund von unspezifischen Beschwerden weiterhin schwer (siehe Kasten). In ihrer jetzigen Studie ist es dem Team gelun­gen, Alpha-Synuclein bereits in der Pro­dromalphase nachzuweisen. Das Protein eignet sich demnach als Biomarker, um Parkinson im Frühstadium zu diagnostizieren, in dem die typischen Bewegungsstörungen noch nicht auftreten.

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Dafür untersuchten die Neurowissenschaftlern um Kathrin Doppler und Claudia Sommer aus Würzburg sowie Wolfgang Oertel aus Marburg 18 Patienten mit REM-Schlafstörun­gen (REM sleep behavior disorder, RBD), 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson und 20 gesunde Kontrollprobanden. Die Schlafstörung gilt als charakteristisches Früh­symp­tom der Parkinsonkrankheit. Sie äußert sich in aggressiven Träumen und auf­fälligen Bewegungen im Traumschlaf. Etwa 85 Prozent der Betroffenen entwickeln innerhalb von 15 bis 20 Jahren eine Parkinsonerkrankung. Auch bei REM‐Schlaf­verhaltensstörung finden sich im Gehirn Ablagerungen von Alpha‐Synuclein.

Studiendesign

Für die vom Parkinson-Fonds Deutschland geförderte Studie entnahmen die Forscher den Probanden Haut­biopsien (5 mm) am Rücken sowie am Ober- und Unterschenkel und suchten mittels Doppel-Immunfluo­reszenzfärbung in den dermalen Nervenfasern nach Ablagerungen von phosphoryliertem Alpha-Synuclein. Sie bestimmten außerdem mit einer nuklearmedizini­schen Untersuchung (FP-CIT-SPECT) die Dichte der präsynaptischen Dopamintransporter, führten olfakto­rische Funktionstests durch und kalkulierten den Wahrscheinlichkeitsquotienten für prodromale Parkin­sonsymptome.

Phosphoryliertes Alpha-Synuclein konn­ten die Forscher mit einer Sensitivität von 55,6 Prozent bei zehn von 18 RBD-Risikopatienten nachweisen. Mit einer Sensitivität von 80 Prozent wurde bei 20 von 25 Patienten mit frühem Morbus Parkinson ein Nachweis für die Alpha-Synuclein-Ablagerungen erbracht. Keine Ablagerungen hingegen fanden sich bei den gesunden Kontrollprobanden.

„Damit kommt der Einstieg in die lange erhoffte präsymptomatische Parkinson­therapie in unser Blickfeld“, kommentiert Günther Deuschl, Parkinsonexperte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Präsident der European Academy of Neurology.

Wichtig sei dabei das Potenzial einer leicht anwendbaren Methode der minimalinvasiven Hautbiopsie, bei der lediglich eine fünf Millimeter große Probe entnommen werden muss, ergänzt Werner Poewe, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie an der Medizinischen Universitätsklinik in Innsbruck. Denn bisher war der Nachweis von Alpha-Synuclein nur im Gehirn möglich – nach dem Tod des Patienten, sagt Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg und Koautor der Studie. © gie/idw/aerzteblatt.de

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