Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mehr als 200 Gene beeinflussen männliche Glatzenbildung

Donnerstag, 16. Februar 2017

Edinburgh – Die genetischen Ursachen des Haarverlusts sind bei Männern ebenso vielfältig wie die Formen der Alopezie. Eine genom-weite Assoziationstudie in PLOS Genetics (2017; doi: 10.1371/journal.pgen.1006594) ermittelte nicht weniger als 287 Stellen auf dem Erbgut, die die Haarpracht beeinflussen, davon befanden sich 40 auf dem von der Mutter geerbten X-Chromosom.

Dass die Haarpracht des Mannes vererbt wird, ist allgemein bekannt. Zwillingsstudien schätzen die Heritabilität auf 90 Prozent. Genetische Studien fanden bisher nur eine Übereinstimmung von etwa 50 Prozent zu den Eltern. Bekannt war auch, dass das X-Chromosom eine wichtige Rolle spielt. Dort befindet sich das Gen für den Androgen-Rezeptor, dessen Varianten bereits in früheren Studien mit einer (androgenetischen) Alopezie in Verbindung gebracht wurden.

Ein Team um Riccardo Marioni von der Universität Edinburgh hat jetzt die Gene von 52.000 Männern untersucht, die der UK Biobank Blutproben zur Verfügung gestellt hatten und sich in Fragebögen zu ihrer Behaarung geäußert hatten. Die Analyse der Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP), bekannte Varianten im menschlichen Erbgut, zeigte, dass viele Gene das Haarwachstum beim Mann beeinflussen.

Die Funktion dieser Gene ist erst teilweise bekannt. FGF5 wurde mit dem Haar­wachs­tum bei Mäusen in Verbindung gebracht, IRF4 soll graue Harre verursachen, MEMO1 und SLC14A2 wurden auch mit einem Krebswachstum in Verbindung gebracht, HDAC9 beeinflusst die Genregulation, Varianten im Gen MAPT wurden bei Patienten mit frontotemporaler Demenz gefunden. EBF1 und WNT10A bestimmen die Dicke und Form des Haares. EDA2R spielt beim Erhalt der Zähne eine Rolle, Defekte in OPHN1 and ZC4H2 sind an der X-chromosomalen mentalen Retardierung beteiligt. FGF5 sorgt für lange Augenwimpern.

Diese Liste ließe sich fortsetzen, der Einfluss der einzelnen Genvarianten ist aber so gering, dass sich weitere Spekulationen erübrigen. Die Gesamtanalyse der Varianten ist jedoch in der Lage, einen späteren Haarverlust vorherzusagen. Marioni ermittelte eine Sensitivität von 74 Prozent und eine Spezifität von 69 Prozent.

Der positive Vorhersagewert betrug 59 Prozent und der negative Vorhersagewert 82 Prozent. Das ist allerdings noch immer zu wenig für einen Labortest, dessen klinischer Nutzen gering wäre, da es derzeit kein Mittel gibt, das eine Glatzenbildung verhindern kann. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11. April 2018
Göttingen/München – Körperliche und geistige Übungen sind nicht nur für das eigene Gehirn von Vorteil. Sie können auch die Lernfähigkeit der Nachkommen beeinflussen. Das zeigten Versuche bei Mäusen,
Epigenetik: Lernfähigkeit vererbt sich auf die nächste Generation
29. März 2018
London – Der plötzliche Kindstod (SIDS), der im öffentlichen Bewusstsein vor allem mit „äußeren“ Faktoren wie der Bauchlage des Säuglings, warmen Schlafzimmern oder auch mit dem Rauchen der Eltern in
SIDS: Defekter Membrankanal auf Muskelzellen kann Krippentod auslösen
28. März 2018
Tarrytown/New Jersey – Menschen mit einer Mutation im Gen HSD17B1, die zum Ausfall eines Enzyms im Fettstoffwechsel der Leber führt, sind weitgehend vor einer nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH)
Leber: Genmutation, die vor NASH schützt, bietet Ansatz für neue Therapie
23. März 2018
Bonn – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird bundesweit vier Kompetenzzentren für Hochdurchsatzsequenzierung einrichten. Das hat der Hauptausschuss der DFG in Bonn beschlossen. Für die
Forschungsgemeinschaft fördert bundesweit vier Zentren für Hochdurchsatzsequenzierung
2. März 2018
Würzburg – Die Genschere CRISPR/Cas9, die die Gentechnik schon jetzt revolutioniert hat, ist möglicherweise noch breiter einsetzbar. Einer Studie zufolge lässt sich damit nicht nur DNA zerschnippeln,
Genschere CRISPR/Cas9 möglich flexibler einsetzbar als gedacht
12. Februar 2018
Los Angeles – Postmortale Untersuchungen an Patienten mit Autismus, Schizophrenie, bipolarer Störung, Depression und Alkoholabhängigkeit zeigen, dass in den Nervenzellen des Cortex vielfach die
Studie findet überraschende Gemeinsamkeiten in Genaktivität bei fünf häufigen psychiatrischen Erkrankungen
8. Februar 2018
Göttingen – Ein neues Promotionskolleg für Studierende der Humanmedizin startet die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mithilfe der Else-Kröner-Stiftung. „Die universitäre Medizin braucht dringend
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige