Vermischtes

Riskanter Alkoholkonsum von Eltern fördert Rauschtrinken bei Jugendlichen

Donnerstag, 16. Februar 2017

Berlin – Der elterliche Umgang mit Alkohol hat stärkeren Einfluss auf das Rauschtrinken von Jugendlichen, als bislang angenommen. Das zeigt eine Langzeitstudie im Auftrag der Krankenkasse DAK und des Bundesbildungsministeriums, welche die DAK heute in Ber­lin vorstellte. Zwölfjährige, deren Eltern regelmäßig zu Alkohol greifen, haben im Er­wach­se­nenalter demnach ein dreimal höheres Risiko des Rauschtrinkens als Kinder „alkohol­freier“ Familien.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass beim Rauschtrinken der Einfluss des Elternverhaltens stärker ist, als bislang angenommen“, erklärte Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). Er verfolgte die Entwicklung riskanten Alkoholkonsums in der Untersuchung neun Jahre lang.

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Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) appellierte an die Eltern, ihrer Vor­bildfunktion gerecht zu werden. „Wasser predigen und Wein trinken, das geht nicht“, er­klärte sie in Berlin bei der Vorstellung der aktuellen DAK-Untersuchung.

Zusätzlich ließ die Krankenkasse tausend Mütter und Väter von Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren zum Thema Alkohol befragen. Demnach machen sich 21 Pro­zent Sorgen, dass ihre Sprösslinge zu viel trinken. Knapp ein Drittel der Befragten (32 Pro­zent) legt der Umfrage zufolge aber selbst ein riskantes Trink­ver­halten an den Tag. Bei den Vätern liegt der Anteil sogar bei 39 Prozent. Nahezu ein Viertel (23 Prozent) der El­tern versetzt sich mindestens einmal im Monat selbst in einen Alkoholrausch.

Dies habe auch Folgen für den Nachwuchs, betonte Sucht- und Präventionsexperte Ha­ne­winkel: „Bei hohem Alkoholkonsum der Eltern erhöht sich auch bei ihren Kindern das Risiko zum Rauschtrinken.“ Mortler erklärte, Alkoholmissbrauch bleibe trotz allge­mein rückläufigen Konsums weiter eine der „großen gesundheitspolitischen Heraus­forde­run­gen“.

Nach den Untersuchungen Hanewinkels und seiner Kollegen am IFT-Nord ist es wichtig für die weitere Suchtentwicklung, dass Rauscherfahrungen möglichst spät gemacht wer­den. Zwölf- bis 13-Jährige, die diese bereits sammelten, zeigen als junge Erwach­sene zu 55 Prozent ein riskantes Trinkverhalten. Unter Altersgenossen, die mit 13 oder 14 Jahren noch rauschfrei waren, sind es mit 46 Prozent signifikant weniger.

„Die Untersuchungen zeigen, wie wichtig die frühzeitige Aufklärung über die Risiken und Gefahren von Alkoholmissbrauch ist“, erklärte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Auch die große Mehrheit der Eltern erwartet laut Befragung eine Aufklärung an Schulen zum Thema Rausch- und Komatrinken. „Aus Sicht der Eltern müssen die Menschen wach­ge­rüttelt werden.“

Seine Krankenkasse nehme diese Erwartungen ernst und setze etwa auf die Wiederauf­lage einer erfolgreichen Präventionskampagne in Form eines Plakatwettbewerbs. Die DAK lade auch in diesem Jahr wieder rund 11.000 Schulen bundesweit ein, sich daran zu beteiligen. © afp/aerzteblatt.de

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