Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Niederlande: Ärzte kritisieren Sterbehilfe aufgrund von Patientenverfügung

Freitag, 17. Februar 2017

Amsterdam – Niederländische Ärzte haben mit Blick auf die Sterbehilfe den Stellenwert der Patientenverfügung kritisiert. In keinem anderen Land der Welt werde so viel Gewicht auf die Patientenverfügung gelegt, schreiben acht Ärzte in einem am Mittwoch in der niederländischen Zeitung NRC veröffentlichten Meinungsartikel. Die Sterbehilferegeln in den Niederlanden sehen vor, dass Ärzte sich auf die Patienten­verfügung berufen können, wenn ein Patient nicht mehr in der Lage ist, sich zur Sterbehilfe zu äußern.

Die Ärzte argumentieren, die aktive Sterbehilfe in den Niederlanden beruhe auf dem Dialog zwischen Arzt und Patient. Ohne eine gemeinsame Entscheidung und ohne eine Bestätigung des Patienten, dass er noch immer hinter seiner Willenserklärung stehe, sei aktive Sterbehilfe „undurchführbar“, da die moralische Grundlage fehle, schreiben die Ärzte.

„Selbstbestimmung“ des Patienten und „Barmherzigkeit“ des Arztes seien die beiden wichtigsten „moralischen Säulen“ der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden. „Das eine kann nicht ohne das andere existieren“, schreiben sie. Genau darin liege der ethische Unterschied zwischen „Tod geben“ und töten. Um das Leiden von Menschen mit De­menz zu lindern, gebe es verhältnismäßigere Mittel als die aktive Sterbehilfe.

Ende 2015 hatte die niederländische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Edith Schippers aktive Sterbehilfe bei fortgeschrittener Demenz gestattet, wenn vor Beginn der Krankheit eine entsprechende Patientenverfügung ausgestellt wurde. Trotzdem sind viele Ärzte unsi­cher, was erlaubt ist, da auch bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Demenz­erkran­kung vor der Erteilung von Sterbehilfe geprüft werden soll, ob sie unerträglich leiden.

Im Januar war zum ersten Mal eine Ärztin von der Sterbehilfe-Überprüfungs-Kommis­sion (RTE) gerügt worden. Es sei nicht eindeutig geklärt gewesen, ob die Demenz­patientin die Sterbehilfe zu dem Zeitpunkt, als sie erteilt wurde, tatsächlich gewollt habe. Vorher hatte die Patientin festgelegt, dass sie aktive Sterbehilfe zu einem späteren Zeitpunkt wolle. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Dr.Bayerl
am Samstag, 18. Februar 2017, 09:26

@Eutanasia, ich kann Sie beruhigen,

wie die hohe Zahl der Suicide zeigt, geht es auch ohne Arzt.
Ich hätte eher Angst vor einem Arzt der mich tötet.
Eutanasia
am Freitag, 17. Februar 2017, 17:32

Schier unglaublich

Wozu brauche ich dann noch eine Patientenverfügung? Nur Patientenverfügunggen, in denen steht, dass ich mit allen Mitteln am Leben zu halten bin, sind gute Verfügungen? Mein Vertrauen in Ärtze schwindet mit jedem Tag. Diese Hybris allenthalben ist schlicht nicht mehr zu ertragen.

Nachrichten zum Thema

28.07.17
Erste Verfassungs­beschwerden gegen Sterbehilfeverbot abgewiesen
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht hat zwei von 13 Klagen gegen das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe aus formalen Gründen abgewiesen. Sie erfüllten nicht die Annahmevoraussetzungen, heißt es......
27.07.17
London – In der Frage, wo ein todkrankes britisches Baby seine letzten Tage verbringen darf, haben sich Eltern und Ärzte geeinigt. Der elf Monate alte Junge soll in einem Kinderhospiz sterben, wie......
24.07.17
London – Die Eltern eines todkranken britischen Babys haben ihren Kampf vor Gericht um die Weiterbehandlung in den USA aufgegeben. Unglücklicherweise sei die „Zeit abgelaufen“, sagte der Anwalt der......
24.07.17
Amsterdam/New York – Ein im amerikanischen Wall Street Journal veröffentlichter Brief zur aktiven Sterbehilfe sorgt in den Niederlanden für Aufsehen. Der niederländische Politiker Kees Van der Staaij......
21.07.17
Paris – Das medizinische Team des französischen Komapatienten Vincent Lambert muss erneut einen Behandlungsstopp prüfen. Das hat das oberste Verwaltungsgericht in Frankreich entschieden, wie......
14.07.17
London – Ein US-amerikanischer Arzt hat dem schwerkranken britischen Baby Charlie eine zehnprozentige Chance auf Heilung durch eine experimentelle Behandlung eingeräumt. Das berichteten SkyNews und......
07.07.17
Den Haag – Die drittgrößte Bank der Niederlande, die ABN Amro mit mehr als sechs Millionen Kunden weltweit, vergibt keine Kredite mehr an Unternehmen in der Tabakindustrie. Auch Investitionen in die......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige