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Ausland

UN warnen vor Ausbreitung neuer Raupenplage in Afrika

Freitag, 17. Februar 2017

/dpa

Harare – Die Vereinten Nationen haben vor der raschen Ausbreitung einer neuen Rau­pen­plage auf ganz Afrika gewarnt. Der vom amerikanischen Kontinent eingeschleppte Herbst-Heerwurm habe in kürzester Zeit bereits sieben Länder im südlichen Afrika be­fallen, erklärte gestern David Phiri von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirt­schaft (FAO). „Schädlinge kennen keine Landesgrenzen“, warnte der FAO-Koordinator für das südliche Afrika nach einer regionalen Krisensitzung in Simbabwes Hauptstadt Harare. Der Schädling sei eine Gefahr für ganz Afrika.

Die Kosten des Schädlingsbefalls könnten wegen drohenden Ernteausfällen und der Be­kämpfung der Raupen sehr hoch ausfallen. In Brasilien gebe die Regierung jährlich rund 600 Millionen Dollar aus, um den Herbst-Heerwurm (Spodoptera frugiperda) zu bekäm­pfen, erklärte Phiri. Solche Summen könnten Länder in Afrika nicht aufbringen. „Die mög­­­lichen Konsequenzen für den Lebensunterhalt der Menschen und die Lebens­mittel­versorgung sind gravierend“, erklärte Phiri. Wenn sich der Herbst-Heerwurm weiter so schnell ausbreite, sei bald die Versorgungssicherheit gefährdet, sagte er.

Ein Raupenheer fällt über die Ernte her

Der ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent heimische Herbst-Heerwurm (Spod­optera frugiperda) befällt vor allem Mais, das wichtigste Grundnahrungsmittel der Regi­on. In Sambia sind bereits 130.000 Hektar Mais betroffen, in Simbabwe neun von zehn Provinzen. Auch in Südafrika, dem größten Mais-Produzenten der Region, ist die Rau­pen­plage inzwischen nachgewiesen worden. Auf dem amerikanischen Kontinent richtet der Schädling bereits seit Jahrzehnten große Schäden an. „Wir können ihn nicht ver­nichten“, räumte Phiri ein.

Experten warnen, dass sich die Art schon bald von Afrika bis in den europäischen Mittel­meerraum verbreiten könnte. „Es wird wahrscheinlich dazu kommen, und wir können den Heerwurm nicht ausrotten“, erklärte kürzlich Matthew Cock, der leitende Forscher des Zentrums für Landwirtschaft und Biowissenschaften (CABI) im englischen Egham.

Hungersnot befürchtet

Afrika ist auf die Invasion nicht vorbereitet. Die bis zu vier Zentimeter langen Raupen des Herbst-Heerwurms stürzen sich zu Tausenden auf ein Feld, grasen es ab und ziehen dann in geschlossener Formation weiter. „Sie bewegen sich zusammen, es ist wirklich wie ein Heer“, erklärte Phiri. „Mit diesem Ausbruch habe ich nicht gerechnet“, sagte ein be­troffener Landwirt aus Simbabwe. „Wenn die Lage sich nicht ändert, werden wir hun­gern.“ Auch Südafrika, der mit Abstand größte Maisproduzent der Region, hat den unge­betenen Gast aus Amerika inzwischen auf Feldern entdeckt.

Die Invasion des Herbst-Heerwurms ist eine große Bedrohung für Afrika. Mais ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der Region, das etwa 70 Prozent der Ackerflächen be­legt. Das Ausmaß der Ernteschäden ist derzeit noch nicht absehbar. Generell könnte der Schädling aber 70 Prozent einer Ernte vernichten, warnt die FAO. Die Organisation hat die betroffenen Länder deshalb für Ende kommender Woche zu einer Krisensitzung nach Harare eingeladen. Die Zeit drängt.

Die Raupen fressen sich in rund drei Wochen satt, dann verwandeln sie sich in einen Eu­lenfalter (Noctuidae). Diese können sich bei günstigem Wind rasch über Hunderte Kilo­meter verbreiten und legen bis zu 1.000 Eier. Der Herbst-Heerwurm wurde Anfang 2016 erstmals in Nigeria festgestellt, ein Jahr später ist er nun bereits rund 5.000 Kilo­meter weiter südlich aktiv. Wegen des milden Klimas sterben die Schädlinge nicht an Frost, daher könnte es pro Jahr bis zu zwölf Generationen geben.

Raupe frisst auch Getreide und Gemüse

Für die Landwirtschaft ist die Raupe eine Bedrohung einer neuen Größenordnung. „In Afrika weiß niemand, wie man den neuen Schädling am besten bekämpft“, erklärte Forscher Cock. In Amerika werde seit Jahrzehnten an Strategien zu seiner Bekämpfung gearbeitet. „Er wird oft als einer der schlimmsten Schädlinge Amerikas beschrieben“, sagte Cock. Er vermutet, dass der Herbst-Heerwurm versehentlich mit Luftfracht nach Afrika eingeschleppt wurde.

Die Raupen fressen zwar am liebsten Mais, machen aber auch vor anderem Getreide und Gemüse nicht halt. „Der Heerwurm kann großen Schaden anrichten“, so Cock. Das südliche Afrika erholt sich noch von einer Dürre, von der 2016 nach UN-Angaben 40 Mil­li­onen Menschen betroffen waren. Nun sollte es endlich wieder gute Ernten geben.

Am besten kann der Heerwurm als junge Raupe gezielt mit Pestiziden bekämpft werden. Wenn sich der Schädling erstmal in den Mais hineingefressen hat, ist nichts mehr zu ma­chen. „Deswegen muss er schnell erkannt und bekämpft werden“, sagte FAO-Koordina­tor Phiri. Als natürliche Feinde stehen dem Heerwurm Vögel entgegen. Sie fressen die Raupen vor allem, wenn sie sich sichtbar in offenem Gelände von einem Feld zum ande­ren bewegen. In Nord- und Südamerika gelten auch Ameisen als natürliche Feinde, die etwa die Eier der Heerwürmer fressen, wie Cock erklärt.

Schwer zu bekämpfen

Neben Pestiziden kommen auch traditionelle Methoden zum Einsatz. Landwirte können zum Beispiel Gräben um ein betroffenes Feld ausheben. Dann sind die Raupen leicht zu töten, wenn sie versuchen, auf ein Nachbarfeld zu gelangen, wie Phiri erklärt. Landwirte haben damit bereits gute Erfahrungen gemacht, um einen in Afrika heimischen und weni­ger gefährlichen Cousin des Heerwurms, den Afrikanischen Heerwurm (Spodoptera exempta), in Schach zu halten. Der ist leichter zu bekämpfen, unter anderem weil es pro Jahr nur etwa zwei bis drei Ge­nerationen gibt und die Falter keine so großen Distanzen zurücklegen.

In Ländern wie Sambia, Malawi und Simbabwe lebt ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Für die Bauern dort kann ein Schädlingsbefall verheerend sein, denn vie­le betreiben vor allem Subsistenzwirtschaft. Ohne Ernte können sie ihre Familie nur schwer ernähren. In den betroffenen Ländern gibt es in der Regel keinerlei Versicherung ge­gen Ernteausfälle, weder als kommerzielles Produkt noch durch den Staat. Das einzi­ge Sicherheitsnetz für die meisten Kleinbauern sind Verwandte – sofern deren Felder nicht auch vom Heerwurm vernichtet wurden.

© dpa/aerzteblatt.de

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