Politik

G-BA beauftragt Elterninformationen zu Pränataltest

Donnerstag, 16. Februar 2017

Berlin – Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) haben Versicher­ten­informationen zur nicht invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 mit Hilfe von speziellen Tests in Auftrag gegeben. Das zuständige Institut für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) soll die In­for­mationen für werdende Eltern in den kommenden Monaten zusammen­stellen. Ein ent­spre­chendes Beratungsverfahren zum Test als Medizinprodukt wurde vom G-BA bereits im August 2016 gestartet. Ein abschließender Bericht zum Test­verfahren steht noch aus.

Es besteht ein Recht auf Entscheidungsfreiheit ein Recht auf Nichtwissen

Die Informationen, die mit dem aktuellen Auftrag erarbeitet werden, sollen werdende El­tern bei der Entscheidung unterstützen, ob sie den entsprechenden Test in Anspruch neh­men wollen. „Aufgrund der Tatsache, dass vorgeburtliche Untersuchungen aus­schließ­­lich mit Zustimmung der schwangeren Frau durchgeführt werden dürfen, ergibt sich ein umfassender ärztlicher Aufklärungs- und Beratungsbedarf“, schreibt das Gre­mi­um in seiner Tagesordnung. Außerdem betonen die G-BA-Mitglieder in dem Schrei­ben, dass es neben dem Recht auf Entscheidungsfreiheit ein Recht auf Nichtwissen be­steht.

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Der G-BA war in den vergangen Tagen erneut heftig für den Plan der Methodenbewer­tung kritisiert wor­den. Der unparteiische Vorsitzende Josef Hecken hatte bereits im Au­gust klarge­stellt, dass es nicht darum gehe, generell einen Test einzuführen, mit dem eine spe­zielle Untersuchung auf Trisomien erfolge. Es gehe vielmehr um die Frage, ob bei Risiko­schwangerschaften ein nicht invasiver molekular­ge­netischer Test die bisher im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) er­bringbaren Unter­su­chungen wie die in­va­sive Chorionzottenbiopsie beziehungs­wei­­se die Am­nio­zentese ersetzen könne.

Politik muss eine ethische Entscheidung treffen, nicht der G-BA

In der Plenumsdebatten betonten alle G-BA-Mitglieder in großer Einigkeit, dass sie selbst keine ethische Entscheidung für oder gegen den Test treffen wollten. „Wir richten den Appell an die Politik, dass dort entschieden werden muss, ob es solche Tests in Deutsch­land geben soll“, erklärten die Patientenvertreter im G-BA. Sie befürworten diesen Be­schluss des G-BA, „da es gute Informationen für Versicherte geben muss.“ 

Auch Hecken wies die Kritik an seinem Gremium bezüglich der heutigen Entscheidung zu­rück: „Wir arbeiten hier nicht einen Fall nach Schema F ab, und wir maßen uns keine ethische Entscheidung an, die der Gesetzgeber treffen müsste.“ Auch die Vertreterin des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, betonte, dass im G-BA nicht „technokratisch“ ent­schieden werde: „Wir sind der Meinung, dass eine Beratung zum Test auf politischer Ebe­ne stattfinden muss.“

Das Bundesgesundheitsministerium setzt sich nach Informationen des Deutschen Ärzte­blattes für ein baldiges Gespräch der zuständigen Fachpolitiker ein. „Das BMG begrüßt es, wenn die zum Teil kontroversen grundsätzlichen Fragen, die sich im Zusam­menhang mit der Anwendung vorgeburtlicher Gendiagnostik und möglichen Chancen und Risiken stellen, allgemein in der Öffentlichkeit und insbesondere von Betroffenen, Wissenschaft­lern und Parlamentariern sachlich differenziert und in Orientierung an der Werteordnung des Grundgesetzes diskutiert werden“, teilte das Ministerium auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes mit. Ein entsprechendes Fachgespräch soll in den kommen­den zwei bis drei Wochen stattfinden.

Das Gen-ethische Netzwerk erneuerte unterdessen die Kritik. Wenn der G-BA eine Infor­mation über die bisher als Selbstzahlerleistungen angebotenen Bluttests als Versicher­ten­information vorbereite, scheine er doch implizit davon auszugehen, dass sie zu Kran­kenkassenleistungen werden, sagte Kirsten Achtelik, Mitarbeiterin Medizin. „Sonst müss­te er eine Verbraucherinformation erstellen, wofür er aber wiederum nicht zuständig ist.“ © bee/aerzteblatt.de

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