Medizin

Immer mehr extreme Frühgeburten überleben ohne Folgeschäden

Freitag, 17. Februar 2017

Durham – Die Überlebenschancen von Kindern, die in der 22. bis 24. Gestationswoche geboren werden, haben sich in den letzten Jahren leicht verbessert, ohne dass es zu einer Zunahme von neurologischen Behinderungen gekommen ist. Dies geht aus einer Analyse des Neonatal Research Network hervor, die jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 376: 617-628) veröffentlicht wurde.

Nur eines von drei Kindern, die zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche geboren werden, überlebt. Die Neonatologie ist nicht in der Lage, die schützende Umgebung des Uterus zu ersetzen. Die Kinder sterben an den Folgen von Einblutungen in das Gehirn, schweren Infektionen wie Enterokolitis und Sepsis oder an einer unge­nügenden Sauerstoffzufuhr über die unreifen Lungen, aber auch an den Komplikationen der Behandlungen. Viele Kinder, die überleben, haben bleibende neurologische Behinderungen.

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Die schlechte Prognose der Kinder löst immer wieder eine Diskussion über den Sinn der neonatologischen Intensivmedizin bei extremen Frühgeburten aus. Nach einer weit verbreiteten Ansicht richten die Kinderärzte in ihrem Versuch, das Leben zu retten, mehr Schaden als Nutzen an. Dies muss nicht unbedingt stimmen.

Die jetzt von Noelle Younge vom Duke University Medical Center vom Durham/North Carolina vorgestellten Daten zeigen, dass sich die Situation der extremen Frühgeburten zuletzt leicht verbessert hat – jedenfalls an den elf akademischen Zentren, die sich zum Neonatal Research Network zusammengeschlossen haben.

Younge hat die Daten von 4.274 Kindern analysiert, die im Zeitraum von 2000 und 2011 an einem der elf Zentren zwischen der 22. und 24. Woche der Schwangerschaft geboren wurden. Die Überlebensraten sind in dieser Zeit ingesamt leicht von 30 Prozent (2000 bis 2003) auf 36 Prozent (2008 bis 2011) gestiegen. Der Anstieg war einzig auf Kinder beschränkt, die bei der Entlassung aus der Klinik keine entwicklungs­neuro­logischen Störungen aufwiesen. Dies war 2000 bis 2003 nur bei 16 Prozent der Fall. Im Zeitraum von 2008 bis 2011 waren es bereits 20 Prozent.

Younge führt dies auf Verbesserungen in der neonatologischen Versorgung zurück. Die Zahl der Kinder, die nach der Geburt mit Glukokortikoiden behandelt werden mussten, sei gesunken. Es würden weniger neugeborene Frühchen an Sepsis oder einen post­hämorrhagischen Hydrocephalus entwickeln. Auch eine bronchopulmonale Dysplasie trete immer seltener auf.

Die Untersuchung kann allerdings nicht beweisen, dass diese Faktoren tatsächlich für den leichten Rückgang verantwortlich sind. Es handelt sich um eine rein deskriptive Studie. Die Einzelanalyse zeigt, dass die Situation nach einer Geburt in der 22. Woche noch immer unbefriedigend ist. Nur ein Prozent der Kinder überlebt ohne entwicklungs­neurologische Störungen. Bei einer Geburt in der 23. Woche ist der Anteil von 7 auf 13 Prozent und in der 24. Woche von 28 auf 32 Prozent gestiegen. © rme/aerzteblatt.de

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