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Medizin

Rheumatoide Arthritis: Phase 3-Studie bestätigt Wirkung von Baricitinib

Sonntag, 19. Februar 2017

dpa

Oxford – Baricitinib, der erste in Europa zugelassene Januskinase-Inhibitor, hat in einer Phase 3-Studie die Behandlungsergebnisse von Patienten mit rheumatoider Arthritis, die nicht auf die Behandlung mit Methotrexat angesprochen hatten, deutlich verbessert. Laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2017; 376: 652-662) könnte das oral verfügbare Mittel eine Alternative zu einer Behandlung mit Biologika sein, die syste­misch verabreicht werden müssen.

Kinase-Inhibitoren werden in der Krebstherapie schon seit längerem erfolgreich ein­gesetzt. Die Wirkstoffe hemmen die Weiterleitung von Signalen, die von außen auf die Zellen einwirken. Bei der Krebstherapie sind dies in der Regel Wachstumsfaktoren, die die Proliferation der Krebszellen fördern. Bei der rheumatoiden Arthritis (und anderen Autoimmunerkrankungen) können Kinase-Inhibitoren genutzt werden, um die Proliferation von Entzündungszellen zu hemmen. Ein möglicher Ansatzpunkt sind Januskinasen, die die Weiterleitung der Signale von Zytokinen hemmen, die die Entzündungsreaktion koordinieren.

Der erste Januskinase (JAK)-Inhibitor Tofacitinib wurde bereits 2012 in den USA zugelassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hatte dem Wirkstoff aufgrund einer negativen Einschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses die Zulassung verweigert. Baricitinib, ein weiterer JAK-Inhibitor, der in den USA noch nicht zugelassen ist, wurde dagegen im Dezember von der EMA positiv beurteilt. Inzwischen hat auch die EU-Kommission der Zulassung zugestimmt, so dass das Mittel demnächst eingeführt werden dürfte.

Baricitinib hat sich in mehreren Studien als effektiv erwiesen. Darunter war auch die RA-BEAM-Studie, deren Ergebnisse jetzt publiziert wurden. An der Studie hatten in 281 Zentren 1.307 Patienten mit rheumatoider Arthritis teilgenommen, bei denen es trotz einer Behandlung mit Methotrexat, dem derzeit bevorzugten Basistherapeutikum, zu einem Fortschreiten der Erkrankung gekommen war.

Die Behandlung mit Methotrexat wurde während der Studie fortgesetzt. Zusätzlich wurden die Patienten mit Baricitinib (einmal täglich 4 mg) oder Adalimumab (zweimal wöchentlich 40 mg) oder mit Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war die ACR20: Sie beschreibt eine Verbesserung der Gelenkbeschwerden um 20 Prozent nach den Kriterien des American College of Rheumatology.

Dieses Ziel erreichten, wie Peter Taylor von der Universität Oxford und Mitarbeiter berichten, in der Baricitinib-Gruppe 70 Prozent der Patienten gegenüber 40 Prozent in der Placebo-Gruppe (also unter der alleinigen Fortsetzung der Behandlung mit Methotrexat). In der Adalimumab-Gruppe erreichten 61 Prozent der Patienten eine ACR20.

Der Unterschied zu Baricitinib war nicht signifikant. Vergleichbare Ergebnisse wurden im DAS28 gefunden, der die Krankheitsaktivität in 28 Gelenken bewertet, sowie im HAQ-DI-Score, in dem die Patienten Auskunft über ihre Einschränkungen im Alltag geben. In den radiologischen Parametern gab es ebenfalls keine Unterschiede (bei tendenziell besseren Ergebnissen für Adalimumab).

Die häufigsten Nebenwirkungen von beiden Wirkstoffen sind Infektionen, die sich aus der Immunsuppression erklären. Unter Baricitinib kam es manchmal zum Abfall der Neutrophilen und zu einer Zunahme von Kreatinin und LDL-Cholesterin. © rme/aerzteblatt.de

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