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Medizin

Typ 1-Diabetes: Injektion in den Lymphknoten könnte Insulinproduktion erhalten

Sonntag, 19. Februar 2017

A.M.BUCKLE, G.FENALTI, R.H.P.LAW, J.C.WHISSTOCK wikipedia

Linköping – Die mehrmalige Injektion des Autoantigens GAD65 in einen Lymphknoten der Leiste hat in Kombination mit einer Vitamin D-Behandlung bei mehreren Patienten mit neu diagnostiziertem Typ 1-Diabetes die Restproduktion von Insulin in den Beta-Zellen über mindestens 15 Monate erhalten. Die Forscher stellten ihre neue Variante der Immuntherapie im New England Journal of Medicine (2017; 376: 697-8) vor.

Der Typ 1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen Abwehrzellen körpereigenes Gewebe angreifen. Beim Typ 1-Diabetes sind die Insulin-produzierenden Beta-Zellen das Opfer. Die Antikörper, die die Autoimmunattacke auslösen, sind häufig gegen die Isoform 65 des Enzyms Glutamat-Decarboxylase (GAD65) gerichtet.

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Ein Team um Johnny Ludvigsson von der Universität Linköping versucht seit einigen Jahren, die Autoimmunattacke durch die Gabe von GAD65 zu stoppen. Dies geschieht in der Hoffnung, dass das Antigen von T-Zellen aufgenommen und als normaler Bestandteil des Körpers akzeptiert wird. Bei allergischen Erkrankungen ist eine solche Immun­therapie häufig wirksam.

Die klinischen Ergebnisse beim Typ 1-Diabetes waren bisher enttäuschend. In einer vor fünf Jahren von Ludvigsson publizierten größeren randomisierten Studie gelang es nicht, die Immunattacke zu stoppen und die Restinsulin-Produktion der Patienten zu erhalten (NEJM 2012; 366: 433-42).

Inzwischen hat Ludvigsson das Therapieschema verändert. Die Antigene werden nicht mehr wie bei der Immuntherapie subkutan verabreicht, sondern unter Ultraschall­kontrolle direkt in einen Lymphkoten der Leistenregion injiziert.

In einer offenen Studie wurden sechs Patienten im Alter von 20 bis 22 Jahren behandelt, deren Diagnose eines Typ 1-Diabetes weniger als sechs Monate zurücklag. Alle hatten Antikörper gegen GAD65 und eine Restinsulin-Produktion mit einem C-Peptid-Wert von mehr als 0,12 nmol/l. Alle erhielten zu drei Zeitpunkten eine Injektion von GAD65 mit dem Adjuvans Aluminium. Parallel wurden sie über vier Monate mit Vitamin D (Calciferol) behandelt, beginnend einen Monat vor der ersten Injektion. Vitamin D ist ein Immun­mo­dulator, der die Ausbildung einer Immuntoleranz verstärken soll.

Bei allen Patienten ist es in den ersten sechs Monaten zu keinem weiteren Abfall des C-Peptids bekommen. Nach 15 Monaten registrierte Ludvigsson sogar einen Anstieg um 34 Prozent. Parallel dazu sank der Insulinbedarf der Patienten bei gleichzeitiger Verbesserung der HbA1c-Wertes.

Nach jeder Behandlung kam es zu einer Abschwächung der Th2-Reaktion, die über die Freisetzung von Interleukin-5 und -13 eine allergische Reaktion fördert.

Die Studie zeigt, dass die Injektion von GAD65 in den Lymphknoten eine günstige Immunreaktion auslösen kann. Ob die Behandlung tatsächlich wirksam ist, lässt sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und einer fehlenden randomisierten Vergleichs­gruppe nicht beurteilen. Die Behandlung könnte den Typ 1-Diabetes vermutlich nicht heilen. Der Erhalt einer Restproduktion von Insulin wäre jedoch vorteilhaft, weil dadurch häufig Hypoglykämien vermieden werden können. © rme/aerzteblatt.de

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