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Gebärdensprache soll Wahlfach in Hessen werden

Montag, 20. Februar 2017

/dpa

Frankfurt am Main – Die Muttersprache Gehörloser wird mit den Händen gesprochen. An hessischen Schulen könnte Gebärdensprache bald auf dem Stundenplan stehen – auch für Hörende. Der hessische Landtag stimmt kommende Woche über die Einführung des Wahlfachs „Gebärdensprache“ ab. Für Dolmetscherin Kathrin-Maren Enders wäre das ein wichtiges Signal für echte Integration.

Dies könne die Kommunikation wesentlich erleichtern und Brücken zu gehörlosen Mit­schü­lern bauen, sagt Enders. Inklusion heiße auch, einen Schritt auf die Gehör­losen zu­zugehen. „Die Ge­bär­densprache zu lernen, wäre da ein Schritt.“ Die 41-Jährige Schau­spie­lerin arbeitet seit etwa einem Jahr als Dolmetscherin, begleitet gehörlose Men­schen bei Behörden­gän­gen und Arztterminen, im Hörsaal oder bei be­trieb­lichen Ver­hand­lun­gen.

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Im Behindertengleichstellungsgesetz ist die Gebärdensprache bereits seit 2002 aner­kannt, aber im täglichen Leben sieht Enders noch jede Menge Nachholbedarf. Dabei ge­be es durchaus positive Signale, etwa eine wachsende Zahl gehörloser Schüler an Re­gel­schulen oder Universitäten.

Unterstützung für die Einführung gibt es auch vom Deutschen Lehrerverband und der Lehrergewerkschaft GEW. Die Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Hessen, Edith Krippner-Grimme, äußerte jedoch Bedenken, ob es ausreichend Experten gibt und wie gut das Angebot von Schülern angenommen wird. Das Kultusministerium geht eben­falls von einem nur begrenzten Interesse am Erlernen der Gebärdensprache aus, sieht darin aber keinen Grund, das Wahlfach nicht einzuführen.

In Hamburg wird die Gebärdensprache bereits seit vergangenem Sommer an mehreren Schulen als Wahlfach angeboten. Dabei könne gerade Hessen an eine frühere Vorrei­ter­rolle anknüpfen, sagt Enders: „Hessen hat 1998 als erstes Bundesland die Gebär­den­sprache politisch anerkannt – da müsste es eigentlich weitermachen.“

Enders sieht für gehörlose Schüler an Regelschulen mehr Chancen als Herausforde­run­gen. Denn an Gehörlosenschulen werde noch immer großer Wert auf Lippenlesen und Sprechenlernen gelegt – und so viel Zeit darauf verwandt, dass andere Unterrichts­fächer etwa im Vergleich zu Abschlüssen an Regelschulen zurückständen. Bildungs­mängel führ­ten dann zu schlechteren beruflichen Chancen.

Auch im Alltag hält Enders Deutschland noch für ein Entwicklungsland bei der Integra­tion Gehörloser: „Phoenix ist der einzige Sender, der bei den Nachrichten einen Gebär­den­dol­metscher einblendet.“ Untertitel seien „besser als nichts“, aber: „Die Schrift­spra­che ist für Gehörlose eine Fremdsprache.“

In anderen Ländern sei es ganz selbstverständlich, dass etwa bei wichtigen Ereignissen auch in die Gebärdensprache übersetzt wird. In den USA machten viele Polizisten einen Grundkurs in der Gebärdensprache, um sich zumindest grundsätzlich mit Gehörlosen ver­ständigen zu können. Auch das Beispiel der polnischen Bahn, in den Großstädten an den Bahnhöfen Schalter einzurichten, an denen über eine Videoschalte ein Dolmetscher übersetzt und Fahrplanauskünfte, Wegbeschreibungen oder Hotelreservierungen er­mög­licht, sei ihr in Deutschland noch nicht bekannt. © dpa/aerzteblatt.de

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