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Medizin

Typ-2-Diabetes: Bariatrische Operation kann Medikamente langfristig ersetzen

Dienstag, 21. Februar 2017

dpa

Cleveland/Ohio – Jeder vierte Patient mit Typ-2-Diabetes mellitus erreichte in einer ran­do­misierten Langzeitstudie nach einer operativen Magenverkleinerung oder einer Bypass­operation normale Blutzuckerwerte. Die meisten kamen laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2017; 376:641-651) fünf Jahre nach der Operation weiterhin ohne Blutzuckermedikamente oder Insulin aus.

Die STAMPEDE-Studie („Surgical Therapy And Medications Potentially Eradicate Diabetes Efficiently“) hatte zwischen 2007 und 2011 insgesamt 150 Patienten mit Übergewicht oder Adipositas (BMI 27-43 kg/m2) und Typ-2-Diabetes auf einen Roux-en-Y-Magenbypass, eine Sleeve-Gastrektomie oder auf eine alleinige medikamentöse Therapie randomisiert.

Bei den chirurgischen Patienten kam es schon kurz nach der Operation zu einer deutlichen Verbesserung der Blutzuckerwerte. Viele erzielten nach wenigen Wochen HbA1c-Werte, die unter einer medikamentösen Therapie so gut wie nie erreicht werden. Auch eine Insulintherapie führt beim Typ-2-Diabetes selten zu norma­len Blutzucker­werten, da der Insulinbedarf infolge der Insulinresistenz deutlich erhöht ist und das Risiko von Hypoglykämien eine bedenkenlose Steigerung der Dosis verbietet.

Die kurzfristigen Erfolge der bariatrischen Operation sind unbestritten, auch wenn sie mit gewissen Operationsrisiken verbunden sind und die Patienten eine Nachsorge benöti­gen. Nach einem Magenbypass kann eine Malabsorption auch zu Mangelerscheinungen führen, die medikamentös behandelt werden müssen. 

Die wenigsten bisher publizierten Studien haben die Patienten prospektiv über längere Zeit begleitet. Die STAMPEDE-Studie ist hier eine Ausnahme. Das Team um Sangeeta Kashyap von der Cleveland Clinic kann jetzt die abschließenden Ergebnisse nach fünf Jahren vorstellen. Nach dem Magenbypass erreichten 14 Patienten (28,6 Prozent) und nach der Magenverkleinerung elf Patienten (23,4 Prozent) einen HbA1c-Wert von unter sechs Prozent, davon elf Patienten (22,4 Prozent) und sieben Patienten (14,9 Prozent) ohne weitere blutzuckersenkende Medikamente oder Insulin.

Sie waren damit von ihrem Typ-2-Diabetes geheilt. Unter einer alleinigen medikamen­tösen Therapie erreich­ten nur zwei Patienten (5,3 Prozent) dieses Behandlungsziel, und beide benötigen weiterhin Diabetesmedikamente – theoretisch kann ein Typ-2-Diabetes auch durch eine Diät allein kuriert werden, doch dies wird so gut wie nie erreicht.

Etwa die Hälfte aller Patienten hatte fünf Jahre nach der Operation noch einen HbA1c-Wert von unter sieben Prozent, der unter Diabetologen als erstrebenswert bezeichnet wird. Mit einer alleinigen medikamentösen Therapie erreicht dies (auch unter Einsatz von Insulin) nur jeder fünfte.

Die bariatrische Behandlung des Typ-2-Diabetes ist sicherlich mit Einschränkungen verbunden. Die Patienten werden durch den verkleinerten Magen und beim Bypass durch die Gefahr eines Dumping-Syndroms zu einer anderen Ernährung gezwungen. Die Gewichtsabnahme kann sich jedoch auch positiv auf Gelenk- und Rückenschmerzen auswirken, und vor allem der Verzicht auf Insulininjektionen wurde von den meisten Patienten als Gewinn ihrer Lebensqualität gewertet. 

Eine Subgruppenanalyse ergab, dass Personen mit einem BMI von 27 bis 34, für die viele Experten derzeit keinen Anlass für eine bariatrische Behandlung sehen, von der Operation profitierten, weshalb sich Kashyap für eine großzügigere Indikationsstellung ausspricht. © rme/aerzteblatt.de

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Herz1952
am Dienstag, 21. Februar 2017, 18:45

Es gibt auch andere Studien

Man hat adipöse jugendliche Diabetiker abnehmen lassen. Sie haben alle "planmäßig" ihr Gewicht reduziert. Aber nur bei der Hälfte der Teilnehmer war der Diabetes verschwunden.

Da muss noch etwas anderes sein, das in unseren Genen liegt. Diese sind unsere sog. "Hardware". Wenn diese geschädigt ist, kann auch kein Gesundheitsprogramm richtig laufen.

Auch bei Computerprogrammen, die noch so gut auf einem Rechner laufen kann es sein, dass sie durch einen sehr kleinen Fehler in der Hardware (kleiner Defekt in einem Chip), nicht mehr richtig laufen, bzw. bestenfalls ein kleiner Teil des Programms nicht mehr läuft.

Beim Menschen genügt ein Fehler in einem einzigen Basenpaar auf dem FTO-Gen und es werden beige Fettzellen produziert und kaum braune. Diese Fette werden aber kaum zur Leistung herangezogen, sondern bleiben größtenteils eingelagert. Sie wurden bei einem Drittel der Adipösen gefunden. Es gibt aber noch sicher andere kleine Defekte, die ähnlich Auswirkungen haben.

Bei einem Auto nützt es auch nichts, wenn man viel Energie hineingibt, diese aber durch eine defekte Motoreinstellung aber nicht für eine adäquate Leistung zur Verfügung steht.

Schlimm ist das insbesondere für diejenigen, die diesen Defekt haben, sie werden es nicht fertigbringen, das Gewicht zu reduzieren, währen die anderen, die aus irgendwelchen anderen Gründen - z.B. aus purer Lust am Essen - zugenommen haben, es bestimmt leichter haben die überflüssigen Pfunde wieder loszuwerden.

Man wird auch durch Zuckeressen nicht zum Diabetiker. Auch hohe Harnsäure bekommt man nicht nur durch Fleischkonsum, sondern ist eine Veranlagung. Auch interessiert sich unser Körper sehr wenig auf zugeführtes Cholesterin, sondern er stellt es selbst her, und wehe das "Thermostat" in der Produktion stimmt nicht, dann ist eine Diät sinnlos. Es wird zum Teil immer noch "gepredigt", dass das Frühstücksei den Cholesterinspiegel erhöht.

Aber eine bariatrische Operation ist immer noch besser als keine und bei weitem nicht mehr so risikoreich, wie noch vor Jahren. In Nordbayern ist vor eineinhalb Jahren ein junger Mann gestorben, dem eine solche OP 3 Jahre lang verweigert wurde durch die AOK Bayern. Nur aufgrund der sinnlosen Verhaltensmaßnahmen, die er vermutlich auch gar nicht mehr einhalten konnte. Diese sind aber noch Voraussetzung für eine Magenband-OP. Allerdings ist die Begründung, diese sei sehr risikoreich, nicht mehr gegeben.

Sollte eine Straftat seitens der AOK vorliegen, verjährt diese erst nach 5 Jahren nach Eintritt des Todesfalles (Tötung durch Unterlassung). Auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hätte diesen Mann retten können. Es wusste leider nur niemand davon und ich habe von dem Fall erst erfahren, als der Mann wegen einer Notoperation kurz vor der geplanten OP bereits im Koma lag und starb.

Leider kannten sich die Angehörigen in der Rechtsprechung nicht aus. Ein Anwaltsschreiben an die AOK hätte vermutlich genügt (Strafandrohung wegen unterlassener Hilfeleistung) und er wäre noch am Leben.

Ich hoffe, dass ich noch die Kraft und die Möglichkeit habe, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, die klären kann, ob eine Straftat vorliegt.

Dieses Gesundheitssystem geht m. E. "über Leichen". Jeder hat aber die Möglichkeit, falls er von solchen Fällen erfährt, Anzeige zu erstatten und sollte es auch tun.

Dazusagen muss ich noch, dass andere Krankenkassen anders verfahren und die OP früher genehmigen.
Rie-Rie
am Dienstag, 21. Februar 2017, 17:40

Gewichtsreduktion mit konservativen Maßnahmen heilt Diabetes

Aus eigener Erfahrung mit Patienten, die sich zu einer konsequenten Lebensstiländerung entschlossen haben, kann ich bestätigen, dass Diabetes durch Gewichtsabnahme geheilt werden kann. Deshalb wäre es richtig diese Patienten frühzeitig und konsequent zu unterstützen. Patienten mit bariatrischen Operationen werden langfristig betreut und gegebenenfalls supplementiert. Konservativ behandelte Patienten müssen um eine dreiwöchige Reha-Behandlung kämpfen, oft wird sie versagt. Nach der Reha, in der eine Gewichtsreduktion um 5-6 kg durchaus, ohne zu hungern, erreicht werden kann (in 3 Wochen), erfolgt keine strukturierte Nachbehandlung, sie werden einfach dem gewohnten Alltag ohne weitere Hilfestellung ausgesetzt. Noch einmal zur Erinnerugn: als die Magenoperationen durch Protonenpumpenhemmer überflüssig geworden waren, wurde dies (zu Recht) als großen Fortschritt in der Medizin gefeiert, um ein viertel Jahrhundert später wieder Mägen zu operieren. Erst wenn die Nachbehandlung im konservativen Fall ebenso langfristig gewährleistet wird, wie nach den bariatrischen Eingriffen, kann ein Vergleich beider Methoden als wissenschaftlich gelten. Mir persöpnlich sind Patienten bekannt, die unter konservativen Bedingungen ebensoviel abgenommen haben, wie der Durchschnitt der operierten Patienten und ich kenne auch Patienten, die nach der Operation zuerst ab- und dann wieder deutlich zugenommen haben.

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