Medizin

Reha-Sport bei Herzinsuffizienz sicher und effektiv

Mittwoch, 22. Februar 2017

Trondheim – Ein moderates Sportprogramm hat sich bei Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Pumpschwäche in einer randomisierten Studie als sicher erwiesen und die Herzleistung leicht verbessert. Ein intensives Training war laut der Publikation in Circulation (2017; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.116.022924) ebenfalls sicher, erfüllte jedoch die Erwartungen der Sportmediziner nicht.

Körperliches Training war bis vor wenigen Jahren für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz absolut kontraindiziert. Die Kardiologen befürchteten, dass jede Anstrengung zum Einbruch der Pumpfunktion führt und möglicherweise eine tödliche Arrhythmie auslöst.

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Diese Einschätzung hat sich durch die HF-ACTION-Studie grundlegend verändert. In der Studie an 2.331 Patienten hatten aerobe Übungen auf dem Laufband oder dem Fahrradergometer die körperliche Fitness leicht verbessert, die Symptome gelindert und die Lebensqualität verbessert. Das wichtigste Ergebnis war jedoch, dass es unter dem Training nicht zu vermehrten Todesfällen kam (JAMA 2009; 301: 1439-1459).

Mediziner der Universität Trondheim waren noch mutiger. In einer Pilotstudie führten neun Patienten ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) durch. Trotz schwerer Herzinsuffizienz (linksventrikuläre Ejektionsfraktion LVEF 29 Prozent) gingen sie immer wieder an ihre Leistungsgrenze (95 Prozent der maximalen Herzfrequenz). Das HIIT war nicht nur sicher. Es steigerte auch die Herzleistung. Am Ende der Trainingsphase (dreimal die Woche über 12 Wochen) war die LVEF auf 38 Prozent gestiegen (Circulation 2007; 115: 3086-3094).

Die Ergebnisse veranlassten eine größere Folgestudie, an der in den Jahren 2009 bis 2014 an neun Zentren (darunter München und Leipzig) 261 Patienten mit Herz­insuffizienz (LVEF unter 35 Prozent und NYHA-Stadium II-III) teilnahmen. Die Patienten wurden auf drei Gruppen randomisiert. In der ersten Gruppe wurde ein moderates Training (Herzfrequenz bis 60-70 Prozent des Maximalwertes) angeboten, in der zweiten Gruppen wurden die Patienten in 4-Minuten-Intervallen bis zu 90-95 Prozent der maximalen Herzfrequenz belastet. In der dritten Gruppe wurden nur Tipps für sportliche Übungen ausgegeben.

Wie das Team um Øyvind Ellingsen von der Universität Trondheim jetzt berichtet, haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Das HIIT steigerte die LVEF nicht und auch der linksventrikuläre enddiastolische Durchmesser (LVEDD) verbesserte sich kaum. Die Gründe für die enttäuschenden Ergebnisse sind nicht ganz klar. Ellingsen vermutet, dass der höhere Anteil von Patienten mit einer ischämischen Herzerkrankung eine Rolle gespielt haben könnte. Außerdem hatten viele Teilnehmer in der HIIT-Gruppe ihre Trainingsziele nicht erreicht. Die Teilnehmer hatten nur in den ersten drei Monaten unter Aufsicht trainiert. Danach sollten sie das Training allein fortsetzten. Viele blieben dabei hinter den vorgegebenen Zielen zurück.

Mit dem moderaten Training kamen die Teilnehmer dagegen besser zurecht. Nicht wenige Teilnehmer übererfüllten laut Ellingsen  ihre Ziele. Die Ergebnisse waren sogar etwas besser als in der HIIT-Gruppe. Zu einem deutlichen Anstieg der LVEF kam es jedoch nicht. Allein der LVEDD verbesserte sich leicht. 

Obwohl die Studie nicht alle Erwartungen erfüllt hat, ist Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München mit dem Ergebnissen zufrieden. Die Studie unterstreiche, wie sehr ein regelmäßiges körperliches Training bei moderater Intensität allen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz zu empfehlen sei.

Halle rät im Prinzip allen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zu einem moderaten Training (sofern der Kardiologe keine Einwände hat). Der Aufwand sei gering: Einmal am Tag hundert Schritte pro Minute oder 3.000 Schritte in 30 Minuten könnten ausreichen, um die Herzleistung zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern, erklärt der Sportmediziner in einer Pressemitteilung. © rme/aerzteblatt.de

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