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Medizin

Blasenkrebs: Pembrolizumab verlängert Leben in Phase 3-Studie

Mittwoch, 22. Februar 2017

Boston – Der PD-1-Inhibitor Pembrolizumab hat in einer Phase 3-Studie die Überlebens­zeit von Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom in der Second-Line-Therapie um fast drei Monate verlängert. Da zudem die Verträglichkeit besser war als unter einer konventionellen Chemotherapie, dürften die jetzt im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMoa1613683) veröffentlichten Ergebnisse einer Zulassung den Weg ebnen.

Das Mittel der Wahl beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Cisplatin. Die Überlebenszeiten betragen allerdings nur etwa 9 Monate, beziehungsweise 12 bis 15 Monate unter einer Kombinationstherapie. Nach dem Versagen von Cisplatin erhalten die Patienten eine Chemotherapie mit Vinflunin oder einem Taxan. Der Nutzen dieser „Salvage“-Therapie ist jedoch umstritten.

Die KEYNOTE-045-Studie hat diese Zytostatikabehandlung in der Zweit-Linientherapie jetzt mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab verglichen, der die körpereigene Immun­abwehr gegen Krebszellen fördert. An der Studie nahmen an 120 Zentren in 29 Ländern 542 Patienten mit Urothelkarzinom teil, bei denen eine First-Line-Therapie keine Wirkung (mehr) erzielt hatte. Die Patienten wurden auf eine Behandlung mit Pembro­lizumab oder mit einer konventionellen Chemotherapie weiterbehandelt, wobei es den Onkologen überlassen blieb, welchen Wirkstoff sie einsetzten. Zur Auswahl standen Docetaxel, Paclitaxel oder Vinflunin.

Die beiden primären Endpunkte der Studie waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Wie Joaquin Bellmunt vom Dana–Farber Cancer Institute in Boston und Mitarbeiter berichten, wurde das Ziel im ersten primären Endpunkt verfehlt. Bis zur erneuten Tumorprogression vergingen in der Pembrolizumab-Gruppe 2,1 Monate gegenüber 3,3 Monaten unter der konventionellen Chemotherapie.

Trotzdem war die Gesamtüberlebenszeit in der Pembrolizumab-Gruppe mit 10,3 Monaten länger als unter der konventionellen Chemotherapie, wo die Patienten im Durchschnitt noch 7,4 Monate lebten. Bellmunt ermittelt eine Hazard Ratio von 0,73, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,59 bis 0,91 statistisch signifikant war.

Pembrolizumab zeichnet sich auch durch eine bessere Verträglichkeit aus: Die Neben­wirkungsrate war mit 60,9 versus 90,2 Prozent niedriger als in der Zytostatika-Gruppe. Schwere Komplikation (Grad 3 bis 5) waren mit 15,0 Prozent gegenüber 49,4 Prozent ebenfalls seltener.

Die FDA prüft aufgrund der Ergebnisse derzeit, ob sie die Indikation auf das Urothel­karzinom erweitern sollte. Der Hersteller hat zudem mit einer weiteren Studie begonnen, in der Pembrolizumab als First-Line-Therapie mit Cisplatin verglichen wird.

Pembrolizumab ist nicht das einzige Immuntherapeutikum, das beim Urothelkarzinom wirksam ist. In den USA sind bereits der PD 1-Inhibitor Nivolumab und der PD-L1-Inhibitor Atezolizumab zugelassen. Die PD-L1-Inhibitoren Durvalumab und Avelumab haben in ersten klinischen Studien ebenfalls gute Ergebnisse erzielt. Die Immun­therapeutika hemmen den Botenstoff PD-L1 oder seinen Rezeptor PD-L auf T-Zellen, was eine vermehrte Immunattacke auf den Tumor zur Folge hat.

Die gute Wirkung von Immuntherapeutika dürfte Experten nicht überraschen, gehört doch die Blasenspülung mit dem Tuberkulose-Impfstoff BCG seit langem zur Behandlung. Die Wirkung kommt ebenfalls über eine Stimulation der Immunabwehr zustande. © rme/aerzteblatt.de

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