Vermischtes

Schmerztherapie: TK fordert, Wirksamkeit digitaler Angebote zu prüfen

Mittwoch, 22. Februar 2017

Berlin – Eingebettet in ein medizinisches Versorgungskonzept können digitale Angebote die ärztliche Therapie bei Schmerzpatienten aber auch anderen chronischen Krank­heiten unterstützen. Ob Gesundheitsapps kontinuierlich zum Einsatz kommen und Wirkung zeigen, müsse aber zuerst nachgewiesen werden, sagte Jens Baas, Vorstands­vorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK) auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Migräne-App der TK habe den Test bestanden, weitere Angebote seien in der Prüfung.

Nach dem Prinzip – informieren, reflektieren und eigene erreichbare Ziele umsetzen – funktionieren alle Gesundheitschoaches der TK im Internet. Allein 2017 rechne man mit 220.000 Nutzern, teilte Baas mit. Das Angebot reiche vom Nichtrauchertraining über Stress-Coaches bis hin zu Bewegungsprogrammen.

Migräne-App der TK

  • kostenlos
  • ohne Registrierung
  • derzeit nur für iOS verfügbar
  • Android soll Ende Februar folgen
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Kern der neuen Migräne-App, die von der Kieler Schmerzklinik entwickelt wurde, ist ein Schmerzkalender und eine Anleitung für eine progressive Muskel­entspannung. Zudem hilft die App, das Selbstmanagement der Patienten zu stärken und dabei, den besten Zeitpunkt für die Medikamenteneinnahme zu finden. „Alle Angaben, wie etwa die letzte Schmerzattacke, lassen sich eingeben und als Kopfschmerz-Logbuch für das Gespräch mit dem Therapeuten auslesen“, erklärte Hartmut Göbel, Direktor an der Schmerzklinik Kiel.

In einer Studie mit 176 Nutzern haben Fachärzte die Wirksamkeit der App analysiert, indem sie den Zeitraum drei Monate vor und nach Anwendung der App verglichen. „Ein Großteil der Teilnehmer berichtete uns, dass sie mithilfe der App die Therapievorgaben des Arztes besser einhalten, mehr als 90 Prozent empfinden das als eine deutliche Erleichterung“, sagte der Neurologe. Mehr als die Hälfte der Betroffenen gab zudem an, dass sie nach Installation der App seltener arbeitsunfähig waren. Die migränebedingte Behinderung nahm in den drei Monaten ebenfalls um etwa 20 Prozent ab. Der MIDAS-Score (Migraine Disability Assessment Score) reduzierte sich von 64 auf 52. Die Studienergebnisse zum Wirksamkeitsnachweis seien noch nicht veröffentlicht, sagte Göbel dem Deutschen Ärzteblatt. „Nach meiner Kenntnis gibt es bisher noch keine andere App, die sich vergleichbaren klinischen Tests unterzogen hat.“

Zahlen und Fakten

In Deutschland nimmt im Schnitt jeder Zehnte jeden Tag eine Kopfschmerztablette, jeder Zwanzigste leidet täglich an Kopfschmerz. 28 Millionen Frauen und 21 Millionen Männer seien betroffen. Damit sei Kopf­schmerz die Volkskrankheit Nummer eins. Tag für Tag blieben Tausende wegen ihrer Schmerzen der Arbeit fern. Allein wegen Migräne fehlten jeden Tag rund 5.200 Menschen – „und das sind nur die Fälle mit ärztlicher Diagnose und Krankschreibung“, erläuterte TK-Chef Jens Baas.

Spielerisch Rückenschmerzen bekämpfen

Eine zweites neues digitales Angebot, das die TK ausgewählt hat, adressiert das rückentherapeutische Selbst­ma­nage­ment. Das kostenpflichtige Valedo-System unterstützt chronisch kranke Patienten, die bereits vier Wochen und länger mit Rückenschmerzen arbeits­unfähig sind, unter ärztlicher Anleitung zu trainieren. Die sensorgestützte Rückentherapie basiert auf einem spiele­rischen Ansatz mit 50 Übungen, die die Betroffenen zu Hause durchführen können. Ähn­lich wie bei einem typischen Jump-and-Run-Spiel weichen die Nutzer Gefahren aus und sammeln Edelsteine, indem sie die computeranimierte Figur mit rückengerechten Bewe­gungen durch eine Fantasiewelt navigieren. Derzeit testen die Kieler Forscher noch die Akzeptanz der Nutzer, die Wirksamkeitsanalyse steht noch aus.

Einblicke in die sensorgestützte Rückentherapie /youtube, TK Presse & Politik

„Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht versprechen, dass von uns ausgewählten Apps in zwei Jahren eine Wirksamkeit nachgewiesen werden kann“, sagte Baas. Der TK sei wichtig, das digitale Angebote im Gesundheitsbereich nicht allein den Start-ups zu überlassen. Bestenfalls sollte eine Kooperation mit Ärzten und Kliniken stattfinden, um die Qualität der App zu gewährleisten. © gie/aerzteblatt.de

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